Heiße Tage Wie viel Hitze der Körper aushalten kann

Es wird heiß an diesem Wochenende, sehr heiß. Temperaturen von weit über 30 Grad Celsius dürften uns ganz schön ins Schwitzen bringen. Doch das ist gut so, denn der Schweiß sorgt dafür, dass wir die Hitze besser überstehen. Bei trockener Luft können Menschen sogar Temperaturen von jenseits der 40-Grad-Marke aushalten – zumindest, wenn sie gesund und fit sind.

Eine Frau mit Wasserflasche wischt sich die Stirn
Durch das Schwitzen kühlt sich der Körper selbst. Bildrechte: Colourbox

Wenn es heiß wird, ist in der Notaufnahme der Uniklinik Leipzig viel los. Rund 100 Patienten würden an einem normalen Tag im Juli oder August aufgenommen, sagt Oberärztin Alexandra Ramshorn-Zimmer, die in der Notaufnahme arbeitet.

Schuld sei die Hitze, die den Menschen meist indirekt zu schaffen mache. Direkte Hitzeauswirkungen bei den Patienten habe man selten, beispielsweise Patienten mit Sonnenstich. "Aber wir haben natürlich immer mal wieder Kreislaufkollaps-Ereignisse oder chronische Erkrankungen wie beispielsweise Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz". Also Erkrankungen, die sich im Zuge der klimatischen Bedingungen noch zusätzlich verschlechtern", erklärt Ramshorn-Zimmer.

Wer schwitzt, der kühlt seinen Körper

Bei Hitze steigt unsere Körpertemperatur. Alles über 38 Grad Celsius ist gefährlich für einen normalen, gesunden Menschen. Dann greift unser Körper ein und versucht zu kühlen. Und das tut er vor allem durch Schwitzen. Wer schwitzt, auf dessen Haut verdunstet Flüssigkeit. Damit wird dem Körper Wärme entzogen. Zugleich entsteht Verdunstungskälte. Der feuchte Film aus Schweiß kühlt die Haut also angenehm ab.

Das hat aber seine Grenzen. Der menschliche Körper kann im Schnitt pro Stunde maximal zwei Liter ausschwitzen. Daher sei es wichtig, viel zu trinken, betont Alexandra Ramshorn-Zimmer: "Es ist wichtig, auf einen adäquaten Flüssigkeitshaushalt zu achten, also eine Flüssigkeitszufuhr von mindestens zwei bis drei Litern pro Tag zu gewährleisten."

Bei trockener Luft sind bis zu 46 Grad erträglich

Das funktioniert jedoch nicht immer. Ist die Umgebung sehr feucht, kann der Schweiß auf der Haut nicht mehr verdunsten. Dann droht ein Hitzestau. Wenn es schon heiß ist, sollte die Luft also besser trocken sein. Wenn das der Fall ist, könne ein Mensch dauerhaft bis zu 46 Grad Celsius aushalten, ergab eine Studie der Universität Sydney. Vorausgesetzt, er strengt sich nicht an und trinkt. Dann schütze das körpereigene Kühlsystem vor Überhitzung.

Eine weitere wichtige Voraussetzung ist Ramshorn-Zimmer zufolge, dass der Mensch fit ist. Kranke und Senioren seien bei Hitze besonders gefährdet. Gerade bei den älteren Patienten sei es so, dass sie häufiger unter vielen verschiedenen Erkrankungen litten, verschiedene Medikamente einnähmen und natürlich auch in ihrer Aufmerksamkeit gegenüber hitzeassoziierten Symptomen eingeschränkt seien: "Das bedeutet, ältere Menschen nehmen höhere Temperaturen und gesundheitliche Folgen später wahr, haben häufig etwa chronischen Schwindel und sehen das als normal an", erklärt die Ärztin. Sie merkten gar nicht, dass diese Symptome vielleicht im Zusammenhang mit den hohen Temperaturen stehen.

Schwitzen ist trainierbar

Man kann das körpereigene Kühlsystem übrigens trainieren. Wer regelmäßig Sport treibt, kann mehr schwitzen und damit seinen Körper besser kühlen. Studien zeigen, dass ein Sportler doppelt so viel schwitzen kann wie ein Nichtsportler.

Außerdem kann man seinen Körper an Hitze gewöhnen. Dann schwitzt man weniger Salz und andere Nährstoffe aus und kommt besser mit Rekordtemperaturen klar. Menschen, die regelmäßig in die Sauna gehen, können ihren Körper darauf einstellen. Und natürlich auch Menschen, die an sehr heißen Orten wohnen.

Als heißester bewohnter Ort auf der Erde gilt übrigens das Death Valley in Kalifornien mit bis zu 47 Grad. Im dortigen Nationalpark wohnen rund 400 Menschen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. August 2020 | 05:00 Uhr

2 Kommentare

LA Paul vor 23 Wochen

Schwitzen kühlt eben leider nur bei TROCKENER Hitze effektiv. In dicht bebauten Stadtlagen mit schlechter Durchlüftung - wie z.B. in der zunehmend verbauten Dresdner Innenstadt - staut sich nicht nur die Wärme, auch die Luftfeuchte (mit der darin gespeicherten Wärme) nimmt zu. Bei lang anhaltenden Hitzeperioden kann die gesättigte Luft die Verdunstung unseres Schweißes nicht mehr aufnehmen - da hilft auch kein Schwitz-Training. Übrigens sind auch Stadt-Bäume auf Dauer nicht nur hilfreich. In einer Hitzeperiode leisten sie anfänglich durch Schatten und Transpiration einen guten Beitrag zur Milderung der Hitze. Ohne wirkame Durchlüftung der Stadt trägt Transspiration der Bäume zur Schwüle bei. Diese Situation wird dann für die Menschen gefährlich, weil der Körper - ob trainiert oder nicht - die Hitze nicht mehr durch Schwitzen abgeben kann. Dresden hat einen innovativen Stadt-Plan für eine Anpassung an anhaltende Hitzeperioden ("Ökologisches Netz"), dieser wird aber nicht umgesetzt.

Hossa vor 23 Wochen

Also ich war vor ein paar Jahren im Death Valley und fand es dort bei 44 Grad im Schatten erträglich.
Da können 25 Grad im „Stau des Erzgebirges“und die dafür typische Schwüle die Pein dagegen sein