Gefahr Parodontitis Tipps für die Zahnpflege im Alter

Drei Viertel aller Deutschen hatten schon mal eine Parodontitis, also ein entzündetes Zahnbett. Ab einem Alter von 65 Jahren sind es fast 100 Prozent. Tückisch dabei: Die Krankheit kann weitere nach sich ziehen.

Ein Mann putzt Zähne
Bei einer Parodontitis treten zu Beginn keine Schmerzen auf - das macht die Krankheit zu einer schleichenden Gefahr. Bildrechte: imago images / Westend61

Bleibt eine Parodontitis unerkannt und unbehandelt, ist sie die Hauptursache für Zahnverlust. Studien haben zudem gezeigt, dass die richtige Zahnpflege nicht nur den Halteapparat der Zähne schützt, sondern ebenso Gelenke, Lunge und Herz.

Zunächst ohne Schmerzen - und unentdeckt

Die meisten Menschen wissen gar nicht, dass sie an einer Parodontitis leiden - denn im Anfangsstadium verläuft sie oft schmerzfrei. Zunächst besiedeln Bakterien die Zahnbeläge. Dann werden sie nicht weggeputzt, können sie sich unkontrolliert vermehren und in der Folge eine Entzündung des Zahnfleischs hervorrufen.

Dieses schrumpft und zwischen Zahnfleisch und Zahn bilden sich immer größer werdende Taschen. Dort können sich wiederum neue Bakterien ansiedeln. Im Laufe der Zeit breitet sich die Entzündung über das Bindegewebe auf die Knochen aus. So wird der Zahnhalteapparat nachhaltig geschädigt.

Gemüse 6 min
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Hauptsache gesund Do 15.10.2020 21:00Uhr 05:48 min

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Ein Bakterium mit fatalen Folgen

Hippokrates hatte einst behauptet, mit dem Ziehen eines Zahnes Gelenkleiden zu heilen. Über Jahrhunderte betrachteten Wissenschaftler und Ärzte diese Beobachtung als völlig haltlos – neuerdings fängt ein Umdenken an. Forscher fanden nämlich das Bakterium mit dem Namen Porphyromonas gingivalis an den Gelenken von Rheuma-Patienten. Dieses Bakterium stammt aus dem Mundraum von Menschen, bei denen die Zähne schon tiefe Taschen gebildet haben. Es ist ein sogenannter Marker für eine Parodontitis.

Eine andere Forschergruppe wiederum entdeckte das gleiche Bakterium im Gehirn von Alzheimerpatienten. Es steht demnach also außer Zweifel, dass es eine Wechselwirkung zwischen Parodontitis und Rheuma und zwischen Parodontitis und Morbus Alzheimer gibt. Gleiches gilt für den Zusammenhang zwischen Lungenentzündungen und Zahnerkrankungen. Ursache hierfür sind dabei Nahrungsreste, die falsch verschluckt werden und in die Luftröhre gelangen. Gerade ältere Menschen haben oft Probleme mit der Speichelbildung und dem Schlucken. Sie sind umso gefährdeter. Eine Parodontitis zu behandeln, bedeutet also immer auch, das Risiko für weitere Erkrankungen zu minimieren.

Patient hält schmerzenden Arm
Die durch eine Paradontis im Mundraum angesiedelten Bakterien können auch die Ursache für rheumatische Beschwerden sein. Bildrechte: imago images / Panthermedia

Parodontitis – Der Selbsttest

Je eher man die Krankheit behandelt, desto besser sind die Chancen für Zähne, Mundhygiene und Gesundheit. Daher hat die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung einen Test entwickelt, mit man herausfinden kann, ob man möglicherweise von einer Parodontitis betroffen ist.

Leiden Sie an einer Parodontitis? - 60 Sekunden Zeit für die Wahrheit. - Liegt Ihr letzter Zahnarztbesuch länger als zwölf Monate zurück?
- Putzen Sie sich höchstens ein Mal am Tag die Zähne?
- Haben Sie manchmal Zahnfleischbluten?
- Scheuen Sie sich, herzhaft in einen Apfel zu beißen?
- Haben Sie den Eindruck, dass einzelne Zähne etwas lockerer sitzen als früher?
- Haben Sie Mundgeruch?
- Hatten Sie in letzter Zeit schmerzhafte oder gar eitrige Entzündungen am Zahnfleisch?
- Gibt es Stellen, an denen sich ihr Zahnfleisch zurückgezogen hat?
- Hatten Sie schon einmal eine Parodontalbehandlung?

Auflösung: Wenn Sie alle Fragen mit NEIN beantworten können, haben Sie keine Parodontitis. Lassen Sie dennoch Ihre Zähne weiterhin regelmäßig kontrollieren.

Sollte bei mindestens einer der Fragen die Antwort JA sein, sprechen Sie zeitnah mit Ihrem Zahnarzt darüber. Entweder Sie sind noch nicht betroffen oder die Erkrankung ist im Anfangsstadium.

Heißt die Antwort bei mehreren Fragen JA, lassen Sie Ihre Zähne unbedingt gründlich untersuchen und sprechen Sie mit Ihrem Zahnarzt über Möglichkeiten der Behandlung.

Quelle: Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung

Zähne putzen – aber richtig!

Grundsätzlich gilt: Zwei Mal am Tag sollte man mindestens die Zähne putzen. Unstrittig ist der Zeitpunkt am Abend: vor dem Schlafengehen.

Früh allerdings stellt sich die Frage: Vor oder nach dem Frühstück ? Die Antwort lautet: Beides ist möglich. Wer nach dem Frühstück gleich das Haus verlassen muss, sollte eher vor dem Essen Zähne putzen. Denn die Mineralstoffe der Zahnpasta helfen, die Zähne gegen den Säureangriff der Nahrung zu schützen. Putzt man nämlich unmittelbar nach dem Essen, bringt das unter Umständen mehr Schaden als Nutzen. Mit jeder Nahrungsaufnahme entstehen Säuren, die unmittelbar die Zahnbeläge angreifen und diese weich machen. Würde man jetzt putzen, verletzt man auch die schützende Schicht der Zähne, die wiederum dem nächsten Säureangriff weniger Stand halten kann.

Darum sollte man nach dem Essen mindestens 15 – 20 Minuten warten und danach erst die Zähne putzen. Wer dafür keine Zeit hat, sollte vor dem Frühstück putzen und nach dem Essen noch ein Glas Wasser trinken, um gröbere Nahrungsbestandteile wegzuspülen.

Nahaufnahme einer Frau mit Handy und Zahnbürste im Badezimmer.
Apps können den Umgang mit einer elektrischen Zahnbürste noch leichter machen. Bildrechte: imago/Westend61

Zahnseide oder Interdentalbürste?

Auch hier gilt, beides ist möglich. Wer mit der Zahnseide gut klar kommt, sollte diese nutzen. Am besten fragen Sie Ihren Zahnarzt, ob er in den Zahnzwischenräumen Problemstellen erkennt. Sollten Sie weiche Beläge zwischen den Zähnen haben, obwohl Sie regelmäßig Zahnseide benutzen, empfiehlt sich vielleicht ein Wechsel zur Interdentalbürste.

Ernährungstipps für gesunde Zähne im Alter

1) Zähne brauchen Biss!
Keine Angst vor Rohkost. Einmal am Tag sollten unsere Zähne mal richtig kräftig zubeißen und kauen, denn dadurch wird die Speichelproduktion im Mund angeregt. Gleichzeitig stärkt das regelmäßige Zubeißen die Mundmuskulatur.

Äpfel der Sorte «Shampion»
Der kräftige Biss in einen Apfel ist nicht nur wegen der Vitamine gesund, sondern stärkt auch die Mundmuskulatur. Bildrechte: imago/blickwinkel

2) Zähne brauchen Speichel!
Mundtrockenheit ist eine Nebenwirkung vieler Medikamente, die ältere Menschen oft einnehmen. Dazu gehören Bluthochdruckmedikamente, Antidepressiva, ACE-Hemmer, aber auch entwässernde Medikamente, sogenannte Diuretika. Ein Schluck Wasser regt die Speichelproduktion an. Und Speichel ist ein wahrer Gesundbrunnen für unsere Zähne: Er spült die Nahrungsbestandteile weg, er verdaut Nahrung vor und er neutralisiert den Säureangriff im Mund bei Nahrungsaufnahme und macht damit das ganze Mundsystem widerstandsfähiger.

3) Zähne brauchen Pause!
Natürlich warnen Zahnärzte immer wieder vor Süßigkeiten. Doch unter bestimmten Bedingungen ist Naschen erlaubt, denn auf den Zeitpunkt kommt es an - Süßes entweder mit der Mahlzeit oder gleich hinterher. Schädlich ist nur das Naschen zwischendurch.

Das liegt daran, dass unsere Zähne Zeiten brauchen, in denen keine Nahrung im Mund ist. Immer, wenn wir irgendetwas essen, haben wir ein saures Milieu im Mund und dieses saure Milieu greift unsere Zähne an. Wir brauchen aber am Tag Zeiten, wo Neutralität im Mund herrscht.

Schokoladenplätzchen
Süßes ist durchaus erlaubt - nur nicht zwischen den Mahlzeiten. Bildrechte: Colourbox.de

4) Zähne brauchen Fluorid!
Verwenden Sie fluoridhaltiges Speisesalz! Das macht nicht nur die Zähne stabiler gegen Säure. Es funktioniert sogar als eine Art Reparaturkitt. Wenn Säuren den Zahn bereits angegriffen und kleine Partikel aus dem Zahnschmelz herausgelöst haben, kann Fluorid sich an diesen Schadstellen andocken und sie reparieren. Zusätzlich verhindert Fluorid, dass Bakterien sich im Mund vermehren.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 15. Oktober 2020 | 21:00 Uhr

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