Tipps und Rezepte Salben und Cremes selbst herstellen

Selbst angerührte Heilsalben sind im Trend. Immer mehr Menschen schwören auf pflanzliche Wirkstoffe ohne chemische Zusätze. Doch was muss man bei der Herstellung beachten? Anhand von zwei Rezepten erklären wir es.

Herstellung von Lippen und Pfoten Salbe
Bei einer Salbe aus Eigenproduktion gibt es keine Überraschung bei den Zutaten. Bildrechte: imago images / blickwinkel

Gesunde Haut braucht Pflege. Cremes und Salben können Feuchtigkeit spenden und Wirkstoffe zuführen. Pflegeprodukte aus dem Handel haben jedoch nicht selten eine lange Zutatenliste, in der sich unliebsame Zusätze wie chemische Konservierungs- oder Duftstoffe verstecken können.

Dabei lassen sich Alternativen ganz einfach selbst herstellen. Und das tut nicht nur der Haut, sondern auch der Umwelt gut: Neben besserer Verträglichkeit und der Möglichkeit, die Zusammensetzung gezielt auf die eigenen Bedürfnisse abzustimmen, spart man nebenbei noch jede Menge Verpackungsmaterial ein.

Creme vs. Salbe

Zwischen Salben und Cremes gibt es einen entscheidenden Unterschied: "Eine Salbe ist im Wesentlichen eine wasserfreie Zubereitung", sagt Friederike Fellmer, Chemikerin und Inhaberin einer Salbenmanufaktur in Leipzig. "Bei einer Creme hingegen gibt es zur Fettphase eine Wasserphase."

Das hat Auswirkungen auf die benötigten Inhaltsstoffe. "Sobald Wasser ins Spiel kommt, bedarf es einer Konservierung und, damit sich Wasser und Öl nicht wieder trennen, eines Emulgators, der diese beiden Phasen zusammenhält", erklärt Fellmer. Deshalb nennt man eine Creme auch Emulsion.

Selfmade-Produkte anders als gekauft

Mit ein wenig Vorbereitung kann man in der eigenen Küche loslegen: "Einfache Cremes und wasserfreie Salben können durchaus auch zu Hause hergestellt werden, vorausgesetzt, man beschäftigt sich mit der Materie, arbeitet sauber und gründlich", sagt Fellmer. Dabei müsse man jedoch damit rechnen, dass das Ergebnis nicht eins zu eins wie die gewohnte Gesichtscreme aussieht. Hier spielen der Schweregrad der Rezeptur und die Menge der verwendeten Rohstoffen eine Rolle.

Algencreme aus Sachsen 2 min
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Hauptsache gesund Do 24.09.2020 21:00Uhr 02:20 min

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Mit einfachen Rezepturen beginnen

Friederike Fellmer rät, sich langsam an die Herstellung von Pflegeprodukten heranzutasten. "Ich empfehle zunächst mit einfachen Rezepturen, kurzer Inhaltsstoffliste und einer kleinen Gesamtmenge zu starten und sich unbedingt an Mengenvorgaben zu halten", sagt die Chemikerin. Zu beachten sei vor allem, dass die Angabe von Millilitern nicht mit Gramm gleichzusetzen ist, es sei denn, es handelt sich um Wasser.

Zwei Rezeptideen der Salbenexpertin für den Herbst

Pünktlich zum Herbstanfang hat Friederike Fellmer zwei Rezepte entwickelt: eine Sanddorn-Creme und eine Warme-Socken-Salbe. "Die Sanddorn-Herbstcreme ist intensiv hautpflegend, da sie gleichzeitig fettet und Feuchtigkeit spendet", sagt die Salbenexpertin. "Sie repariert kleinere Verletzungen an den Händen, die zum Beispiel bei der herbstlichen Gartenarbeit auftreten können." Durch seinen hohen Anteil an sekundären Pflanzenstoffen, Beta Carotin sowie dem Hautvitamin E wirkt Sandorn entzündungshemmend und wundheilungsfördernd.

Sanddorn
Sanddorn hat eine entzündungshemmende Wirkung. Bildrechte: imago/Manfred Ruckszio

Tipps zur Haltbarkeit der Warmen-Socken-Salbe Die Creme sollte im Kühlschrank aufbewahrt werden. Wird sie ohne Alkohol hergestellt, sollte sie innerhalb von ein bis zwei Wochen aufgebraucht werden.

Gibt man wie im Rezept Alkohol zur Konservierung dazu, erhöht sich die Haltbarkeit auf ein bis zwei Monate. Aber Vorsicht: zu viel Alkohol trocknet die Haut aus.

Grundsätzlich gilt, je mehr Wasser eine Creme enthält, desto kürzer ist sie haltbar.

Außerdem sollte die Creme vor Licht geschützt werden.

Die Warme-Socken-Salbe macht sich die durchblutungs- und kreislauffördernden Eigenschaften von Ingwer, Sesamöl und Zimt zunutze. Sie wird bei Bedarf gründlich in die kalten Füße einmassiert. Der Wärmeeffekt wird noch verstärkt, indem man auf der Heizung vorgewärmte Wollsocken darüber zieht. Die Salbe eignet sich auch bei Nackenverspannungen, da die Inhaltsstoffe die Durchblutung der Muskulatur anregen. Die Salbe ist ungekühlt und dunkel aufbewahrt bis zu einem Jahr haltbar.

Herstellung der Warmen-Socken-Salbe

Zutaten

  • 25 ml Bio-Olivenöl
  • 25 ml Sesamöl geröstet
  • 1,5 cm frischer Bio-Ingwer
  • 1/4 TL Zimt
  • 5 g Bienenwachs


Zubereitung
Zunächst alle Schüsseln, Gläser, Tiegel und Werkzeuge mit hochprozentigem Alkohol desinfizieren.

Den frischen Ingwer reiben und zusammen mit dem Zimt zum Olivenöl geben. Im Wasserbad (Vorsicht! heißer Wasserdampf) alles 15-30 min ziehen lassen und dabei darauf achten, dass keine Wassertropfen ins Öl fallen.

Das nun duftende Olivenöl durch ein feines Sieb oder einen sauberen Nylonstrumpf filtrieren. Bienenwachs und Sesamöl dazugeben und nochmals im Wasserbad erhitzen, bis das Wachs geschmolzen ist, dabei gelegentlich umrühren.

Die noch flüssige Salbe in kleine Salbentiegel oder kleine Schraubgläser abfüllen und offen abkühlen lassen. Anschließend die Salbe zuschrauben und mit Name und Herstelldatum beschriften.

Ingwerknolle mit grünem Trieb
Auch Ingwer hat eine entzündungshemmende Wirkung. Bildrechte: Colourbox.de

Herstellung der Sanddorn-Salbe

Zutaten
Fettphase:

  • 5 g Bienenwachs
  • 40 g Bio-Pflanzenöl als Basisöl (z.B. Olivenöl oder Mandelöl)
  • 15 g Lanolin als Emulgator (wasserfreies Wollwachs)
  • 5 g Bio-Kakaobutter unraffiniert


Wasserphase:

  • 30 g Rosenhydrolat oder abgekochtes Wasser
  • 5 g hochprozentiger Alkohol (z.B. Weingeist mit 96,5 %)
  • 30 Tropfen Bio-Sanddornfruchtfleischöl (Wirkstofföl)
  • Wer möchte, kann fünf Tropfen 100 % naturreines ätherisches Öl für den Duft zugeben.


Und: Etwas hochprozentigen Alkohol zum Desinfizieren.

Zubehör

  • Topf für Wasserbad
  • 2 leere, saubere und trockene Marmeladengläser
  • leere saubere Gefäße zum Einwiegen der einzelnen Zutaten
  • Cremetiegel
  • Teelöffel oder Rührspatel
  • 1 PE Einmalpipette
  • Etiketten


Zubereitung
Zunächst alle Gefäße, Gläser, Tiegel und Werkzeuge mit hochprozentigem Alkohol desinfizieren.

Bienenwachs und Lanolin im Wasserbad schmelzen (Vorsicht! heißer Wasserdampf). Das Öl hinzugeben und zusammen erwärmen.

Sobald die Mischung flüssig ist, das Wasserbad ausschalten und vom Herd nehmen. Die Kakaobutter zur Wachsölmischung dazugeben und unter Rühren schmelzen lassen. Das zweite Glas mit dem Rosenhydrolat ebenfalls in das Wasserbad stellen und warm werden lassen

Die Gefäße vorsichtig aus dem Wasserbad nehmen und ringherum abtrocknen. Etwas abkühlen lassen. Die Fett- und Wasserphase sollten ungefähr eine ähnliche Temperatur haben (ca. 40 Grad).

Die Wasserphase langsam und schluckweise unter ständigem Rühren in die Fettphase einarbeiten, damit sich Wasser und Fett gut miteinander verbinden. Das Sanddornfruchtfleischöl zugeben und weiter rühren. Anschließend den Alkohol einarbeiten. Weiter rühren, bis die Masse handwarm abgekühlt ist und eine homogene Creme entstanden ist.  An dieser Stelle können die ätherischen Öle hinzugeben werden.

In die vorbereiteten Tiegel abfüllen und mit Name und Herstelldatum beschriften. Die Creme ist 1-2 Monate im Kühlschrank haltbar.

Die Salbe ist ungekühlt und dunkel aufbewahrt bis zu einem Jahr haltbar.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 24. September 2020 | 21:00 Uhr

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