Globuli
Die Meinungen gehen auseinander, wenn es um die Wirksamkeit von homöopathischen Mitteln wie Globuli geht. Bildrechte: IMAGO

Gesundheit Sachsens Kassenärzte lehnen Homöopathie als Kassenleistung ab

Frankreich zahlt keine homöopathischen Mittel mehr, nun flammt auch hierzulande die Diskussion darüber auf. Sachsens Kassenärzte sehen Homöopathie nicht als Kassenleistung. Es gehe gar nicht, dass hier Mittel erstattet würden die keinerlei Wirksamkeitsnachweis hätten, lautet ihr Argument.

von Ine Dippmann, MDR AKTUELL

Globuli
Die Meinungen gehen auseinander, wenn es um die Wirksamkeit von homöopathischen Mitteln wie Globuli geht. Bildrechte: IMAGO

Die Sonnen-Apotheke in Leipzig verkauft homöopathische Mittel. Eine junge Frau tritt aus der Apotheke heraus. Sie habe sich bewusst eine Krankenkasse gesucht, die homöopatische Mittel bezahlt. Sie hat unterschiedliche Erfahrungen mit diesen Medikamenten gemacht, die einen hätten funktioniert andere wiederum nicht. "Man weiß halt nicht, ob es nur der Placebo-Effekt ist." Die Frage nach der Wirksamkeit treibt viele um.

Eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Civey im Auftrag der Augsburger Allgemeinen zeigt: Etwa ein Drittel der Befragten glaubt entweder fest oder zumindest etwas daran, dass homöopathische Mittel wirken. Rund die Hälfte der Befragten bezweifelt eher die Wirksamkeit von homöopathischen Medikamenten.

Gründliche Untersuchung der Medikamente

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Eine Frau hält eine kleine Flasche 4 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Für Dr. Klaus Heckemann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen, sei es ein Anachronismus, dass homöopathische Mittel erstattet würden. Er ist Verhandlungsführer der Kassenärztlichen Bundesvereinigung im Unterausschuss Arzneimittel des gemeinsamen Bundesausschusses.

Dort werde bei jedem Medikament stundenlang diskutiert, ob die Kosten dafür übernommen werden und zu welchem Preis. Ein Wirksamkeitsnachweis werde immer verlangt, ergänzt Heckemann.

Klaus Heckemann
Dr. Klaus Heckemann versichert, dass die Medikamente gründlich geprüft werden. Bildrechte: Kassenärztliche Vereinigung Sachsen

Dabei untersuche man nicht nur die Wirksamkeit, sondern auch, dass ein Mittel besser wirke als andere Therapien. "Insofern geht das überhaupt nicht, dass hier Medikamente erstattet werden, die keinerlei Wirksamkeitsnachweis haben."

Dass sie relativ billig sind, sei da kein Gegenargument. Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte hat nach eigenen Angaben mit circa zwei Dritteln der gesetzlichen Krankenkassen Vereinbarungen abgeschlossen, darunter mit der Barmer und der Techniker Krankenkasse.

War Entscheidung in Frankreich politisch?

Dr. Michaela Geiger aus Neckarsulm ist seit Anfang Juni die Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte. Sie hat in Leipzig Medizin studiert und arbeitet heute in Baden-Württemberg.

Die Entscheidung in Frankreich sieht sie sehr kritisch: "Es war eine politische Entscheidung, keine wissenschaftliche Entscheidung. Jeder, der jetzt sagt, Homöopathie findet er nicht dufte, ist en vogue und trés chic."

Schweiz als Vorbild

Michaela Geiger fordert, dass stärker erforscht werden soll, wie Homöopathie wirkt. Dass Homöopathie wirkt, erlebe sie in ihrer täglichen Arbeit. Ihre Mutter und ihr Großvater seien schon Homöopathen gewesen. Deshalb habe sie auch Patienten, die ihr Großvater schon behandelt habe. "Und die sagen, es wirkt und von daher bleiben sie da auch dran."

Ziel des Deutschen Zentralvereins der Homöopathischen Ärzte sei es, dem Vorbild der Schweiz zu folgen, verweist Geiger. Dort sind homöopathische Behandlungen 2017 in den Leistungskatalog aufgenommen worden, den jede Schweizer Krankenkasse anbieten muss.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. Juli 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Juli 2019, 05:00 Uhr

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5 Kommentare

12.07.2019 15:14 Fragender Rentner 5

Man muß nur glauben und schon hilft man sich etwas selbst.

Wie geht ein Sprichwort, hilf dir selbst, dann hilft dir Gott.

Bei so manchem Mischungsverhältnis von 1 : Mittelmeer kann man nur mit dem Glauben daran gesund werden.

12.07.2019 12:38 DerIch 4

Wie bei vielen zentralistischen / zentral gesteuerten Institutionen stellt sich auch hier die Frage: wem dienen sie (hier: Kassenärztliche Vereinigung)?

Aus Sicht vieler (einiger) Patienten scheinen die Vorgaben aus diesem Hause nicht immer nachvollziehbar - und deren Begründung bzgl. "Gelder der Beitragszahler" wirken bei manchen Themen vorgeschoben.

Soll es dem Patienten helfen, oder den Firmen / Ärzten / Krankenhäusern / Funktionären?

Da man sich als Normalsterblicher der GKV und ihren Instituionen unterwerfen muss, sollte jeder ganz genau hinschauen und hinhören ... auch wenn Möglichkeiten der Einflussnahme eher gering scheinen.

12.07.2019 09:30 Max Mustermann 3

Die DDR lässt wieder mal grüßen.
Da hatten Ärzte, die neben schulmedizinischen Therapien auch Homöopathie und naturmedizinische Verfahren angewendet haben, nicht mit staatlicher Unterstützung zu rechnen. Nun das andere Extrem oder vielleicht doch die Fortsetzung von damals . Naturheilmittel werden nun vom Staat subventioniert, nein, bestimmte Naturheilmittel sollten vom Staat subventioniert werden und
der Arzt, der Naturheilverfahren anwendet, genauso geachtet werden.

12.07.2019 09:01 Jewsharpe 2

Tabletten sind ja so gesund...
Ein Hoch auf die Chemische Industrie!!!

12.07.2019 08:36 Sachsenheini 1

Die Lobby der Schulmedizin mal wieder...