Männergesundheit Neue Therapien bei Prostata-Vergrößerung

Eine gutartig vergrößerte Prostata ist die häufigste urologische Erkrankung des Mannes. Etwa 40 Prozent über 50 trifft es. Mit neuen Operationsmethoden werden die Patienten immer individueller und schonender behandelt.

von Jana Olsen

Querschnitt des männlichen Unterleibs
Querschnitt des männlichen Unterleibs Bildrechte: imago/UIG

Im Normalfall ist die Prostata nur etwa so groß wie eine Kastanie und umschließt den oberen Teil der Harnröhre. Etwa ab dem 40. Lebensjahr beginnt die Prostata schleichend zu wachsen. Sie engt die Harnröhre immer weiter ein. Das führt zunächst dazu, dass der Harnstrahl immer schwächer wird, das Wasserlassen länger dauert. Was zunächst wenig spektakulär klingt, kann zu hartnäckigen Infektionen oder einem kompletten Harnverhalt führen, bei dem gar kein Urin mehr abgelassen werden kann. Eine schmerzhafte Angelegenheit. Auch die Nieren sind dann gefährdet.

Prostatavergrößerung ist kein Prostatakrebs!

Im Fachjargon der Mediziner heißt die Prostatavergrößerung "benigne Prostatahyperplasie". Das lateinische Wort "benigne" steht dabei für gutartig. Das heißt, eine gutartig vergrößerte Prostata hat nichts mit Prostatakrebs zu tun. Um eine gutartige Prostatavergrößerung genau zu diagnostizieren, wird der Urologe verschiedene Untersuchungen durchführen. Das sind in der Regel die ungeliebte Tastuntersuchung, bei der der Arzt vom Enddarm aus die Größe der Prostata erspürt, eine Urinuntersuchung, die Bestimmung des PSA-Wertes und eine Harnstrahlmessung.

Medikamente bei Prostatavergrößerung

Kürbiskerne in einem Holzlöffel
Bei leichten Beschwerden helfen auch pflanzliche Mittel - unter anderem aus Kürbiskernen. Bildrechte: imago/allOver

Ist die Diagnose eindeutig, gibt es einige Medikamente, die helfen können. Zum einen sind das Arzneimittel, die die Blasenmuskulatur entspannen und den Harn besser abfließen lassen. Zum anderen gibt es Medikamente, die das Wachstum der Prostata bremsen. Manchmal werden auch verschiedene Medikamente miteinander kombiniert. Pflanzliche Mittel aus Kürbiskernen, Brennnessel oder den Früchten der Sägepalme bringen nur bei leichten Beschwerden Besserung. Auch ein Beckenbodentraining kann helfen, die Blasenfunktion besser zu kontrollieren.

Zahlreiche Operations-Optionen

Wenn Medikamente keine Besserung bringen oder ein kompletter Harnverhalt vorliegt, kommt man um eine Operation nicht herum. Dafür gibt es heute sehr unterschiedliche Methoden, die je nach Alter des Patienten und Größe der Prostata auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten angepasst werden können.

TUR-P
Das Standardverfahren ist die sogenannte transurethrale Resektion der Prostata. Mit einer Elektroschlinge wird die Prostata über die Harnröhre mittels Hochfrequenzstrom von innen abgehobelt. Problematisch können hier verstärkte Blutungen sein.

OP-Saal mit Operationssystem
Hier kommt ein Operationsroboter zum Einsatz. Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

Laser
Das Prostatagewebe wird mit einem Laser verdampft. Der Eingriff führt weniger zu Blutungen, ist daher beispielsweise auch für Patienten geeignet, die Blutverdünner einnehmen müssen.

Embolisation
Unter örtlicher Betäubung wird über die Leistenarterie ein Katheter bis in die Prostata geführt. Danach werden kleine Kunststoff-Kügelchen in die Gefäße eingeführt. Das schränkt die Blutversorgung des Drüsengewebes ein. Die Prostata schrumpft dadurch im Laufe der nächsten Wochen.

Wasserstrahl
Bei der sogenannten Aquablation ersetzt ein scharfer Wasserstrahl das Skalpell. Mit dem Ultraschall markiert der Chirurg zunächst das abzutragende Gewebe. Der Wasserstrahl entfernt dann automatisiert das markierte Gewebe. Das Verfahren ist sehr schonend, insbesondere für große Prostatavergrößerungen geeignet und kann die Samenergussfunktion besser erhalten. Diese Technik ist noch relativ neu und wird noch nicht an jeder Klinik angewandt.

Offene Operation
Diese lässt sich manchmal nicht vermeiden, wenn die Prostata besonders stark vergrößert ist.

Zur Heilung nach der OP Allen Eingriffen ist gemein, dass es eine gewisse Zeit braucht, bis die innere Wunde verheilt ist. Häufig kommt es auch zu einer vorübergehenden Drang-Inkontinenz. Denn der Schließmuskel muss sich erst wieder daran gewöhnen, dass die Harnröhre wieder mehr Platz hat und wieder "freie Fahrt" beim Wasserlassen herrscht. Vorlagen und Beckenbodentraining können hier helfen, bis sich der Körper an die neue Situation gewöhnt hat.

Diagnose durch PSA-Test

Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung des Mannes. Er macht lange keine Symptome. Daher kann man sich nicht darauf verlassen, dass man etwas merkt. Je früher ein Prostatakrebs erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen.

PSA-Test
Bildrechte: Colourbox.de

Der PSA-Test wird häufig als individuelle Gesundheitsleistung empfohlen. PSA ist eine Abkürzung für "Prostata-spezifisches Antigen". Das ist ein Eiweiß, welches in der Prostata gebildet wird und im Blut nachweisbar ist. Der PSA-Wert ist ein Tumormarker, der für die Therapie einen großen Wert hat. In der Diagnostik wird er jedoch kontrovers diskutiert. Die Kritik bezieht sich vor allem auf das Problem der "Überdiagnose". Denn da sich Prostatatumore sehr langsam entwickeln, findet der PSA-Test unter Umständen auch Tumore, die den Männern eventuell nie Beschwerden bereitet hätten. Zudem gibt es etliches, was den PSA-Wert verfälschen kann: erhöhter Druck auf die Prostata wie beim Fahrradfahren oder Geschlechtsverkehr, eine Harnwegs- und Prostataentzündung oder auch eine vergrößerte Prostata.

Wer sollte einen PSA-Test machen?

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie empfiehlt die Bestimmung des PSA-Wertes ab dem 45. bis zum 70. Lebensjahr, bei einer weiteren wahrscheinlichen Lebenserwartung von mindestens zehn Jahren. Bei einem familiären Risiko sollte die erste PSA-Bestimmung ab dem 40. Lebensjahr erfolgen. Weitere Kontrollen richten sich nach dem Ergebnis des ersten PSA-Wertes. Als Grenzwert gilt ein Wert von 4 ng/ml. Dazu muss allerdings auch das Alter des Mannes, die Größe der Prostata und entzündliche Vorerkrankungen der Prostata mit bewertet werden.

Die Frage nach den Kosten

Krankenkassenkarten von gesetzlichen Krankenkassen, 2011
Als Vorsorgeuntersuchung ohne Anzeichen einer Auffälligkeit übernehmen die GKV die Kosten des PSA-Testes nicht. Bildrechte: dpa

Wenn es sich um eine reine Vorsorgeuntersuchung handelt, übernehmen die Gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die Bestimmung des PSA-Wertes nicht. Erst bei einem konkreten Krebsverdacht wie tastbaren Knötchen oder zur Verlaufskontrolle einer Tumorerkrankung werden die Kosten übernommen. Die Kosten für das jährliche Abtasten der Prostata werden dagegen von den Gesetzlichen Krankenkassen für Männer ab 45 Jahren auch als Vorsorgeuntersuchung übernommen.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 26. September 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. September 2019, 09:57 Uhr

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