"Schüttelkrankheit" Parkinson - Symptome und Diagnose

Parkinson ist auch als "Schüttelkrankheit" bekannt - Zittern ist das auffälligste Symptom. Heilen lässt sich die Erkrankung nicht. Aber man kann einiges tun, um den Verlauf zu verzögern und Symptome zu lindern.

Eine Frauenhand, die ein Wasserglas hält wird von einer anderen Hans gehalten.
Parkinsonpatienten müssen mit unkontrollierbarem Zittern kämpfen. Bildrechte: imago images / Panthermedia

Nach der Alzheimer-Demenz ist Morbus Parkinson die zweithäufigste neuro-degenerative Erkrankung. In Deutschland sind laut Krankenkassendaten etwa 400.000 Personen an Parkinson erkrankt. Die Auslöser für Parkinson kennt man noch nicht. Man weiß aber, wie die Krankheit entsteht.

Der Ausganspunkt ist unser Gehirn. Hier produzieren Nervenzellen den wichtigen Botenstoff Dopamin. Der Körper braucht es, um Bewegungsabläufe zu steuern. Sterben die Dopamin-produzierenden Nervenzellen ab, ist die Verbindung zwischen Gehirn und zum Beispiel Muskeln gestört.

Symptome und Diagnose

Unter anderem kommt es zum Muskelzittern oder steifen Muskeln, aber auch zu neurologischen Schäden wie Riech- und Gangstörungen. Da die Symptome zu Beginn sehr unterschiedlich sein können, wird bei bis zu 40 Prozent eine falsche Diagnose gestellt, sagt Dr. Alexander Reinshagen, Chefarzt der Abteilung für Neurologie an den Sana Kliniken Leipziger Land. Nicht bei jedem Patienten mit Parkinson-Symptomen steckt auch wirklich Parkinson dahinter. Einen speziellen Parkinson-Test gibt es nicht, hier ist die langjährige Erfahrung des Neurologen gefragt.

Parkinson 5 min
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Hauptsache gesund Do 24.09.2020 21:00Uhr 05:14 min

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Nicht heilbar - aber behandelbar

Generell sind Medikamente anfangs das Therapiemittel der Wahl. Doch man muss wissen, dass Parkinson zwar behandelbar, aber nicht heilbar ist. Einige Jahre funktioniert die Therapie mit Medikamenten daher gut. Doch irgendwann lässt die Wirkung nach und es muss immer höher dosiert werden. Das führt teilweise zu unerträglichen Nebenwirkungen.

Das Einsetzen eines Hirnschrittmachers ist die letzte Therapieoption für Betroffene. Hier wird auf eine sogenannte tiefe Hirnstimulation gesetzt, um die Lebensqualität der Patienten deutlich zu verbessern. Bei dem Eingriff werden Elektroden tief in das Gehirn eingesetzt. Ziel ist eine Region in der Tiefe des Gehirns, die unter anderem die Koordination von willkürlichen Bewegungen steuern hilft. Die Elektroden sind über Kabel, die unter der Haut liegen, mit einem Schrittmacher verbunden. Dieser sendet Impulse, die die Bewegungsstörungen unterdrücken. Nach der Operation muss der Patient eingestellt werden. Das erfordert etwas Geduld. Letztlich können damit dann Medikamente und die damit einhergehenden Nebenwirkungen um bis zu 90 Prozent eingespart werden.

Juckbohnenpräparate gegen Parkinson?

Das Problem bei nicht pharmazeutisch hergestellten Juckbohnenpräparaten ist, dass die Menge des Wirkstoffes nicht konstant ist und variieren kann. "Das bedeutet, dass der Patient nicht sagen kann, wieviel Wirkstoff er mit jeder einzelnen Tablette einnimmt. Und wir machen natürlich eine Therapie, die auf jeden Patienten maßgeschneidert ist. Und manchmal ändern wir Tablettenmengen um eine Vierteltablette. Und es macht nicht viel Sinn, wenn man nicht genau weiß, wie viel in einer Tablette drin ist“, erklärt der Neurologe und Parkinson-Experte Prof. Björn Falkenburger. 

Der Mediziner erklärt noch einen weiteren Vorteil des klassischen Medikamentes: "Im Prinzip hat es im Körper kaum Nebenwirkungen und hat seine Wirkung nur im Gehirn. Und das ist wirklich eine clevere Sache, die muss man ausnutzen.“ Zudem warnt der Experte vor der Zusammensetzung von freiverkäuflichen Produkten. "Es ist natürlich auch ein bisschen gefährlich. Nicht alle von diesen Substanzen sind untersucht, nicht alle von diesen Substanzen sind hilfreich, nicht alle sind super gesund. Also da sind zum Beispiel auch Halluzinogene dabei."

Juckbohnen (Mucuna pruriens)
Eine Juckbohnenpflanze kann über 15 Meter groß werden. Bildrechte: imago images/ungpaoman
Parkinsonsohle 2 min
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Hauptsache gesund Do 16.01.2020 21:00Uhr 01:54 min

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Bewegung hilft!

Neben der Einnahme von Medikamenten ist auch gezieltes Bewegungstraining ein wichtiger Bestandteil der Parkinson-Therapie. Wer schon frühzeitig und regelmäßig trainiert, in dessen Gehirn bilden sich neue Regelkreisläufe, Nervenzellen verknüpfen sich neu miteinander, das Gehirn wird neu "programmiert".

Durch die regelmäßige Anstrengung werden ungenutzte Potenziale mobilisiert, die Beweglichkeit im Alltag wird besser, der Verlauf der Erkrankung hinausgezögert. Durch die Parkinson-Erkrankung werden Bewegungen bei vielen Patienten mit der Zeit klein und eingeschränkt. Dagegen bewährt hat sich die "BIG-Methode". Ob Armkreisen oder lange Schritte: alle Bewegungen werden im Training deutlich größer ausgeführt. Langfristig ist die Methode deutlich wirksamer, als nur Medikamente einzunehmen.

Neue Parkinson-Studie

Am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Dresden hat eine neue Studie zum Thema Parkinson begonnen. Parkinsonpatienten sollen hier künftig langfristig beobachtet werden. Ziel ist es, noch mehr über den Krankheitsverlauf zu erfahren, um ihn dann besser zu therapieren zu können. "Die Krankheit wird bei manchen Patienten sehr schnell schlecht, bei manchen Patienten ändert sich über die Jahre gar nichts. Und das macht die Entwicklung von Medikamenten schwierig, weil man eben nicht sagen kann, ob das Medikament das Fortschreiten der Krankheit verlangsamt oder nicht", erklärt Prof. Björn Falkenburger die Idee hinter der Studie.

Die Teilnehmer der Studie werden einmal jährlich auf ihre geistigen, psychischen oder motorischen Fähigkeiten untersucht. Anhand dieser Daten soll der Krankheitsverlauf noch genauer bestimmt werden können. Ziel ist es, die Patienten dann in bestimmte Gruppen einzuteilen. Die Hoffnung: die Entwicklung eines neuen Medikamentes, dass das Fortschreiten der Krankheit individuell verlangsamt. An der Studie beteiligen sich bundesweit rund 1.000 Parkinsonpatienten. Noch werden Teilnehmer gesucht.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 24. September 2020 | 21:00 Uhr

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