Gastronomie Corona-Gefahr am Bierglas

Nach wochenlanger Zwangspause dürfen Gaststätten, unter verschärften Hygieneregeln, wieder öffnen. Es gilt: Abstand halten. Aber auch an Gläsern und Tellern können Viren kleben. Gelten deshalb besondere Regeln fürs Spülen?

Zwei Biergläser auf einem Freisitztisch
Von ordentlich abgespülten Biergläsern geht keine Corona-Gefahr aus, sagt der Virologe Alexander Kekulé. Bildrechte: imago/Ralph Peters

Es ist der erste einigermaßen normale Tag nach fast zwei Monaten Corona-Pause. Vor der "Gaststätte Kollektiv" sitzt ein Rennradfahrer und nippt an seinem Milchkaffee. Das Lokal in der Leipziger Südvorstadt hat gerade wieder aufgemacht – wegen der Infektionsgefahr mit weniger Tischen, Abstand und Mundschutz.

Im Abwaschbecken ist aber alles wie immer, sagt Inhaber Chris Bärschneider: "Also was jetzt Teller und Geschirr angeht, haben wir eine Spülmaschine und für Gläser haben wir einen Spülboy mit heißem Wasser und spezielles Gläserspülmittel. Das kommt dann mit rein in das Wasser, also eine Lauge. Und dann wird das gespült, nachgespült mit klarem Wasser, dann abgetrocknet und poliert und dann sind die Gläser auch trocken, so wie es vorgeschrieben ist."

Beim Spülen in den Gaststätten hat sich wenig geändert

So empfiehlt es auch der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga.  In seinem Hygienekonzept schreibt der Landesverband Sachsen: Geschirr und Küchenutensilien sollten bei mindestens 60 Grad in der Spülmaschine gereinigt werden. Gläser können aber auch bei mehr als 40 Grad und unter Zugabe eines Tensids mit der Hand abgewaschen und danach klar gespült werden. Befüllen darf man sie dann erst wieder im trockenen Zustand.

Das ist aber eigentlich nichts Neues, erklärt Axel Klein, Geschäftsführer der Dehoga Sachsen: "Man muss natürlich noch mal darauf achten, dass man das exakt umsetzt. Das Bewusstsein muss mehr geweckt werden natürlich, das heißt, wir müssen heißes Wasser verwenden und Spülmittel mit entsprechenden Tensiden und ganz wichtig im Anschluss müssen die Gläser getrocknet werden, weil man weiß, dass die Corona-Viren Trockenheit nicht vertragen und nicht überleben."

Von gespülten Gläsern geht keinerlei Gefahr aus

Was auch wichtig ist: Nasse Geschirrtücher sollten nicht getrocknet und wiederverwendet, sondern bei mindestens 60 Grad gewaschen werden. Wenn man all diese Hygienestandards einhält, ist das Bierglas in der Kneipe keine Gefahr. Nur ungespülte Gläser sollte man nicht nutzen, rät der Virologe Alexander Kekulé: "Also in Bayern gibt es ja den sogenannten Noagerl-Sammler, der rumgeht und die fast leeren Biergläser einsammelt und sich das alles zusammen kippt in einen neuen Krug und dann einen neuen Liter Bier hat und das trinkt. So jemand wäre aktuell extrem infektionsgefährdet. Aber wenn man das richtig spült und mit Seife bearbeitet, ist das überhaupt kein Thema und dann sind die Viren weg."

Deswegen setzt Axel Klein von der Dehoga darauf, dass auch die Gäste die Hygienestandards mittragen und etwas Vertrauen in die Wirte haben.

Wir müssen damit alle lernen, nicht nur wir Gastronomen, sondern wir müssen alle damit leben lernen und ich glaube zu viel Vorsicht, das können wir nicht das ganze Leben durchhalten.

Axel Klein Hotel- und Gaststättenverband Dehoga

Chris Bärschneider vom "Kollektiv" wartet nun erst mal darauf, dass überhaupt wieder mehr Gäste kommen. In diesem Jahr rechnet er aber nicht mehr mit geselligen Kneipenabenden, wie es sie vor der Pandemie gab.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. Mai 2020 | 05:00 Uhr

3 Kommentare

sorglos vor 22 Wochen

Überall sollen Viren kleben... Ja, das tun sie auch - wir leben seit Jahrzehnten mit Viren. Deshalb kein Bier mehr trinken? Machen wir nicht gerade die Menschen total fertig? Das Angst machen funktioniert - statt dessen wird der gesunde Menschenverstand abgeschafft. Wenn Händewaschen zur Hygieneregel Nr.1 gehört, warum sollen dann an einem gespülten Bierglas Viren kleben? Manchmal habe ich das Gefühl, dass etwas herbei geredet wird, um uns Panik zu machen.

jackblack vor 22 Wochen

Und am besten ist Hr. Lauterbach mit seiner 2. ( Todes ) Welle, so kann man auch Angst und Panik verbreiten.

Sachse vor 22 Wochen

sorglos: Ihr Gefühl täuscht Sie nicht!