Hausapotheke Kraftbrühe: Medizin aus dem Suppentopf

Suppen wärmen nicht nur, wenn es kühler und nass wird – sie können auch gesund machen. Das wussten schon unsere Großmütter. Eine gute Kraftbrühe gehörte damals fest zur Hausapotheke. Doch was muss eigentlich in eine Suppe hinein, damit sie heilen kann? Und welche Einlagen helfen bei welchen Beschwerden?

Eine Tasse mit Brühe
Weltweit gehört die Suppe zu den ältesten Gerichten. Auch ihre heilende Wirkung ist in vielen Kulturen geschätzt. Bildrechte: IMAGO

Herbstzeit ist Suppenzeit. Aber nicht nur ihre wärmenden Qualitäten machen Hühnerbrühe und Co. zu einem wertvollen Lebensmittel: Die Art ihrer Zubereitung sorgt für die optimale Verwertung aller Zutaten. Grundlegend ist die Garzeit. "Je länger eine Suppe gekocht wird, desto mehr Inhaltsstoffe gehen in sie über", sagt Anne Simons, Autorin des Buches "Die Suppenapotheke". Das seien beispielsweise Mineralien, Vitamine, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe aus Gemüse, Aminosäuren, Kollagen und andere knorpelschützende Substanzen aus Knochen und Fleisch oder Omega-3-Fettsäuren aus Fisch. "Während beim Gemüsekochen das Wasser hinterher weggeschüttet wird, verbleiben diese Substanzen in der Suppe und werden mitgetrunken", so Simons.

Heilende Wirkung

Suppen, die so lange geköchelt werden, dass die guten, heilsamen Stoffe langsam austreten können, bezeichnet man als "Kraftbrühe" – und die kann sogar medizinisch wirken. "Gut erforscht ist die heilende Wirkung von Knochen- und Fleischbrühe", sagt Anne Simons: "Wenn sie neben Knochen auch Muskelfleisch, Sehnen, Knorpel und Gemüse enthält, entwickelt sich durch stundenlanges Köcheln eine Kraftbrühe voller Aminosäuren, Mineralien, Vitamine und knorpelschützender Substanzen wie Gelatine, Glukosamin, Chondroitin und Hyaluronsäure." Diese Wirkstoffe würden allesamt erfolgreich gegen Rheuma, Arthrose oder Arthritis eingesetzt: "Man kann sie einzeln in der Apotheke kaufen. In der Kraftbrühe sind sie hingegen alle enthalten und entfalten Synergien."

Gute Bioverfügbarkeit

Auch der Hamburger Ernährungsmediziner Matthias Riedl schätzt Brühen wegen ihrer wertvollen Inhaltsstoffe als traditionelles Heilmittel: "Knochenbrühen enthalten viele Mikronährstoffe mit sehr guter Bioverfügbarkeit, das heißt, die Substanzen können vom Körper gut aufgenommen werden. Mit dabei sind neben Mineralien auch Vitamine wie B oder D und hochwertige Proteine wie Kollagen – also insgesamt alles, was der Körper für ein gesundes Skelettsystem oder auch den Aufbau der Zellen braucht."

Riedl empfiehlt Fleischbrühe bei chronisch entzündlichen Erkrankungen wie Rheuma oder Morbus Chron: "Die in der Brühe enthaltenen Omega-3-Fettsäuren wirken antientzündlich und können damit möglicherweise die Krankheit verbessern", so der Ernährungswissenschaftler. Allerdings enthalten Knochenbrühen auch viel Fett. Deshalb sollte man die Fettschicht nach dem Kaltwerden abschöpfen.

Fertigsuppen in einem Einkaufswagen 3 min
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Hauptsache gesund Do 19.11.2020 21:00Uhr 02:58 min

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Zwiebeln gegen Viren, Möhren gegen Durchfall

Es heißt, gegen alles sei ein Kraut gewachsen, und so lassen sich auch die heilsamen Eigenschaften von Gemüse im Kochtopf gezielt nutzen. "Da gibt es unzählige Wirkungen", schwärmt Anne Simons: "Nehmen wir zum Beispiel die Zwiebel, die ja in kaum einer Suppe fehlen sollte. Sie regt die Verdauung an und hat starke keimtötende und sogar antivirale Wirkung. Zwiebeln wirken sich harmonisierend auf Blutzucker und Blutdruck aus, entgiften und beruhigen die Nerven". Ein anderes Beispiel sei die Möhrensuppe gegen Durchfall: Dafür werden Möhren eine Stunde lang gekocht, dann püriert und gesalzen. Anschließend wird der Brei mit Wasser aufgefüllt und mehrmals täglich getrunken.

Zutaten einer Brühe in einer Küche 3 min
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Hauptsache gesund Do 19.11.2020 21:00Uhr 03:01 min

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Kraftbrühe statt Schulmedizin

Anne Simons hat die heilende Wirkung der passenden Brühe übrigens am eigenen Leib erfahren. Nach einem anstrengenden Umzug hatte sie starke Schmerzen in den Handgelenken. Die Diagnose: Arthrose auf beiden Seiten. Weil ihr die Schulmedizin nicht weiterhalf, versuchte sie es mit einem alten Rezept für Kraftbrühe. Dafür legt man Fleisch und Knochen für eine Stunde in kaltes Wasser mit einem Schuss Essig; dann erst wird der Herd angeschaltet. Zum kochenden Fleisch kommen Zwiebeln, Petersilienwurzeln, Lauchstangen, Möhren, Staudensellerie und Gewürze. Anschließend köchelt man alles auf kleinster Stufe für etwa zehn Stunden. Nach dem Umzug beginnt Simons jeden Tag eine Tasse Kraftbrühe zu trinken, und das mit großem Erfolg: "Schon vier Wochen später waren meine Hände wieder voll beweglich".

Moderator und Gast in der Studioküche mit Zutaten für eine Brühe 3 min
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Hauptsache gesund Do 19.11.2020 21:00Uhr 03:15 min

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 19. November 2020 | 21:00 Uhr

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