Persönlicher Wille Tipps für die Patientenverfügung und die Vorsorgevollmacht

Eine Patientenverfügung soll den Willen der Patienten festhalten, für den Fall, dass dieser sich nicht mehr mitteilen kann. Auch eine Vorsorgevollmacht ist für Notfälle sinnvoll. Wie diese Vollmachten vorliegen müssen, wer sie ausfüllen sollte und für wen sie bindend ist, klären wir hier.

Eine junge Frau hält die Hände einer alten Frau, die in einem Rollstuhl in einem Seniorenheim sitzt.
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Wer einen Unfall hat oder schwer erkrankt, kann sich unter Umständen nicht mehr mitteilen und nicht mehr entscheiden, welche Maßnahmen die Ärzte durchführen sollen – und welche nicht. Um sicherzustellen, dass die Ärzte dann wissen, was man möchte, gibt es die Patientenverfügung.

Möglichst ausführlich formulieren

Prof. Alfred Simon, Leiter der Geschäftsstelle der Akademie für Ethik in der Medizin e. V., Göttingen, mit rotem Pullover und hellblauem Hemdkragen, lächelt in die Kamera. Er trägt Drei-Tage-Bart, kurze braune Haare und eine runde Brille.
Prof. Simon ist Mitglied im Ausschuss für ethische und medizinisch-juristische Grundsatzfragen der Bundesärztekammer. Bildrechte: Alfred Simon

Eine Patientenverfügung kann jeder volljährige Bürger verfassen. Da man nie weiß, wann ein Unfall passiert, und der eigene Wille bei der Behandlung wichtig wird, können sie auch junge Erwachsene schon ausfüllen. Um die richtigen Formulierungen zu wählen, sollte man sich verschiedene Vordrucke ansehen und mit der Familie und dem Hausarzt sprechen, wie Prof. Alfred Simon von der Akademie für Ethik in Göttingen rät: "Wenn Sie sich ärztlich beraten haben lassen, lassen sie sich dies vom Arzt mit Stempel und Unterschrift bestätigen."

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Online gibt es Angebote für Vordrucke und Textbausteine. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im Internet finden sich außerdem viele Vordrucke und Textbausteine, zum Beispiel auf den Seiten des Bundesgesundheitsministeriums oder des Bundesjustizministeriums. Aber auch eine persönliche Beratung kann helfen, die richtigen Formulierungen zu finden. Diese Beratung wird zum Beispiel von Verbraucherzentralen, Wohlfahrtsverbänden oder Hospizen angeboten. Das kostet in der Regel. Wie viel, entscheidet sich nach Aufwand und Dauer des Gesprächs. Vom Notar beglaubigt werden muss das Papier nicht. Es wird durch die Unterschrift des Patienten wirksam.

Konkreter Wille und mutmaßlicher Wille

Trotz möglichst konkreter Formulierungen kann es natürlich passieren, dass nicht alle Eventualitäten abgedeckt werden. Kommt es zu einer Situation, die nicht in der Patientenverfügung beschrieben wird, entscheidet der Arzt, welche Maßnahmen nötig sind – allerdings auch auf Grundlage der Patientenverfügung. "Gibt die Patientenverfügung keine Antwort darauf, was der nicht einwilligungsfähige Patient in der aktuellen Behandlungssituation gewollt hätte, kommt es auf den mutmaßlichen Willen an. Dieser muss anhand konkreter Anhaltspunkte, wie zum Beispiel früheren mündlichen oder schriftlichen Äußerungen, ethischen oder religiösen Überzeugungen und sonstigen persönlichen Wertvorstellungen des Patienten ermittelt werden", sagt Prof. Alfred Simon

Der Arzt wird dann im mutmaßlichen Sinne des Patienten entscheiden, in jedem Fall aber immer zum Wohl des Patienten, also zum Beispiel einen notwendigen Eingriff im Zweifelsfall durchführen.

Vorsorgevollmacht ebenfalls ausfüllen

Kugelschreiber auf Vorsorgevollmacht
Die Vorsorgevollmacht ist im Ernstfall genauso wichtig wie eine Patientenverfügung. Bildrechte: imago/STPP

Eine Vorsorgevollmacht bemächtigt einen Angehörigen oder eine andere Vertrauensperson dazu, Entscheidungen für Sie zu treffen. Diese Person kann dann dem Arzt gegenüber Ihren Willen vertreten, wenn Sie dazu nicht mehr in Lage sind, Entscheidungen zu treffen, die nicht von der Patientenverfügung abgedeckt werden. Die bevollmächtigte Person kann dann zum einen darauf achten, dass die Wünsche des Patienten beachtet werden. Zum anderen erhält sie dann aber auch Auskünfte über die Behandlung und die Diagnose. Für diese Vollmacht gibt es ebenfalls online Vordrucke.

Sicher, aber auffindbar aufheben

Damit die Patientenverfügung auch zu Rate gezogen werden kann, muss sie auffindbar sein. Es macht folglich keinen Sinn, sie an einem Ort aufzubewahren, zu dem kein anderer Zugang hat oder den keiner kennt. Der Tipp von Prof. Simon: "Die Patientenverfügung bei den eigenen Dokumenten aufzubewahren und nahe Angehörige sowie den Bevollmächtigten hierüber in Kenntnis zu setzen. Ergänzend kann man eine Hinweiskarte im Scheckkartenformat ausfüllen." In Geldbeutel gesteckt hat man sie dann meistens dabei.

Im Zweifel widerrufen

Sollte sich der eigene Wille ändern, kann man die Patientenverfügung jederzeit neu aufsetze oder einzelne Passagen ändern. Wichtig ist es dann, wieder mit dem Hausarzt und der Familie darüber zu sprechen, damit sie über die Existenz des neuen Dokuments informiert sind.

Eine Patientenverfügung kann dabei helfen, frühzeitig Einfluss auf spätere Behandlungen zu nehmen. Wird sie ausgefüllt, ist sie für den behandelnden Arzt bindend. Ist der Patient gelähmt, aber noch geistig fit, wie etwa bei amyotropher Lateralsklerose (ALS), zählt der Wille des Patienten, nicht die Verfügung. Dann gilt es, zu ermöglichen, dass der Patient seinen Willen auch mitteilt, etwa mit einem Augentracker. Die Entscheidung über eine Patientenverfügung muss aber jeder für sich selbst treffen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 25. Juni 2020 | 21:00 Uhr