Interview mit Tropenmediziner West-Nil-Virus-Fall in Sachsen hat bundesweit Auswirkungen

Bei einem Sachsen ist erstmals in Deutschland das West-Nil-Virus nachgewiesen worden. Blutspenden müssen nun bundesweit auf die Krankheit hin getestet werden. Das sagt Professor Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter der Virusdiagnostik am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin Hamburg, hier im Interview mit "Hauptsache Gesund".

Gemeine Stechmücke (Culex Pipiens) beim Blutsaugen
Das West-Nil-Virus wird durch Stechmücken übertragen. Bildrechte: imago images / Westend61

Wann wurde das Virus in Deutschland zum ersten Mal gesichtet?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit: In Deutschland ist das Virus schon seit mehr als zwei Jahren verbreitet, bisher sind aber nur Tiere infiziert worden: Zunächst vor allem Vögel, dieses Jahr vermehrt auch Pferde. Jetzt der erste Fall, bei dem ein Mensch hier in Deutschland infiziert wird.

Wie kommt das Virus nach Deutschland?

Durch die besonders warmen Sommer, gerade im Osten von Deutschland, konnte sich das Virus ausbreiten. Je früher und länger es im Jahr warm wird und bleibt, desto größer wird das Risiko der Übertragung durch Mücken. Sollte im nächsten Jahr ein kühles Frühjahr und ein kalter Sommer folgen, würde sich das Risiko wieder reduzieren.

Kann das West-Nil-Virus von jeder Mücken-Art übertragen werden?

In Europa wird das Virus nur von einer Mücken-Art übertragen, der gemeinen Stechmücke oder auch Nördliche Hausmücke genannt. Diese Mücken-Art ist allerdings die häufigste in Deutschland.

Was für Symptome löst das Virus aus?

80 Pozent der Infizierten haben gar keine Symptome, bei weniger als 20 Prozent treten Grippeähnliche-Symptome, leichtes Fieber und Hautausschlag auf. Bei unter einem Prozent der Betroffenen kommt es zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis) oder seltener zu einer Entzündung des Gehirns (Enzephalitis).

Welche Bedeutung hat der erste West-Nil-Virus Infektion in Deutschland für die Medizin?

Der erste Fall einer Infektion in Deutschland hat bundesweite Bedeutung. Ab jetzt müssen beispielsweise in der gesamten Republik alle Blutspenden auch auf das West-Nil-Virus getestet werden. Außerdem müssen Mediziner bei Patienten mit Hirnhautentzündung eben auch das West-Nil-Virus als Auslöser in Betracht ziehen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 27. September 2019 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. September 2019, 17:06 Uhr