Rückenschmerzen Ischias oder Bandscheibe?

Ischias oder Bandscheibe? Das fragen sich viele, wenn die Hexe immer wieder ins Kreuz schießt. Wir sagen, was hinter den Attacken stecken kann und wie man sie vermeidet, Außerdem erklären wir, was dem Rücken im Homeoffice gut tut.

Eine  Frau hat Rückenschmerzen
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Plötzliche Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule können viele Ursachen haben. Sowohl der Ischiasnerv als auch die Bandscheibe sind häufig Auslöser der teils lähmenden Beschwerden. Dabei ist der umgangssprachliche "Ischias" nicht unbedingt die harmlosere Diagnose. Der dickste und längste Nerv des Menschen kann durch viele Gründe krankhaft gereizt werden. Erste Hinweise zum Ursprung des Problems kann die Art der Beeinträchtigung geben. Starke Schmerzen mit einseitiger Ausstrahlung über das Gesäß bis ins Bein weisen demzufolge auf eine direkte Reizung der Ischiasnervenwurzel hin, sagt Dr. Volker Steger, Sportmediziner an der Leipziger Thonbergklinik. Das kann beispielsweise durch einen Bandscheibenvorfall passieren; häufig klagen Patienten darüber hinaus über ein Kribbeln. Krampfartige Schmerzen in der Lendenwirbelsäule, die nicht in die Beine ausstrahlen, treten oft bei muskulärer Überlastung durch langes Sitzen oder Stehen auf. 

Erste Hilfe

Eine Holzfigur in der Haltung eines Menschen, der sich vor Schmerzen an den Rücken fasst.
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Ist der Schmerz erst einmal da und jede Bewegung fällt schwer, heißt es zuallererst: Erleichterung suchen. "Bei einer akut auftretenden schmerzhaften Bewegungsstörung der Wirbelsäule sollte man zur Entlastung nach Positionen suchen, die zu einer sofortigen Entspannung der Muskeln und Nerven führen", rät Steger. Geeignet sei beispielsweise die Stufenbettlagerung, bei der man sowohl das Hüft- als auch die Kniegelenke im 90°-Winkel beugt. Gleichzeitig könne man die schmerzende Region durch Heizkissen, Kirschkernsäckchen oder Wärmflasche wärmen. Auch ein Schmerzmittel wie Ibuprofen könne man einnehmen, so der Mediziner; anschließend müsse das Problem aber umgehend ärztlich abgeklärt werden.

Wie weiter?

Fest steht: Bevor Beschwerden sinnvoll therapiert werden können, muss der Patient gründlich untersucht werden. "Nur so kann man zwischen einer strukturellen Schädigung (Bandscheibenschaden, Verschleiß der Wirbelkörper und Einengung der Nervenkanäle) und einer funktionellen Störung (schmerzhafte Muskelverspannungen, Blockierung von Wirbelgelenken) im Bereich der Lendenwirbelsäule unterscheiden", sagt Steger. Dazu werden bildgebende Untersuchungsverfahren wie Röntgen, CT oder MRT angeordnet. Anschließend wird der Arzt schmerzlindernde und muskelentspannende Medikamente verschreiben und unter Umständen Kinesiotape anlegen, um die Muskulatur zu entlasten. Im Einzelfall kann eine manuelle Deblockierung, also das Lösen einer Blockierung per Hand, erforderlich sein. Auf lange Sicht empfiehlt Steger gezielte Übungen zur Stärkung der betroffenen Region: "Langfristige Therapieansätze sehe ich in der Verordnung von Physiotherapie sowie in der Anleitung zu rumpfstabilisierenden Übungen, also Krafttraining für die Wirbelsäule." 

Tipps fürs Homeoffice

Laut einer Studie befindet sich seit Beginn der Corona-Krise jeder zweite deutsche Arbeitnehmer im Homeoffice. Das führt bei vielen Menschen zu gesundheitlichen Problemen. Verspannungen in den Schultern und Schmerzen im Lendenbereich sind an der Tagesordnung, denn wer hat schon einen ergonomisch perfekt eingerichteten Arbeitsplatz zu Hause? Sporttherapeut Jürgen Reif ist Berater für Arbeitsplatzergonomie und optimiert seit Beginn der Pandemie auch die häusliche Arbeitsumgebung. Dabei sollte es sich nach Möglichkeit um einen eigenen Raum handeln: "Das heißt: nicht irgendwo am Küchentisch, nicht irgendwo am Stubentisch. Wenn möglich, sollte man auch ungestört arbeiten können. Das ist natürlich ein Problem, wenn man noch Kinder betreuen muss."

Die Sitzhaltung
Grundlegend für rückenschonendes Arbeiten ist die Sitzposition. Ober- und Unterschenkel sollten sich möglichst im 90-Grad-Winkel zueinander befinden. "Das führt dazu, dass man mit dem Rücken richtig angelehnt an der Rückenlehne sitzen kann und damit die Wirbelsäule entlastet", so Reif. Bücher unter den Füßen können dabei helfen. Auch die Arme sollten bei der Arbeit am Rechner einen rechten Winkel bilden.

Die Monitore
Wer zwischen zwei Monitoren wechseln muss, beansprucht die Halswirbelsäule in hohem Maße. Reif empfiehlt deshalb, beim Hin- und Herschauen nicht nur den Kopf, sondern immer den ganzen Körper zu bewegen. Mit einem herkömmlichen Drehstuhl ist das kein Problem. Die ideale Lösung wäre, die Monitore übereinander anzuordnen.

Regelmäßig bewegen
Ob im Homeoffice oder im Büro: Schreibtischarbeit bedeutet in der Regel stundenlanges Sitzen und wenig Bewegung. Reif empfiehlt deshalb, regelmäßig Pausen einzulegen, in denen man kleine Übungen durchführt. Die Lendenwirbelsäule entlastet man beispielsweise mit der Beckenschaukel. Dafür legt man sich auf den Rücken und stellt die Füße hüftgelenksbreit auf den Boden. Beim Ausatmen zieht man das Steißbein leicht nach innen, so dass der untere Rücken sich rundet und den Boden berührt. Beim Einatmen kippt man das Becken an, so dass man in ein leichtes Hohlkreuz kommt und der untere Rücken sich vom Boden löst. Diesen Bewegungsablauf vollführt man langsam und bedacht mehrmals hintereinander.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 07. Mai 2020 | 21:00 Uhr