Schwache Venen Heimtückische Krampfadern

Krampfadern an den Beinen kennen viele. Doch Krampfadern können auch an anderen Körperstellen Probleme bereiten. Beim Beckenvenensyndrom verursacht eine innere Krampfader chronische Schmerzen. Eine Erkrankung die kaum bekannt ist, aber gut behandelt werden kann.

Frau mit Wärmflasche auf dem Bauch
Schmerzen im Unterleib können auch durch ein Beckenvenensyndrom verursacht werden. Bildrechte: imago/Westend61

Fast 30 Jahre hat Margaretha Hesse Schmerzen im Unterleib. Ein Stechen im Bauch, das mit den Jahren immer unerträglicher wird. Nachts wacht sie vor Schmerzen auf, kann nicht auf der linken Seite liegen. Schmerzmittel sind wirkungslos. "Ich bin von Arzt zu Arzt gelaufen: Hausarzt, Gynäkologe, Urologe, Bauchsonografie, Darmspiegelung – alles ohne Befund", erzählt die 64-Jährige.

Kaum bekanntes Beckenvenensyndrom 

Im letzten Jahr liest Margaretha Hesse erstmals in der Zeitung einen Artikel über das Beckenvenensyndrom. "Ich hatte bis dahin noch nie etwas davon gehört", gibt sie zu. Wie bei einer Krampfader im Bein ist dabei die Ovarialvene im Becken stark erweitert. Die Folge: ein Durchblutungsstau im Unterbauch und Schmerzen. "Man vermutet, dass jede dritte Frau, die länger als sechs Monate chronische Unterleibsschmerzen hat, von dieser Krankheit betroffen ist", sagt Gefäßspezialist Ilhami Benli von den Ilm-Kreis-Kliniken in Arnstadt.

Grafik: Arthrose Hüfte
Eine Hüftarthrose löst ähnliche Schmerzen aus wie ein Beckenvenensyndrom. Das macht die Diagnose schwierig. Bildrechte: imago/Panthermedia

Doch die Erkrankung ist selbst unter Ärzten kaum bekannt. Das Problem ist, dass die Beschwerden so vielen anderen Erkrankungen ähneln. "Es kann eine Hüftarthrose, eine gynäkologische Erkrankung oder eine Blasenentzündung sein, die solche Beschwerden verursacht. Man sollte aber auch an die wichtige Differentialdiagnose der Gefäße denken, damit die Patienten nicht 30 Jahre leiden müssen, bis sie therapiert werden", so Benli.

Minimalinvasive OP hilft

Nach einer CT-Untersuchung in Arnstadt erhärtet sich bei Margaretha Hesse der Verdacht, dass es sich tatsächlich um ein Beckenvenensyndrom handelt. Es zeigt die gut versteckte Krampfader im Bauch. Mit einem unkomplizierten, minimalinvasiven Eingriff kann diese nun behandelt werden. Die Patientin wird nur lokal betäubt, bleibt die ganze Zeit wach. Über einen Katheter wird die Krampfader mit Metallspiralen, sogenannten Coils, verstopft und das Ende mit Gefäßkleber verödet.

Gute Erfolgsrate

In der Regel merken die Patienten nach einem solchen Katheter-Eingriff sofort, dass es besser wird. "Man spricht von einem Therapieerfolg, wenn eine Schmerzreduktion um 50 Prozent erreicht wird, dass die Patienten wieder Lebensqualität bekommen und ihren Alltag bewältigen können", erläutert Gefäßspezialist Benli. Und auch bei Margaretha Hesse war der Eingriff erfolgreich. "Ich kann es noch gar nicht glauben, aber ich bin schmerzfrei", sagt sie reichlich eine Woche nach der OP. Sie hofft, dass es auch so bleibt.

Venenschwäche in den Beinen

Unsere Venen in den Beinen transportieren Blut im Körper aufwärts zum Herzen zurück. Um den Rücktransport gegen die Schwerkraft zu erleichtern, haben die Beinvenen in regelmäßigen Abständen Venenklappen.

Krampfadern an einem Bein
Krampfadern sind nicht nur unschön, sie können auch gefährlich werden. Bildrechte: Colourbox.de

Bei zu schwachem Bindegewebe nimmt die Elastizität der Blutgefäße ab, die Venenklappen schließen nicht mehr richtig. Das Blut versackt in den Beinen, Krampfadern bilden sich. In dieser Stauzone kann es zu hartnäckigen Geschwüren, offenen Beinen oder einer Thrombenbildung kommen. Ab einem gewissen Grad raten Ärzte daher zu einer Entfernung der Krampfadern.

Die vier häufigsten Verfahren zur Entfernung von Krampfadern

Stripping: Beim Stripping macht der Chirurg einen Schnitt in der Leiste und zieht die kranke Vene mit Hilfe einer Sonde heraus. Die OP wird unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose vorgenommen. Das Stripping gilt als sehr sichere Standardmethode. Nach dem Eingriff müssen für etwa drei Monate Kompressionsstrümpfe getragen werden. 

Laser: Dieses Verfahren ist etwas weniger invasiv wie das Stripping. Bei der Lasertherapie wird der Laser mit einem Katheter durch die Vene bis an die Leiste geführt. Beim Zurückziehen erhitzt der Laser die Venenwand so stark, dass das Gefäß schrumpft und sich mit der Zeit auflöst. Eine Studie an elf verschiedenen Zentren in Großbritannien (2019) zeigte: Stripping und Laser schneiden fünf Jahre nach dem Eingriff in etwa gleich gut ab. Es gibt auch beim Laser keine vermehrten Komplikationen oder Beschwerden.

Radiofrequenztherapie: Auch diese ist wie die Lasertherapie ein thermisches Verfahren. Die Vene wird durch die Wärme von Radiowellen zerstört und löst sich dann Stück für Stück auf. Der Patient ist schon kurz nach dem Eingriff wieder belastbar, allerdings kommt das Verfahren bei sehr stark erweiterten Stammvenen an seine Grenzen.

Schaumverödung: Dabei wird das betroffene Gefäß mit einem chemischen Stoff verödet. Sehr dicke Krampfadern sind hierfür nicht geeignet. Die Methode wird häufiger zur Nachbehandlung angewandt und mit anderen Verfahren kombiniert.

Wann überhaupt ein solcher Eingriff erfolgen soll, kann nur mit einem Gefäßspezialisten besprochen werden. Ob bereits bei einem Schweregefühl in den Beinen oder kosmetischen Aspekten operiert werden sollte, ist umstritten. Zeigen sich allerdings schon Verhärtungen oder offene Beine, dann muss behandelt werden. Denn von allein verschwinden Krampfadern nicht.

Tipps gegen schwere Beine im Sommer

Beine hoch: Langes Stehen belastet die Venenklappen. Das Blut wird nicht mehr schnell genug zum Herzen gepumpt und führt zum Anschwellen der Beine. Wann immer es geht, lagern Sie Ihre Beine höher.

Ein Senior beim Wassertreten am Jakobsweg bei Eislingen-Krummwälden
Im kühlen Wasser zu laufen, beruhigt geschwollene Füße. Bildrechte: Imago/Horst Rudel

Kühlen: Der Sommer ist perfekt für eine Kneipp-Kur. Das Treten im kühlen Wasser ist eine Wohltat für geschwollene Füße. Zu Hause hilft ein kurzes Abduschen am Wasserhahn oder Gartenschlauch.

Bewegen: Eine kleine Fußgymnastik geht immer. Schaukeln Sie beispielsweise im Sekundentakt hoch auf die Zehenspitzen und zurück auf die Ferse. Das geht auch im Sitzen. Die Aktivierung der Wadenmuskulatur hilft den Venen, das Blut aus den Beinen zu befördern.

Schön geformte blühende Roߟkastanie auf grünem Feld im Frühling
Rosskastanie hat eine entzündungshemmende Wirkung. Bildrechte: imago images / Andreas Vitting

Pflanzenkraft: Rosskastanie, Weinlaub und  Minze haben eine kühlende und leicht entzündungshemmende Wirkung. In Gels und Cremes lindern sie ein leichtes Schweregefühl in den Beinen.

Kompressionstrümpfe: Bei ausgeprägter Venenschwäche verhindern sie, dass zu viel Blut in den Beinen versackt. Kompressionsstrümpfe müssen im Sanitätshaus angepasst werden, sind heutzutage aber modischer und bunter als man denkt.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 02. Juli 2020 | 21:00 Uhr

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