Schmerz wegwickeln Mit Naturheilkunde gegen entzündete Sehnen

Ob am Fuß, Knie oder Ellenbogen: Eine Sehnenentzündung kann äußerst schmerzhaft und sehr langwierig sein. Das erste Mittel der Wahl sind dann entzündungs- und schmerzstillende Medikamente. Doch auch verschiedene Therapieansätze aus der Naturheilkunde können hier wirksam Hilfe leisten.

Eine Schüssel mit Quark
Kühlende Quarkwickel können bei akuten Entzündungen der Gelenke eingesetzt werden. Bildrechte: Colourbox.de

Sehnen verbinden Knochen und Muskeln miteinander und sorgen für eine Übertragung der Kraft auf das Skelett. Sie bestehen aus Bindegewebsfasern und sind besonders anfällig für Verletzungen und Überreizung. Die stärkste Sehne ist die Achillessehne, die sich von der Ferse bis zur Wade hochzieht. Aber auch am Ellenbogen, der Schulter oder dem Knie setzen Sehnen an, die durch Verletzungen, mangelnde Muskulatur oder Fehlhaltung schnell gereizt sein können. Hält dieser Zustand länger an, kommt es früher oder später zu einer Entzündung. Ist die Ursache dafür nicht geklärt, sollte genauer danach geforscht werden. Nur wenn bekannt ist, was die Reizung auslöst, kann sie auf Dauer auch erfolgreich behandelt werden.   

Eine Animation des menschlichen Unterarms 4 min
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Hauptsache gesund Do 19.11.2020 21:00Uhr 04:01 min

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Akut oder chronisch?

Für die richtige Therapie ist es wichtig zu unterscheiden, ob es sich um eine akute, also eine vor kurzem aufgetretene, oder eine chronische Entzündung handelt, die schon über längere Zeit besteht. "Als erste Maßnahme bei einer akuten Entzündung ist es wichtig, das Gelenk zunächst ruhigzustellen, den Fuß zum Beispiel hoch zu lagern und zu schonen oder die Schulter in einer Schlinge zu fixieren", erklärt Professor Dietrich Grönemeyer. Als Radiologe hat er schon viele entzündete Sehnen gesehen. Auf einem MRT-Bild wird die Entzündung meist als stark angeschwollenes Gewebe sichtbar. Auch das Kühlen sei in dem Fall sinnvoll, rät der Gelenkexperte. Die Kälte entzieht dem Gelenk Wärme und lindert Schmerzen. Der Tipp von Professor Grönemeyer: Kühlende Wickel mit Quark, Essigwasser oder Arnikasalbe oder -tinktur.

Eine Frau erhält einen Fußwickel von einem Arzt 9 min
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Hauptsache gesund Do 19.11.2020 21:00Uhr 08:35 min

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Kühlender Quarkwickel

Das wird benötigt:     

  • 1 Tuch aus Leinen oder Baumwolle (ein Geschirrtuch ist auch geeignet)
  • 1 mittelgroßes Handtuch
  • 500-g-Packung Quark aus dem Kühlschrank

So funktioniert's:
Die Tücher zurechtlegen, das Handtuch außen, das Leinentuch innen. Den kalten Quark großzügig direkt auf die entzündete Stelle am Gelenk geben. Das Leinentuch fest darum wickeln und das Handtuch als äußeren Umschlag fest darumherum binden. Den Wickel so lange wirken lassen, bis der Quark Körpertemperatur angenommen hat. Mehrmals täglich wiederholen.

Quark auf einem Holzlöffel
Für den Wickel reicht eine klassische 500-Gramm-Quarkpackung. Bildrechte: imago/Panthermedia

Wärmender Wickel

Bei einer chronischen Entzündung hilft dagegen feuchte Wärme. "Sie sorgt für eine stärkere Durchblutung und damit eine schnellere Heilung. Außerdem kann sie verspannte Muskeln perfekt entspannen", sagt Dietrich Grönemeyer. Sein Tipp: Auch hier können - neben durchblutungsfördernden Salben mit Chili - naturheilkundliche Wickel aus Senfmehl oder Heilerde helfen. 

Das wird benötigt:

  • 1 Tuch aus Leinen oder Baumwolle (ein Geschirrtuch ist auch geeignet)
  • 1 mittelgroßes Handtuch
  • 1 Packung Senfmehl aus der Apotheke
  • 1 mittelgroße Schüssel mit Wasser
  • 1 Löffel zum Umrühren

So funktioniert's:
Eine Portion Senfmehl in eine Schüssel geben, mit etwas Wasser aufgießen und umrühren, bis eine breiige Paste entstanden ist. Die Tücher zurechtlegen: das Handtuch außen, das Leinentuch innen. Das Leinentuch dünn mit der Senfpaste bestreichen und auf die entzündete Stelle legen. Das Handtuch fest darum wickeln. Den Wickel nicht länger als zehn bis fünfzehn Minuten einwirken lassen. Je nach Beschwerden täglich wiederholen.

Senfmehl
Bei einer chronischen Entzündung können Wickel mit Senfmehl für Linderung sorgen. Bildrechte: imago/Margit Wild

Blutegel gegen Entzündung

Blutegel sind kleine Ringelwürmer, die Großes leisten können. In ihrem Speichel haben sie eine Art Mini-Apotheke, die extrem wirksam ist. Dort, wo die Tierchen Blut riechen, beißen sie an und beginnen zu saugen. Blutegel haben drei sternförmig angeordnete Kiefer und insgesamt 240 Zähne. Das Blutsaugen ist für den Behandlungserfolg Nebensache, auf die Speichelenzyme kommt es an.

"Im Speichel sind mehrere Dutzend Substanzen, 20 davon hat man erforscht und die wirken entzündungshemmend, lymphabflussfördernd, durchblutungsfördernd, und ganz wichtig: schmerzstillend“, erklärt Heilpraktiker Tobias Jähn aus Leipzig. Nach rund einer Stunde sind die Tierchen satt und fallen ab. Die Wunde kann noch bis zu zwei Tagen nachbluten. Verantwortlich dafür ist ein gerinnungshemmendes Enzym. Deswegen darf die Blutegeltherapie nicht bei allen Patienten angewandt werden. In den nächsten Tagen kann es noch zu Rötungen und Juckreiz rund um die Bissstellen kommen.

Blutegel
Im Speichel des Blutegels sind entzündungshemmende Substanzen. Bildrechte: Colourbox

Der Therapieerfolg ist auch wissenschaftlich bewiesen. "Die klinischen Studien zeigen, dass wir gerade am Knie Wirkungszeiten von sechs bis neun Monaten nach einer Erstbehandlung haben. Wird die Behandlung wiederholt, kann sich der Effekt sogar auf ein bis zwei Jahre ausdehnen. Das ist auch das, was wir in der Praxis sehen“, erzählt Tobias Jähn. Die Therapie mit medizinischen Blutegeln kostet manche Patienten zwar ein wenig Überwindung, aber die Methode hat sich bewährt. Sie wird schon seit Jahrhunderten erfolgreich eingesetzt.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 19. November 2020 | 21:00 Uhr

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