eine Japanerin hustet
Bildrechte: IMAGO

Lungenkrankheit COPD – Leben mit Atemnot

Husten, Schleim im Hals und irgendwann Atemnot. Knapp sieben Millionen Deutsche leiden an COPD. Ist die Krankheit fortgeschritten, scheint jede Bewegung die überblähte Lunge an ihre Grenze zu bringen.

von Jörg Simon

eine Japanerin hustet
Bildrechte: IMAGO

Christine Ölschläger hat ein Ritual, das sie jeden Morgen vollzieht. Dazu geht die Die 69-Jährige auf ihre Terrasse und macht zehn Mal eine Atemübung, die sich "Lippenbremse" nennt. "Dann hol ich ganz tief Luft, dass sich das alles weitet, dass sich die Lunge weitet, mein Oberkörper, mein Brustkorb. Und puste das ganz langsam, ganz in Ruhe, wieder heraus."

Eine Computergrafik zeigt Lage und Querschnitt der Lungen im menschlichen Körper
Bei einer COPD ist die Lunge überdehnt. Bildrechte: IMAGO

Einatmen und entspannt wieder ausatmen, sich dabei mit wenig Mühe auf unterschiedliche Belastungen einstellen ist für lungengesunde Menschen eine Selbstverständlichkeit. Vielen Patienten mit COPD wie Christine Ölschläger fällt das hingegen oft sehr schwer. COPD ist die Abkürzung für "Chronic Obstructive Pulmonary Disease", übersetzt "Chronisch obstruktive Lungenerkrankung". Das bedeutet: Die Atemwege sind dauerhaft verengt oder verstopft. COPD ist nicht heilbar. Weltweit führt eine COPD sogar häufiger zum Tod als ein Herzinfarkt.

Wie beginnt COPD?

Wichtigster Risikofaktor für die Erkrankung ist das Rauchen. Zunächst macht sich eine COPD mit verstärktem Husten und zähem Auswurf bemerkbar – der klassische "Raucherhusten". Symptome wie Atemnot werden von den Betroffenen oft noch nicht bemerkt. Es kommt zu häufigen Entzündungen der Bronchien, deren Wände sich verdicken. Der Weg für den Luftstrom verengt sich dadurch. Zäher Schleim bildet sich.

Lungenbläschen
Bei COPD werden die Lungenbläschen durch entzündliche Prozesse zerstört. Bildrechte: imago images / Panthermedia

Die entzündlichen Prozesse greifen schließlich auch die Wände der winzigen Alveolen, der Lungenbläschen, an. Diese Bläschen werden zerstört. Statt aktivem Lungengewebe hinterlassen diese Prozesse große, träge Blasen. Die Elastizität des Gewebes geht nach und nach verloren. Die Lunge wird überdehnt, es entsteht ein Emphysem, also eine krankhafte Aufblähung des Gewebes,, durch die es den Betroffenen immer schwerer fällt, die eingeatmete Luft wieder auszustoßen. Christine Ölschläger beschreibt das so: "Das ist, als wäre alles zu. Man kriegt Angst. Als ob man ersticken würde."

Die dauerhaft überblähte Lunge behindert die Atmung. Dadurch gelangt weniger Sauerstoff in den Körper. Das Herz muss für die Versorgung des Körpers also mehr pumpen und wird zusätzlich belastet. Die Gefahr: Der Herzmuskel wird überfordert und es droht der Herztod. Auch aus einem anderen Grund kann COPD die Herzfunktion beeinträchtigen: Die überblähte Lunge verschiebt nämlich mitunter das Herz innerhalb des Brustkorbes. Dadurch kann es zu Veränderungen in der Erregungsausbreitung im Herzmuskel kommen.

Tragisch daran: Das einmal geschädigte Lungengewebe regeneriert sich nicht. Mit der Behandlung der Erkrankung kann nur versucht werden, die zerstörerischen Prozesse anzuhalten und dem Patienten eine bessere Lebensqualität zu verschaffen.

COPD wird in vier verschiedene Schweregrade von A bis D eingeteilt. Kriterien sind zum einen die Lungenfunktion, weiterhin die Schwere der Symptome sowie das Risiko plötzlicher Verschlechterungen, sogenannter Exazerbationen.

Wie wird behandelt?

Der Verzicht auf schädigende Faktoren ist am wichtigsten, um ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern. Die Zigarette muss also zwingend weg. Eine gute medikamentöse Therapie mit bronchienerweiternden Mitteln kann dann Symptome lindern und die körperliche Leistungsfähigkeit wieder erhöhen. Neue Richtlinien beschränken dabei die Rolle von Kortison-Präparaten. Sie sollen nur noch bei akuten Verschlechterungen eingesetzt werden.

Eine Frau mit einem Atenspray
Inhaltationen und andere Mittel können lindern. Bildrechte: IMAGO

Mit Inhalationen, richtigen Hustentechniken und zusätzlich mit sogenannten PEP-Geräten, die ein wenig an eine Pfeife erinnern, kann das Abhusten erleichtert werden. In solche PEP-Geräte wird beim Husten ausgeatmet, sie setzen der Ausatemluft dabei einen Widerstand entgegen. Einige dieser Geräte erzeugen dabei auch Fluss- und Druckschwankungen, die sich auf die Atemwege übertragen und Sekret lösen können.

In fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung kommt auch eine Langzeit-Sauerstoff-Therapie über eine Nasensonde in Frage.

Gerade COPD-Patienten werden zudem bestimmte Schutzimpfungen dringend empfohlen, etwa gegen Grippe und Pneumokokken. Die vorgeschädigte Lunge würde auf entsprechende Infektionen besonders empfindlich reagieren.

Wie können Operationen helfen?

Verschiedene Verfahren können helfen, das Volumen der überblähten Lunge zu verringern und damit die Atmungsfunktion zu verbessern. Im Grunde werden dabei gezielt besonders stark geschädigte Bereiche der Lunge stillgelegt. So gelangt wieder mehr Sauerstoff zu den noch besser arbeitenden Lungenabschnitten.

Operiert wird heute meist über ein Bronchoskop, also ohne großen Schnitt. Es gibt im Wesentlichen zwei Verfahren: Bei dem einen werden Einwegventile verwendet, die bestimmte Lungenbereiche blockieren. Beim anderen kommen sogenannte Coils zum Einsatz. Das sind Drahtspiralen, von denen immer mehrere in die Lunge eingebracht werden, die dort zu einer Raffung des Lungengewebes führen. Die überblähten Anteile werden entlüftet und die Luftzirkulation wird verbessert.

Welche Rolle spielt Bewegung?

Viele COPD-Patienten scheuen sich vor Bewegung, die sie oft genug an den Rand der Atemnot bringt. Doch diese Angst ist fatal, denn sie führt dazu, dass der Körper übertrieben geschont wird. Dabei ist es für die Behandlung wichtig, dass er nicht erschlafft. Regelmäßige moderate Bewegung ist darum ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Mediziner sprechen sogar von einer "zweiten Säule" der Therapie, so bedeutsam wie Medikamente. Der Pneumologe Claus F. Vogelmeier begründet das so: "Atemluft kann nur genutzt werden, wenn die Muskulatur stark ist".

In speziellen Lungensportgruppen gibt es fachkundige Anleitung. In einigen Behandlungszentren wird Bewegung erfolgreich mit einer weiteren Betätigung verbunden – mit dem Singen.

Gesangsnoten
Singen vertieft die Atmung. Bildrechte: imago/Westend61

Die 72-jährige Hannelore Maschke leidet schwer unter COPD. "Die Atmung geht rein, aber sie geht nicht mehr raus, so dass die Lunge halb voll ist. Und wenn man dann wieder einatmet, kommt wenig rein. Und so steigert sich die Atemnot immer weiter." Ohne ihr Sauerstoffgerät kann Hannelore Maschke deshalb nicht mehr außer Haus. Die Kombination von speziellen Übungen und Gesang sollen ihr helfen, wieder besser Luft zu bekommen.

Die Logopädin Elena Deppe erklärt: "Singen ist der einfachste Weg, seine Atmung zu vertiefen. Wir können hier die Ausatmung verstärken durch das Singen längerer Phrasen. Und wenn wir das machen, dann kommt auch viel mehr Atemluft wieder rein."

Übungen, die das Atmen erleichtern sollen

Wichtig für COPD-Patienten sind regelmäßige Übungen, um das Atmen zu verbessern und um Situationen akuter Luftnot besser zu beherrschen. Katharina Kaufhold, Atemtherapeutin vom Martha-Maria Krankenhaus in Halle-Dölau, demonstriert das im Studio von Hauptsache Gesund.

Lippenbremse
Eine Technik, die vielen Patienten bei der Behandlung vermittelt wird, ist die Lippenbremse. Diese einfache Übung hilft in Situationen, in denen die Luft knapp wird, zum Beispiel beim Treppensteigen, kann aber auch als Ritual in den Tag eingebaut werden. So geht es: Lippen entspannt aufeinanderlegen, dann fester aufeinanderpressen und durch die zusammengepressten Lippen ausatmen. So wird der Luftstrom beim Ausatmen abgebremst, das Ausatmen wird verlängert, und der dabei aufgebaute Druck hält die erschlafften Atemwege besser offen.

Übungen für verbessertes Ausatmen
Klassische "Hausaufgaben" für COPD-Patienten sind Übungen, die immer wieder in den Tagesablauf eingestreut werden können. Sie kräftigen die Atemmuskulatur und verbessern die Zirkulation in der Lunge.

Beispiel: Halten Sie ein entfaltetes Taschentuch vor Ihr Gesicht und pusten Sie langsam und gleichmäßig dagegen. Versetzen Sie es auf diese Weise ganz leicht in Bewegung und versuchen Sie, möglichst lange auszuatmen. Ähnlich funktioniert eine Übung, bei der Sie mit einem Strohhalm in ein halbvolles Glas mit Wasser pusten. Auch hier geht es darum, möglichst lange zu "blubbern". Sie können so eine Übung auch als spielerischen Wettbewerb mit Kindern und Enkeln durchführen: Setzen Sie sich gegenüber an einen Tisch und blasen Sie ein Kügelchen aus zerknüllter Alufolie über die Tischplatte. Versuchen Sie mit ihrem Atem, dass Ihr "Gegner" das Kügelchen nicht so weit über den Tisch pusten kann, dass es auf Ihrer Seite herunterfällt.

Das Bild zeigt den Kutscher Sepp auf dem Kutschersitz des Salonwagens.
Eine entspannte, leicht nach vorn gebeugte Haltung, wie sie dieser Kutscher einnimmt, kann bei Atemnot helfen. Bildrechte: imago/Rudolf Gigler

Kutschersitz
Viele Patienten bekommen Angst, wenn die Luft knapp wird. Wird dann eine bestimmte Körperhaltung eingenommen, kann die Atmung beruhigt werden, ein Gefühl von Sicherheit kehrt zurück. Viele kennen schon den "Kutschersitz": Sie setzen sich dazu auf einen Stuhl, beugen Sie den Oberkörper leicht nach vorn und stützen Sie die Ellbogen auf Ihre Knie oder auf eine Tischplatte. Schließen Sie die Augen und atmen Sie möglichst ruhig. In dieser Stellung lasten Arme und Schultern nicht so stark auf der Muskulatur, das Atmen wird leichter.

Torwartstellung
Auf ähnliche Weise verschafft auch die "Torwartstellung" Erleichterung. Wie ein Torwart, der einen gegnerischen Freistoß erwartet, stehen Sie mit leicht gegrätschten Beinen und nach vorn gebeugtem Oberkörper. Die Hände stützen sich auf den Beinen knapp oberhalb der Knie ab, die Finger sollten nach innen weisen, die Ellbogen leicht gebeugt sein.

Einer der wichtigsten Punkte zum Schluss – COPD-Patienten sollten sich in regelmäßigen Abständen vom Lungenfacharzt untersuchen lassen. Je nach Krankheitsstadium also ein- bis zweimal im Jahr.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 10. Oktober 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Oktober 2019, 11:39 Uhr

Ein Angebot von

Experten im Studio

Experten im Studio

Prof. Wolfgang Schütte, Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie, Allergologie und Umweltmedizin
und
Katharina Kaufhold, Atemtherapeutin, Martha-Maria-Krankenhaus in Halle

Zurück zur Startseite