Schmerzen durch Verspannung Wenn der Kiefer krank macht

Der Kiefer ist das kräftigste Gelenk des Körpers. Im Laufe unseres Lebens zerkleinern wir damit über 30 Tonnen Nahrung. Doch passt der Biss nicht richtig, kann das Schmerzen bis hin zu Kopf, Ohr und Rücken verursachen.

Es schmerzt beim Kauen. Es knackt beim Zubeißen. Der Kiefer klemmt förmlich, wenn man den Mund öffnen will. Es kommt zu unerklärlichen Kopf- und Nackenschmerzen oder auch zu Ohrgeräuschen. All diese verschiedenen Symptome können ihren Ursprung im Kiefergelenk haben. Ärzte sprechen dann von einer "Craniomandibulären Dysfunktion". Sie umfasst Schmerzen oder Funktionseinschränkungen im Bereich des Kiefergelenks und der Kaumuskulatur.

Viele mögliche Ursachen - Diagnose schwierig

Warum der Kiefer Probleme macht, ist individuell sehr verschieden. Daher ist eine Ursachenfindung hier für den Arzt schwierig - und sie kann langwierig werden. Eine Fehlstehlung des Kiefers kann etwa ausgelöst werden durch einen nicht richtig passenden Zahnersatz, eine Fehlstellung der Zähne oder nächtliches Knirschen. Zudem kann auch das Kiefergelenk eine Arthrose bekommen oder nach einem Unfall falsch belastet werden. Denn passen untere und obere Zähne nicht richtig aufeinander, wird die Kaumuskulatur überlastet. Das macht Schmerzen und kann sich wie eine Kettenreaktion bis in den Kopf und Nacken und sogar bis in den Rücken ziehen. Zudem können fehlgeleitete Kaukräfte enorme Schäden auch an den Zähnen selbst anrichten.

Da eine "Craniomandibuläre Dysfunktion", kurz CMD, vielfältige Ursachen und Symptome haben kann, arbeitet der 2006 gegründete CMD-Dachverband e.V. interdisziplinär sowohl mit Zahnärzten als auch mit Physiotherapeuten und anderen Spezialisten zusammen. So werden die jeweils vorliegenden Krankheitsbilder von verschiedenen Fachrichtungen aus analysiert. Der Verband hat es sich zudem zum Ziel gesetzt, Patienten eine Informationsplattform zu bieten, die Auskunft über den diagnostischen und therapeutischen Stand gibt.

Bereits 1967 gegründet wurde die "Deutsche Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie". Seit 2002 trägt sie auch den internationalen Namen "Academy for Functional Diagnostics and Therapy (AFDT). Nach eigenen Angaben ist dies "weltweit die größte derartige Fachgesellschaft". Im Zentrum steht die Förderung des interdisziplinären Wissenstransfers zwischen Zahnpraxen und Kliniken. Hier werden auf vielen Wegen Veranstaltungen durchgeführt, um dies zu ermöglichen. Zudem werden wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht. Auch hier finden Betroffene Informationen.

Mittel gegen den Schmerz

Helfen können sogenannte Okklusionsschienen, die den Kiefer wieder in die richtige Lage bringen und die Muskelaktivität vermindern können. Wenn der Zahnarzt eine Behandlung mit so einer Beissschiene verschreibt, dann übernehmen die Krankenkassen die Kosten. Medikamente bringen bei akuten Schmerzen Linderung, sollten aber nicht dauerhaft eingenommen werden. Zudem hilft in vielen Fällen auch eine Physiotherapie, die der Zahnarzt verordnen kann. Mit gezielten Handgriffen kann der Therapeut den Kiefer mobilisieren und die Muskeln lockern.

eine Okklusionsschiene bzw. Knirscherschiene aus durchsichtigem Kunststoff
Die aus Kunststoff bestehenden Okklusionsschienen sind auch als Aufbiss- oder Knirscherschienen bekannt. Bildrechte: imago images / Niehoff

Zudem gibt es einige Dinge, die man selbst tun kann. Wärme lindert Schmerzen bei einer chronisch verspannten Muskulatur. Bei akuten Gelenkschmerzen dagegen schadet Wärme eher. Dann hilft ein Kältepack. Zudem sollte man ab und an die Stellung seines Kiefergelenks prüfen: Die Zähne sollten sich nämlich nur beim Schlucken kurz berühren. Das sind insgesamt höchstens 15 Minuten am Tag. Wer sich öfter mit zusammengebissenen Zähnen ertappt, sollte den Mund für einige Sekunden weit öffnen. Wer mag kann auch Grimassen ziehen, denn eine kleine Gesichtsgymnastik lockert verspannte Kiefermuskeln auf.

Stichwort Zähneknirschen Durch das permanente Malmen kann sich der Zahnschmelz abreiben - bis hin zum kompletten Zahnverlust. Zudem belastet ständiges Knirschen die Kiefergelenke, das Zahnbett und die Kaumuskulatur. Das kann zu Kopfschmerzen und Verhärtungen der Nacken- sowie Schultermuskulatur führen. Auch hier können Okklusionsschienen für Linderung sorgen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 13. August 2020 | 21:00 Uhr

Ein Angebot von

Zurück zur Startseite