Impfen eines Virus.
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Impfdebatte Gürtelrose – Was bringt die neue Impfung?

Unter dem harmlos klingenden Begriff "Gürtelrose" verbirgt sich eine ernstzunehmende Krankheit, die bei vielen Betroffenen langwierige Nervenschmerzen auslösen kann. Ein Impfstoff, der seit 2018 zugelassen ist, soll einen über 90-prozentigen Schutz bieten.

von Barbara Legner-Meesmann

Impfen eines Virus.
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Die Gürtelrose wird durch die Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus ausgelöst. Bei der Erstinfektion verursachen diese Viren Windpocken. Danach bleiben sie latent im Rückenmark und können Jahrzehnte später eine Gürtelrose auslösen. In der älteren Bevölkerungsgruppe über 50 Jahre trage fast jeder Deutsche die Viren in sich. Die sogenannte Durchseuchung liege bei annähernd 100 Prozent, sagt die Leipziger Dermatologin Dr. Marion Krakor.

Häufigkeit und Symptome

Gürtelrose
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Jeder fünfte Erwachsene über 50 Jahren entwickelt mindestens einmal in seinem Leben eine Gürtelrose. Sie tritt vor allem bei älteren Patienten auf oder dann, wenn das Immunsystem geschwächt ist.

Die Gürtelrose äußert sich meist als ein schmerzhafter, juckender Hautausschlag auf einer Körperseite. Anders als der Name es vermuten lässt, tritt er aber nicht nur am Rumpf auf, sondern kann auch an Armen, Beinen und im Gesicht erscheinen. In der Regel bleibt der Ausschlag zwischen zwei und vier Wochen bestehen.

Eine Gürtelrose sollte am besten innerhalb der ersten 36 Stunden mit einem virushemmenden Mittel behandelt werden, weil sonst die Gefahr besteht, dass sie chronisch verläuft.

Post-Zoster-Neuralgie

Bis zu einem Drittel der Gürtelrose-Patienten klagen auch nach Abklingen des Ausschlags noch über starke Schmerzen und Beschwerden. Diese Beschwerden können Monate, ja sogar Jahre andauern und werden als Post-Zoster-Neuralgie bezeichnet. Sie muss häufig von einem Neurologen aufwändig behandelt werden.

Neue Impfung gegen Gürtelrose

Seit vergangenem Jahr gibt es einen neuen hochwirksamen Impfstoff gegen das Herpes-Zoster-Virus. Er kombiniert ein Virus-Antigen mit einem Wirkstoffverstärker und bietet ersten Studien zufolge einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor einer Gürtelrose. Der neue Impfstoff ist damit deutlich wirksamer als die seit 2013 erhältliche Impfung mit einem Lebendimpfstoff, die im Schnitt nur jeden zweiten Patienten schützte.

Keine Kassenleistung, aber nachfragen kann sich lohnen

Seit Dezember ist die neue Herpes-Zoster-Impfung nun von der Ständigen Impfkommission offiziell empfohlen. Allerdings gehört sie damit nicht automatisch zu den Pflichtleistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Die Kosten von rund 300 Euro für die beiden notwendigen Impfungen müssen die Patienten daher noch meist selbst zahlen. Einige Kassen übernehmen jedoch die Kosten nach Einzelfallprüfung, daher lohnt sich ein Nachfragen bei der zuständigen Krankenkasse!

Wer sollte sich impfen lassen?

Experten empfehlen die neue Impfung vor allem für ältere Menschen, Menschen mit einem schwachen Immunsystem oder solche, die immunschwächende Medikamente nehmen müssen.

Herpes simplex – was hilft?

Ebenso verbreitet wie das Herpes Zoster-Virus ist das Herpes Simplex-Virus. Mehr als 90 Prozent aller Menschen tragen es in sich. Bei einigen verursacht es in unregelmäßigen Abständen unschöne Ausbrüche an der Lippe.

Dagegen gibt es in den Apotheken und Drogerien allerlei Hilfsmittel zu kaufen. "Leider helfen die meisten nur mit Einschränkungen gut", sagt die Hautärztin Dr. Marion Krakor

Geöffnete Salbentube.
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Virostatische Salben:
Zovirax oder Aciclovir aufzutragen, bringt nur dann etwas, wenn man es bei den allerersten Anzeichen tut. Dann kann der Ausbruch etwas abgemildert werden. Sind die Bläschen schon zu sehen, bringt die Salbe nichts mehr.

Lippen-Patches:
Kleine, runde, durchsichtige Aufkleber sollen den Herpes luftdicht verschließen und den Heilungsprozess beschleunigen. Nach Ansicht der Hautärztin sind die Aufkleber nicht sehr hilfreich. Vielmehr bestehe die Gefahr, die betroffene Region beim Abziehen der Patches weiter zu verletzen.

Hitze-Stifte:
Sie werden an die betroffene Region gehalten und erzeugen dort große Wärme. Diese kann nach Einschätzung von Dr. Krakor die Ausschüttung von Histamin und Abbauenzymen beeinflussen und somit die Entzündungsreaktionen dämpfen.

Kälte-Behandlung:
Einen Eiswürfel an die betroffene Stelle halten. Da die Viren kälteempfindlich sind, geht die Expertin auch hier von einer gewissen Wirkung aus.

Immunstärkende Behandlung:
Auch mit der Injektion des Präparats Beriglobin hat Dr. Krakor gute Erfahrungen gemacht. Es ist ein Immunglobulin, welches eingesetzt wird zur Unterstützung der Immunabwehr bei immunsupprimierten Patienten, etwa bei HIV oder bei Immunmangel-Krankheiten. Diesen Wirkstoff wendet die Leipziger Ärztin außerhalb der zugelassenen Indikationen, welche im Beipackzettel stehen, an. "Wir haben gute Erfahrung mit deutlichem Rückgang der Herpes-Aktivität nach Injektion von fünf Milliliter Beriglobin einmal jährlich gemacht", sagt Dr. Krakor. Zugleich bittet sie jeden herpesgeplagten Patienten eine mögliche Beriglobin-Injektion, deren Kosten der Patient selbst tragen muss, mit seinem Hausarzt zu diskutieren.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 17. Januar 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2019, 09:59 Uhr