Borreliose und FSME Gibt es in diesem Jahr besonders viele Zecken?

Zecken faszinieren als Überlebenskünstler der Evolution. Doch die blutsaugenden Parasiten übertragen gefährliche Krankheiten. Eine Borreliose ist die häufigste. Die Risikogebiete für eine Infektion mit FSME breiten sich immer weiter aus. Wie kann man sich schützen?

Zecken sind ein Geniestreich der Evolution und lebten schon zu Zeiten der Dinosaurier. Zwei Jahre können sie ohne Nahrung auskommen, aber wenn sie einen Wirt gefunden haben, saugen sie sich so voll, dass sie bis zu 200 Mal so viel wiegen wie im hungrigen Zustand. Dennoch hält sich die Bewunderung der meisten Menschen für Zecken in Grenzen, denn die Tiere können verschiedene Krankheiten übertragen.

Wie wird das Zeckenjahr 2020?

Zecke
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Gibt es in diesem Jahr besonders viele Zecken? Dies wurde in letzter Zeit in einigen Meldungen behauptet. Doch Mikrobiologe Professor Martin Pfeffer gibt Entwarnung. Am Institut für Tierhygiene der Universität Leipzig untersucht er seit Jahren Zecken auf Krankheitserreger und kommt zu dem Schluss: "Unsere Untersuchungen zeigen, dass es ein ganz normales Zeckenjahr ist. Vermutlich liegt es eher daran, dass die Leute bei dem schönen Wetter im Frühjahr mehr draußen in der Natur waren und so auch mehr Zecken am Menschen gefunden wurden." Auch die Corona-Krise dürfte dazu beigetragen haben, dass durch die Schließung von Sportstätten und anderer Freizeittreffs mehr Menschen in Parks und Wäldern unterwegs waren.

Heimtückische Borreliose

Die Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragene Krankheit in Deutschland. Sie verursacht unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen. Ein charakteristisches Zeichen für eine Borreliose ist die sogenannte Wanderröte. Das ist ein roter Fleck, der sich um die Einstichstelle bildet und der mit der Zeit immer größer und innen blasser wird. Allerdings tritt die Wanderröte nicht immer auf oder nicht an der Stelle, wo die Zecke gestochen hat. "Es kann beispielsweise eine Schwellung und Rötung am Ohr auftreten, auch wenn die Zecke am Bein gestochen hat", sagt Dr. Harald Bennefeld, Leiter der Neurologie der Klinik am Brunnenberg in Bad Elster, der sich auch im Vorstand der Deutschen Borreliose Gesellschaft engagiert. Auch bei grippeähnlichen Symptomen wie Fieber und Gliederschmerzen sollte man an eine Borreliose denken. "Eine Sommergrippe ohne Husten kann durchaus auch eine Borreliose sein", gibt Dr. Bennefeld zu bedenken. Wird die Borreliose in einem frühen Stadium erkannt, bestehen gute Heilungschancen mit Antibiotika.

Genaue Diagnostik

Problematisch wird es, wenn die Borreliose zu spät diagnostiziert und behandelt wird. Hinzu kommt, dass ein Borreliosetest nur den Beweis erbringt, dass das Immunsystem Kontakt mit Borrelien hatte, nicht aber, ob es sich um eine aktive Borreliose handelt. Denn auch nach einer erfolgreichen Behandlung bleibt der Test positiv. Bei Patienten mit Langzeitbeschwerden durch eine Borreliose sind Infusionen mit Antibiotika in Einzelfällen hilfreich, aber nicht unumstritten. Wenn eine Borreliose-Therapie gar nicht greift, muss auch die Diagnose hinterfragt werden. "Wir machen mit unseren Patienten noch einmal eine sehr ausführliche Diagnostik. Denn es gibt verschiedene Infektionen, die ähnliche Symptome verursachen und ebenfalls Ursache für Langzeitbeschwerden sein könnten", so Dr. Bennefeld. Das seien etwa Bakterien wie Ehrlichien, Bartonellen oder Coxiellen, die allesamt von Tieren auf den Menschen übertragen werden. Auch Yersinien, die über rohes Schweinefleisch oder Ausscheidungen von Wildtieren und Vögeln übertragen werden, rufen ähnliche Symptome hervor und müssten ebenfalls behandelt werden.

Drei neue FSME-Risikogebiete in Mitteldeutschland

Zecken können jedoch nicht nur Bakterien wie Borrelien übertragen, sondern auch Viren wie das FSME-Virus. Die sogenannte Frühsommer-Meningoenzephalitis beginnt mit grippeähnlichen Symptomen, Kopfschmerzen und Fieber. Nach etwa einer Woche kann es zu neurologischen Ausfällen bis hin zu einer schweren Hirnhautentzündung kommen. FSME kann tödlich verlaufen. Mittlerweile gehören 164 Landkreise in Deutschland zu den FSME-Risikogebieten. Neu hinzugekommen sind in diesem Jahr drei mitteldeutsche Stadt- und Landkreise: Dresden, Meißen und Schmalkalden-Meiningen. Gegen FSME gibt es eine Impfung. Diese wird insbesondere für Menschen empfohlen, die in Risikogebieten leben beziehungsweise in risikobehafteten Berufsgruppen wie im Forstbereich arbeiten. Für einen vollen Impfschutz sind laut Robert Koch-Institut drei Impfungen notwendig. Der Impfschutz hält drei Jahre.

FSME-Risikogebiete 2020 in Mitteldeutschland (RKI)

Sachsen

  • LK Bautzen
  • SK Dresden (neu)
  • LK Erzgebirgskreis
  • LK Meißen (Neu)
  • LK Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
  • LK Vogtlandkreis
  • LK Zwickau

Thüringen

  • SK Gera
  • LK Greiz
  • LK Hildburghausen
  • LK Ilm-Kreis
  • SK Jena
  • LK Saale-Holzland-Kreis
  • LK Saale-Orla-Kreis
  • LK Saalfeld-Rudolstadt
  • LK Schmalkalden-Meiningen (neu)
  • LK Sonneberg
  • SK Suhl

Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt gibt es derzeit keine FSME-Risikogebiete.

FSME-Risikogebiete in Deutschland 2020
Karte der FSME-Risikogebiete in Deutschland 2020 (Stand 16. Februar 2020) Bildrechte: Robert Koch-Institut

Zecken sofort entfernen

Blutsaugende Zecke
Bildrechte: Imago/blickwinkel

Wer draußen in der Natur unterwegs ist, tut gut daran, sich danach gründlich nach Zecken abzusuchen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, Zecken zu entfernen, zum Beispiel mit Pinzetten, flachen Zeckenzangen oder -karten. "Man sollte darauf achten, dass man die Zecke so weit vorn wie möglich anpackt und komplett herauszieht", empfiehlt Hausarzt und "Hauptsache Gesund"-Moderator Dr. Carsten Lekutat. Denn wenn der Stechapparat abreißt und steckenbleibt, können weiter Krankheitserreger übertragen werden. Zudem drohen Entzündungen an der Stichstelle.

Gut zu wissen: Längst nicht alle Zecken tragen Krankheitserreger in sich. Und auch bei einer infizierten Zecke kommt es nicht zwangsläufig zu einer Übertragung.

So schützen Sie sich vor Zecken

Es gibt einiges, was man tun kann, um sich vor den ungebetenen Blutsaugern zu schützen.

Kleidung

Tragen Sie beim Waldspaziergang lange Kleidung und stecken Sie die Hosenbeine in die Socken. Das erschwert den Zecken den Zugang zur Haut. Wenn Sie helle Sachen tragen, können Sie die Zecken darauf besser und früher erkennen.

Wanderwege

Eine Wandergruppe geht durch einen Laubwald
Bildrechte: Imago/Rainer Weisflog

Unsere heimischen Zecken fallen nicht von Bäumen und laufen auch nicht auf den Menschen zu. Sie sitzen auf Grashalmen und in niedrigem Gestrüpp und warten auf einen Wirt. Wenn Sie im Wald durch das Unterholz stapfen, ist das Risiko, eine Zecke abzustreifen, größer. Bleiben Sie am besten auf den befestigten Wegen und meiden Sie nicht gemähte Wiesen.

Repellents

Ein Finger drückt auf den Sprühkopf einer schwarzen Kosmetikspraydose, aus der Sprühnebel entweicht.
Bildrechte: Imago/CHROMORANGE

Spezielle Cremes und Sprays sollen Zecken durch Düfte abhalten. Der Schutz hält etwa vier Stunden an.

Body-Check

Zecken sind in der Regel ziemlich langsam und wandern eine ganze Zeit über den Körper, bis sie eine für sie angenehme Stelle zum Blutsaugen gefunden haben. Diesen Umstand kann man sich zunutze machen, indem man nach jedem Waldspaziergang sich gründlich auf Zecken absucht und die Zecke so schnell wie möglich entfernt.

Impfung

Impfung eines Kindes in den Oberarm
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Gegen Borreliose gibt es derzeit keine Impfung. Gegen FSME kann man sich jedoch impfen lassen. Die FSME-Impfung wird insbesondere für Menschen empfohlen, die in Risikogebieten leben beziehungsweise in risikobehafteten Berufsgruppen wie im Forstbereich arbeiten. Für einen vollen Impfschutz sind laut Robert Koch-Institut drei Impfungen notwendig. Der Impfschutz hält drei Jahre.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 11. Juni 2020 | 21:00 Uhr

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