Ärztin im Patientengespräch
Bildrechte: imago/Science Photo Library

Schnelle Heilung nach OPs Mitteldeutsche Kliniken setzen auf "Fast-Track"-Methode

Viele Kliniken in Mitteldeutschland setzen auf ein modernes Therapie-Konzept bei orthopädischen Operationen. Bei der "Fast-Track"-Methode geht es vor allem um eine bessere Vor- und Nachsorge der Patienten.

von Jana Olsen

Ärztin im Patientengespräch
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Mindestens fünf große Kliniken in Mitteldeutschland wenden in der orthopädischen Chirurgie die als "Fast-Track" oder "Rapid Recovery" bekannte Rehabilitations-Methode an oder wollen diese demnächst einführen. Das ergab eine Anfrage des MDR-Magazins "Hauptsache Gesund" bei den zehn größten Kliniken in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Während die Universitätskliniken in Halle und Leipzig und das HELIOS Klinikum Erfurt mitteilten, bereits nach diesem Ansatz zu arbeiten, kündigten das Leipziger Klinikum St. Georg und das Uniklinikum Dresden an, eine Umstellung zu planen. Das Uniklinikum Dresden will ab Januar 2020 die bisherige Vor- und Nachbereitung bei OPs sowie die operativen Eingriffe selbst weiter optimieren.

Nur wenige Kliniken zögern

Zurückhaltung beim Thema "Fast-Track"-Methode äußert das Klinikum Chemnitz. "Wir haben dieses Verfahren nicht in Gänze umgesetzt", heißt es auf Anfrage von "Hauptsache Gesund". Denn die präoperative Optimierung und Mobilisierung sei nur bei jungen, agilen und noch sehr sportlichen Patienten möglich. Da aber viele ältere Patienten behandelt würden, sei "Fast-Track" dann oft nicht möglich. Das Waldklinikum Gera teilte hingegen mit, in der Orthopädie generell nicht nach dieser Methode zu arbeiten: Man sei vom Nutzen für die Patienten nicht überzeugt.

"Heilung auf der Überholspur"

Eine Patientin wird in mit einer Narkose auf die Operation vorbereitet
Bereits vor der Operation lernt der Patient das medizinische Personal kennen, das ihn auch während und nach der Operation betreut. Bildrechte: dpa

Was macht "Fast-Track" so besonders? Über allem steht, dass der Patient schnell wieder auf die Beine kommt. Das Training dafür beginnt schon vor der Operation. In einem Vorbereitungskurs lernen die Patienten Ärzte, Physiotherapeuten, den Sozial-Dienst und das Umfeld kennen. "Das nimmt eine Last von den Patienten. Sie kommen zur OP nicht mehr als Fremder an einen fremden Ort, sondern sie wissen: Was erwartet mich?

Das macht mental einen großen Unterschied", erklärt Prof. Andreas Roth, Orthopäde und Leiter der Endoprothetik am Uniklinikum Leipzig. Hier wird Patienten seit einem Jahr die sogenannte "Fast-Track"-Methode angeboten. Zu Deutsch: "Heilung auf der Überholspur". "In den letzten Jahren hat sich vieles verbessert, die künstlichen Gelenke, die Operationsmethoden oder Narkosemöglichkeiten. Aber die Abläufe rund um die OP sind gleich geblieben. Das haben wir jetzt geändert", sagt Prof. Roth.

Vor der OP ist nach der OP

Gehhilfe, Krücke
Auch das Laufen mit Gehhilfen wird mit dem Patienten vor der Operation durchgespielt. Bildrechte: Colourbox.de

Im Vorbereitungskurs wird den Patienten auch beigebracht, mit welcher Technik man nach der OP am besten mit den Gehstützen läuft. "Wichtig ist nach der Operation schnell das Gangbild zu normalisieren. Alle Patienten hinken durch die Schmerzen. Wir wollen schnell die geschwächte Muskulatur kräftigen und damit eine bessere Patientenzufriedenheit erreichen."

Und: Noch während der Operation wird die Wunde mit Schmerzmedikamenten versorgt: "Das kommt aus der Kinder-Orthopädie. Damit die Kinder keine Schmerzen haben, hat man bei Operationen ein Betäubungsmittel in die Wunde gespritzt. Wir machen das jetzt in ähnlicher Weise bei den Erwachsenen und haben festgestellt, dass die dann nach der OP schmerzfrei laufen können", erklärt Prof. Roth.

Schnelle Mobilisierung

Eine Ärztin spricht mit einem Patienten.
Duch die "Fast-Track"-Methode wird der Heilungsverlauf messbar beünstigt. Bildrechte: imago/blickwinkel

Nach der OP sollen die Patienten dann so schnell wie möglich wieder aufstehen. Dadurch entfallen Mobilisierungsschienen, mit denen das operierte Bein früher passiv bewegt wurde. Durch verbesserte Wundverbände braucht der Patient weniger Wunddrainagen. Und letztlich sind es auch Kleinigkeiten, die Patienten motivierter das Rehaprogramm starten lassen, wie dass sie allein zur Toilette gehen oder kein Krankenhaushemd tragen müssen.

Der Erfolg der Fast-Track-Methode ist messbar: "Die Patienten haben weniger Schmerzen, brauchen weniger Schmerzkatheter. Und wir haben weniger Komplikationen. Das Risiko, eine Thrombose oder Lungenentzündungen zu erleiden, ist viel geringer, wenn die Patienten schnell wieder auf die Beine kommen. Auch die Notwendigkeit für Bluttransfusionen sind in der Fast-Track-Gruppe deutlich geringer als bei den anderen Patienten", erklärt Prof. Roth.

"Hauptsache Gesund" begleitet Patienten

Die wenigen Meter vom Lebensmittelladen bis nach Hause sind für Peter Meinhardt kaum zu bewältigen. Selbst die Treppenstufen zum Aufzug werden zum Hindernis. Er weiß, so kann es nicht weitergehen: "Ich habe ziemlich viele Schmerzen, es ist nicht mehr auszuhalten." Seit drei Jahren macht dem Glas- und Gebäudereiniger seine Hüfte zu schaffen. Zunächst versucht er es mit Schmerzmitteln und Physiotherapie. Doch die Schmerzen werden immer schlimmer. Ans Arbeiten ist nicht zu denken: "Vor allem beim Leiter steigen ist es extrem. Leiter hoch und runter oder beim Treppensteigen, da habe ich die meisten Schmerzen." Kein Wunder, denn besonders beim Treppensteigen lastet ein enormer Druck auf unseren Hüftgelenken. Wissenschaftler haben ausgerechnet: Beim Treppensteigen drückt das Zweieinhalbfache des Körpergewichts auf die Hüfte. Um irgendwann wieder arbeiten zu können, entscheidet sich der 60-Jährige im September dieses Jahres für eine Hüft-OP an der Uniklinik Leipzig.

Auf einer blauen Fläche liegen zwei Teile eines künstlichen Hüftgelenks
Modell eines künstlichen Hüftgelenkes. Bildrechte: MDR/Maria Socolowsky

Gut eine Stunde hat Peter Meinhardts Operation gedauert. Dann ist sein kaputtes Hüftgelenk gegen ein künstliches Implantat ausgetauscht. Drei Stunden nach überstandener OP bekommt von der Krankenschwester als erstes ein Eis mit Cola-Geschmack gereicht. "Vanille wär mir lieber gewesen", ist Peter Meinhardt schon wieder zu Scherzen aufgelegt. Das Speiseeis ist der Startschuss zum Reha-Programm, als Energieschub und Motivationshelfer. Anschließend wagt Peter Meinhardt die ersten Gehversuche mit dem neuen Gelenk und ist überrascht: "Heute früh bin ich mit Schmerzen gekommen, jetzt kann ich schon wieder laufen und das ohne Schmerzen." Wenn alles so problemlos weiter geht, wird er sechs Wochen später wieder normal laufen können.

So laufen Sie richtig an Gehstützen Gehhilfen sind eine gute Entlastung für das kranke Bein nach Verletzungen oder Operationen. Doch jeder, der schon mal einige Zeit damit laufen musste, weiß: gar nicht so einfach! Besonders das Treppensteigen will gelernt sein. So geht’s richtig:

Treppab: Zuerst die Stützen eine Treppe tiefer setzen. Dann das kranke Bein vorsetzen. Zuletzt das gesunde Bein nachziehen.

Treppauf: Zuerst das gesunde Bein eine Treppe höher setzen. Dann die Stützen hoch setzen. Zum Schluss das kranke Bein nachziehen.

Tipps für Therapien ohne Skalpell

Was kann man tun, um seine Gelenke möglichst lange schmerzfrei zu halten? Am besten, man geht das Problem von vielen Seiten gleichzeitig an.

Wärme- und Kälteanwendungen: Bei Muskelverspannungen lindern ein Heizkissen, Moorpackungen oder wärmende Salben die Schmerzen. Allerdings empfindet nicht jeder Patient Wärmeanwendungen als hilfreich. Kommt es durch eine Arthrose zu einer Entzündung im Gelenk, bringen eher Kälteanwendungen Besserung.

Krankengymnastik: Regelmäßige krankengymnastische Übungen korrigieren Fehlhaltungen, verbessern die Beweglichkeit der Gelenke, fördern den Muskelaufbau und lindern somit die Schmerzen.

Eine Gruppe von Menschen betreibt Gymnastik am Boden
Muskeln können auch im höheren Alter noch aufgebaut werden. Bildrechte: colourbox.com

Bewegung: Spazieren, Schwimmen, Gymnastik – jede Art von Bewegung fördert die Durchblutung der gelenkumgebenden Muskeln und die Ernährung des Knorpels. Bewegung ist das natürlichste Medikament für gesunde Gelenke. Studien haben gezeigt, dass die Muskeln auch im höheren Alter noch aufgebaut werden können, vorausgesetzt man trainiert regelmäßig. In einigen Städten gibt es sogar spezielle Hüftsportgruppen

Orthopädische Einlagen: Prüfen Sie Ihr Schuhwerk. Sind die Absätze einseitig abgetreten? Dann weg damit. Solche Fehlhaltungen in den Füßen können sich bis in die Hüfte ziehen. Bei Fehlstellungen in den Füßen ist es sinnvoll, sich Einlagen oder gegebenenfalls orthopädische Schuhe verschreiben zu lassen.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 19. September 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. September 2019, 15:06 Uhr