Ein älterer Mann hält die Hände in den Hüften.
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Künstliche Gelenke Keine Angst vor Hüft-OPs!

Der künstliche Ersatz von Hüftgelenken zählt neben Knie-OPs zu den häufigsten orthopädischen Operationen. Auch wenn sie an großen Kliniken inzwischen eher zu den Routineeingriffen gehört, schieben viele Patienten die Hüft-Operation trotz starker Schmerzen so lange wie möglich vor sich her.

von Beate Splett

Ein älterer Mann hält die Hände in den Hüften.
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Rund 220.000 neue Hüftgelenke werden in Deutschland jährlich eingesetzt. Eine der häufigsten damit verbundenen Fragen ist sicher: Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Hüft-OP? Die Antwort darauf kann von Patient zu Patient sehr unterschiedlich sein. "Wenn alle konservativen Maßnahmen wie Physiotherapie und Schmerzmedikation ausgeschöpft sind und der Alltag des Patienten erheblich eingeschränkt ist, dann hilft oft nur noch eine OP. Aber letztlich entscheidet es der Patient selbst", sagt Oberarzt Szymon Goralski von der Orthopädischen Abteilung am Universitätsklinikum Leipzig.

Auf einer blauen Fläche liegen zwei Teile eines künstlichen Hüftgelenks
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Er versteht durchaus die Ängste der Patienten vor dem Eingriff. Viele Vorbehalte lassen sich in einem Aufklärungsgespräch in der Endoprothetik-Sprechstunde aus dem Weg räumen, ist der Hüftexperte überzeugt. Die größten Sorgen sind nach seiner Erfahrung, dass man nach der OP nicht mehr aus der Narkose aufwacht oder anschließend starke Schmerzen hat. Beides ist aus Sicht des Mediziners unberechtigt. Der Eingriff dauert eine knappe Stunde. Patienten brauchen dafür nicht unbedingt eine Vollnarkose, sondern können die Operation mit einer Regionalanästhesie im Rückenmark auch wach miterleben.

"Auch die Angst vor Schmerzen muss niemand haben. Spezielle Schmerztherapien helfen, dass die Patienten beschwerdearm bleiben", erklärt Szymon Goralski. Das hilft auch den Ärzten: Je weniger Schmerzen, umso besser verläuft der Heilungsprozess und umso schneller sind die Patienten wieder fit und mobil.

Kleines Hüft-ABC  Das lateinische Wort für Hüfte lautet "Coxa". Deshalb wird die Hüft-Arthrose von Medizinern auch Coxarthrose genannt. Sie zählt zu den häufigsten Ursachen für Schmerzen und Unbeweglichkeit im Hüftgelenk.

Als Endoprothesen werden Prothesen bezeichnet, die dauerhaft im Körper bleiben.

Sprechen Orthopäden von einer Hüft-TEP meinen sie damit eine Hüft-Total-Endoprothese. Dabei wird das gesamte Hüftgelenk, bestehend aus Hüftkopf (auch Oberschenkelkopf genannt) und Hüftpfanne, durch künstliche Teile aus Metall oder Keramik ersetzt.

Risiken und Komplikationen

Zu den häufigsten Komplikationen nach einer Hüft-OP zählt eine Lockerung der künstlichen Ersatzteile. Das tritt allerdings meist erst nach vielen Jahren auf und ist ein ganz normaler Abnutzungsprozess. Selbst wenn man heute Materialien verwendet, die einen sehr geringen Verschleiß aufweisen, hält ein künstliches Gelenk im Durchschnitt nur etwa zwanzig bis fünfundzwanzig Jahre.

Nach einem Sturz oder Unfall kann es auch passieren, dass das Gelenk ausgerenkt oder ausgekugelt wird. Das kommt jedoch eher selten vor. Beide Komplikationen lassen sich hinauszögern oder sogar verhindern, wenn das Gelenk von einer starken Muskulatur umgeben ist, die es schützt und kräftigt.

"Am meisten fürchten wir Mediziner eine bakterielle Infektion am Gelenk", erklärt Orthopäde Szymon Goralski. Haben sich Keime angesiedelt, hilft oft nur ein Wechsel des Kunstgelenkes, es muss also erneut operiert werden. Um das zu verhindern, hat sich das Universitätsklinikum Leipzig hohe Hygienestandards auferlegt. Unterstützt durch eine Professorin für Krankenhaushygiene wurden seit Beginn dieses Jahres Maßnahmen zur Hygiene eingeführt, die schon vor der Operation umgesetzt werden: So duschen die Patienten am Abend vor der OP mit einem speziellen antibakteriellen Waschgel, um Keime auf der Haut zu reduzieren. Sie könnten sonst bei der Operation in die Wunde eindringen und später ungewollte Infektionen verursachen. Außerdem dürfen sie auch vor der Operation keine Anzeichen von Infektionen zeigen, sonst wird der OP-Termin verschoben.

Während der eigentlichen Operation achten die Mediziner durch sogenannte minimal-invasive Techniken darauf, dass die Wunde so klein wie möglich bleibt und nur wenig blutet. Das umliegende Gewebe und vor allem die Muskulatur werden dabei weitestgehend geschont. Auf Wund-Drainagen, Katheder und Schläuche wird verzichtet, um Keimen keine Eintrittsöffnung zu bieten. Noch im OP-Saal wird ein steriler, durchsichtiger Verband angelegt, der während des gesamten Aufenthaltes im Krankenhaus nicht gewechselt werden muss. So bleibt die Wunde die ganze Zeit über keimfrei und die Ärzte sehen trotzdem, ob alles gut verheilt. Dadurch können die Patienten schneller wieder mobilisiert werden.

Während Patienten früher anschließend noch tagelang das Bett hüten mussten, weiß man heute, dass es besser ist, nach der OP schnellstmöglich wieder aufzustehen. So werden weniger Muskeln abgebaut. Mit Unterstützung von Physiotherapeuten stehen sie bereits zwei Stunden nach dem Eingriff wieder auf ihren eigenen Beinen und können zum Beispiel selbständig auf die Toilette gehen.

"Fast track", sinngemäß "schnelle Genesung", heißt das Programm, mit dem der Heilungsprozess aktiv unterstützt wird. Ist die Wunde trocken, können die Patienten sich wieder allein anziehen und Treppen hoch und runter gehen, geht’s meist schon nach sechs bis zehn Tagen wieder nach Hause.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 18. Oktober 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2018, 09:57 Uhr