Organspenden-Debatte Hohe Klinikdichte sorgt für mehr Organspenden in Mitteldeutschland

Die hohe Dichte an gut ausgestatteten Kliniken in Mitteldeutschland trägt mit bei zu einer höheren Zahl an Organspenden im Bundesdurchschnitt, erklärt Christa Wachsmuth von der Deutschen Stiftung Organtransplantation. Ebenso von Vorteil dabei sei, dass viele Kliniken mit dem Computerprogramm "Transplantcheck" arbeiten.

Eine Organtransportbox wird in den Räumen der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) in Berlin übergeben.
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Eine vergleichsweise hohe Dichte an gut ausgestatteten Kliniken in Mitteldeutschland trägt maßgeblich dazu bei, dass es hier mehr Organspenden gibt als im Bundesdurchschnitt. Das sagte Christa Wachsmuth von der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) dem MDR-Magazin "Hauptsache Gesund": "Es wird in den Krankenhäusern hier auch besser geprüft, wo noch Potenzial für die Organspende verschenkt wird." Wachsmuth ist die geschäftsführende Ärztin für die Region Ost der DSO.

Mitteldeutschland hat im Verhältnis zur Einwohnerzahl die meisten Organspenden

Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben im Verhältnis zur Einwohnerzahl bundesweit die meisten Organspenden: Die Quote liegt bei 16,8 Organspendern pro eine Million Einwohner (Stand 2018). Im Bundesschnitt sind es 11,5 Spender. Laut Wachsmuth haben 20 von 143 Krankenhäusern in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen Unikliniken oder Einrichtungen neurologische oder neurochirurgische Stationen. In diesen Fachbereichen werden besonders häufig Patienten behandelt, deren Erkrankungen oder Verletzungen zum Hirntod führen. Der Hirntod ist die medizinisch notwendige Voraussetzung für die Entnahme von Spenderorganen.

Bessere Übersicht durch Computerprogramm "Transplantcheck"

In einer Klinik wird bei einer Operation einem Spender eine Niere entnommen, die für eine Transplantation vorgesehen ist.
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Hinzu käme, dass die Krankenhäuser in Mitteldeutschland seit 2014 das Computerprogramm "Transplantcheck" nutzen, um zu analysieren, an welchen Stellen Potenzial für die Organspende übersehen wurde oder die Abläufe verbessert werden können. "Das Projekt hat auf jeden Fall weiter geholfen, die Organspendezahlen in der Region zu verbessern", sagte Wachsmuth.

Diskussion um doppelte Widerspruchslösung

Die aktuell bundesweit diskutierte doppelte Widerspruchslösung würde nach Ansicht Wachsmuths helfen, die Organspendezahlen zu erhöhen. Die Einbindung der Bevölkerung sei dennoch unabdingbar: "Wichtig ist, dass sich jeder zu Lebzeiten mit dem Thema Organspende auseinandersetzt, eine klare Entscheidung trifft und diese nicht auf die nächsten Angehörigen überträgt." Auch in der ehemaligen DDR gab es die Widerspruchslösung, allerdings ohne die Einbeziehung der Angehörigen.

Im Jahr 2018 wurden in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen 142 Menschen nach ihrem Tod Organe für die Spende entnommen. Zum 31.12.2018 haben in den drei Ländern 1.146 Menschen auf ein Spenderorgan gewartet.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 04. April 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. April 2019, 12:35 Uhr