Auf einem Teller ist aus Scrabble-Buchstaben das Wort 'Diabetes' gelegt.
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Diabetes mellitus Ist Diabetes heilbar?

In Deutschland leben etwa 6,5 Millionen Menschen mit Diabetes mellitus. Rund 95 Prozent leiden am Typ 2, dem sogenannten Altersdiabetes. Jahrzehntelang wurde ihnen von ihren Ärzten eingeimpft, dass diese Krankheit unheilbar ist. Professor Stephan Martin aus Düsseldorf ist einer der ersten Diabetologen, der diese scheinbare Doktrin hinterfragt. Er ist sich sicher: Diabetes ist heilbar!

von Claudia Hempel

Auf einem Teller ist aus Scrabble-Buchstaben das Wort 'Diabetes' gelegt.
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Der Düsseldorfer Diabetologe Professor Stephan Martin hatte Zweifel an der Unheilbarkeit von Diabetes. In einer Studie wollte er herausfinden, ob seine Annahme stimmt. Jeder Teilnehmer bekam einen Schrittzähler mit der Aufgabe, täglich 10.000 Schritte zu gehen. Außerdem gab es eine Waage, um sich jeden Tag zu wiegen, und ein Blutzuckermessgerät. Alles war per Internet verbunden, damit die Daten zum Team von Professor Martin geschickt und dort individuell ausgewertet werden konnten. Doch das war noch nicht alles: Alle Teilnehmer bekamen einen persönlichen Telefon-Coach, der nicht nur die Daten auswertete, sondern die Patienten auch motivierte.

Spaziergang Barfuß am Strand
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Außerdem musste natürlich die Ernährung umgestellt werden: hin zu viel Proteinen und wenig Kohlehydraten. Warum das im Rahmen der Studie gut gelungen ist, erklärt Prof. Martin folgendermaßen: "Wenn die Patienten nach zwei bis drei Tagen sehen, wie die Blutzuckerwerte dramatisch abfallen, dann ist das eine Motivation und dann brauchen wir auch gar nicht mehr über Ernährung reden, dann wissen die Patienten, es liegt an der Ernährung. Wichtig ist es dann, dass man die Personen nach und nach in eine vernünftige Ernährung reinbringt. Da ist das wichtige Konzept, was wir nutzen, Low Carb, also wenig Kohlehydrate."

Die Bilanz der Studie: 90 Prozent der Teilnehmer haben extrem abgenommen – und sie brauchen kaum noch Insulin! Das Ziel ist, dass sie gar keins mehr brauchen.

Diabetes-Chip unter der Haut

Die Uniklinik Jena arbeitet seit kurzem mit einem Hautsensor für Diabeteskranke.
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Anfang des Jahres fand an der Uniklinik Jena eine kleine Revolution für Diabetiker statt. Mediziner haben erstmals einem Diabetespatienten einen Chip zur Blutzuckermessung implantiert. Dieser Chip ist neu entwickelt und weltweit erst bei wenigen Patienten im Einsatz. Ein Sensor kann unter der Haut eine Unterzuckerung erkennen und per Vibration auf den drohenden Kollaps aufmerksam machen.

Vor allem für Typ 1-Diabetiker ist das wichtig. Tino Wagner ist einer von ihnen. Seit acht Jahren leidet der 35-Jährige unter Diabetes. Wie fast alle Typ-1-Diabetiker nimmt auch er die Anzeichen einer Unterzuckerung nach Jahren der Erkrankung oft nicht mehr oder nicht rechtzeitig wahr: "Es war wirklich oft so, dass es mir von einer auf die andere Minute richtig schlecht ging, so schlecht, dass ich kaum noch um Hilfe rufen konnte."

Bis vor kurzem bedeutete das für ihn die permanente Messung seines Blutzuckerspiegels, beim Sport, vor dem Essen, immer und immer wieder. Zehnmal täglich oder häufiger waren der leidige Pieks in den Finger und der Blutstropfen auf dem Teststreifen fällig. Doch seit einigen Monaten muss er sich um seinen Blutzuckerspiegel keinen Kopf mehr machen, weil unter seiner Haut jetzt der Mini-Chip steckt. Dieser sendet automatisch Daten zu einer App, die ihn sofort erinnert, wann er essen oder sich spritzen lassen muss. Verbunden sind Chip und App mittels Bluetooth.

Warum Bauchfett so gefährlich ist

Ein übergewichtiges Paar liegt auf Sonnenliegen in einem Park.
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Wer Übergewicht hat, läuft Gefahr, zuckerkrank zu werden. Dabei geht es aber nicht nur um den Speck, den man von außen sieht. Der ist nur ein Hinweis auf ein Fett, welches viel gefährlicher und nicht so offensichtlich ist: Bauchfett oder viszerales Fett, wie die Mediziner sagen. Dieses umschlingt die Organe: den Darm, die Leber, die Niere, das Herz. Es produziert Hormone, die im Körper Entzündungen auslösen und weitere Gefäße schädigen können. Die Botenstoffe steigern außerdem den Appetit und sorgen dafür, dass die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin ausschüttet. Weil das Insulin aber mästend wirkt, legt der Körper unter seinem Einfluss neue Fettreserven an.

Drei Ernährungsirrtümer, die gefährlich für Diabetiker sind

1. Viele kleine Mahlzeiten am Tag sind besser als drei große.
Das ist falsch. Gerade Diabetiker sollten regelmäßig drei Mahlzeiten pro Tag zu sich nehmen. Nach jeder Mahlzeit steigt der Blutzucker an, je weniger das passiert, umso besser. Daher ist es auch günstig, das Mittagessen und ein kleines Stück Kuchen oder einen Keks unmittelbar hintereinander einzunehmen und keine Pause zwischen Mittag und Kaffeetrinken zu machen. Noch besser wäre es natürlich, das Süße am Nachmittag ganz wegzulassen.

2. Fett macht dick, also lieber fettarm essen.
Das ist falsch. Gerade pflanzliche Fette liefern wertvolle mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Dazu ist Fett ein wertvoller Energielieferant und Geschmacksträger. Dabei sind pflanzliche Fette für den Körper besser als tierische. Trotzdem dürfen auch Butter oder Sahne in kleinen Mengen genossen werden. Achten Sie auf hochwertige Butter, denn das Fettsäuremuster von Kuhmilch und ihren Produkten ist durch die Gras- oder Heufütterung Omega-3 reicher als bei anderen Fütterungsarten.

In der industriellen Lebensmittelproduktion wird fettarmen Produkten oft durch zusätzlichen Zucker der fehlende Geschmack wieder gegeben. Daher Finger weg von Produkten, die damit werben, besonders fettarm zu sein!

3. Zucker macht Zucker.
Das ist falsch. Zwar lassen zuckerhaltige Lebensmittel den Blutzuckerspiegel extrem ansteigen. Doch auch jede andere kohlehydratreiche Ernährung tut das. Daher sind Nudeln, Pommes und Burger genauso einflussreich auf den Blutzucker wie Gummibärchen, Lakritze oder Bonbons.

Die Grundregel der Ernährung für Diabetiker lautet daher: Viele Proteine und hochwertige Fette, wenig Kohlenhydrate! Ein Spiegelei in der Pfanne ist darum dem Marmeladenbrötchen am Morgen überlegen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 19. April 2018 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2018, 08:36 Uhr