Ernährung Kohl: Wintergemüse und gesunder Alleskönner

Lange Zeit als Arme-Leute-Essen abgestempelt, erlebt Kohl derzeit eine Renaissance. Und das mit gutem Grund: Das Gemüse hat jede Menge wertvolle Inhaltsstoffe und soll selbst gegen Krebs helfen. Ganz vorn dabei ist Grünkohl.

von Cornelia Birr

geschnittener Rotkohl
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Blumenkohl, Rosenkohl, Rotkohl, Weißkohl, Wirsing: Allein in Deutschland werden über 50 Kohlarten angebaut. Ob rund oder spitz, klein oder groß: Sie alle punkten mit Mineralstoffen wie Kalzium, Kalium, Eisen und Magnesium sowie entzündungshemmenden Omega-3-Fettsäuren. Zudem ist Kohl in all seinen Variationen eine echte Vitaminbombe. Neben den Vitaminen A, B, E und K enthält das Gemüse jede Menge Vitamin C. Zum Vergleich: In 100 Gramm Weißkohl steckt die gleiche Menge wie in einem Glas Orangensaft.

Wunderwaffe gegen Krebs?

verschiedene Kohlsorten in einem Korb
Die Bitterstoffe vieler Kohlsorten können wirksam gegen Krebs sein. Bildrechte: imago images/Photocase

Studien zufolge hilft das heimische Superfood sogar gegen Krebs. Mediziner der Universität Heidelberg haben festgestellt, dass dafür jene Stoffe im Kohl verantwortlich sind, die den charakteristischen bitteren Geschmack verursachen. Diese Bitterstoffe schützen die Pflanze vor Bakterien oder Fressfeinden; im menschlichen Körper haben sie jedoch eine krebshemmende Wirkung. Speziell der Wirkstoff Sulphoraphan besiege besonders hartnäckige und resistente Tumorstammzellen, so die Forscher. Dadurch kann beispielsweise eine Chemotherapie besser wirken. Sulphoraphan, ein sekundärer Pflanzenstoff aus der Familie der Senföle, ist unter anderem in Brokkoli, Rosenkohl und Blumenkohl enthalten, aber auch in Radieschen, Meerrettich und Kohlrabi.

Lutein für die Augen

Grünkohl
Grünkohl Bildrechte: imago images / Karina Hessland

Auch Grünkohl spielt in Sachen Gesundheit in der ersten Liga. Wissenschaftler der Universität Oldenburg und Bremen fanden in dessen Blättern gleich drei medizinisch wirksame Substanzen: Glucosinolate, die gegen Krebs schützen, Flavonoide, die Cholesterin senken, und Carotinoide, die gut für die Augen sind. Forscher der Universität Jena, die den Einfluss von Kohlverzehr auf die weit verbreitete Makula-Degeneration untersuchten, konnten das bestätigen. Ursache der altersbedingten Augenkrankheit ist ein Mangel an Lutein, einem Carotinoid, das in großen Mengen in Grünkohl vorkommt. Aßen die Probanden viel davon, wirkte sich das positiv aus. "Wir konnten eindeutig zeigen, dass das, was die Patienten aufgenommen haben, im Auge ankommt", sagt Prof. Jens Dawcynski, Augenarzt in Jena. "Bei praktisch allen unseren Patienten konnten wir einen deutlichen Anstieg des Makula-Pigments zeigen. Zusätzlich sahen wir eine Stabilisierung des Krankheitsverlaufs."

Fett zugeben oder leicht garen

Welche Wirkstoffe des Grünkohls besonders zum Tragen kommen, hängt von seiner Zubereitung ab. "Wasserlösliche Inhaltsstoffe wie zum Beispiel Vitamin C können durch die Herstellung von Smoothies gut aufgenommen werden", sagt Bernd Trierweiler, Biologe am Max-Rubner-Institut (MRI), Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel. Die Bioverfügbarkeit von fettlöslichen sekundären Pflanzenstoffen wie Carotinoiden und Vitamin E hingegen könne durch Zugabe von Fett oder fetthaltigem Obst und Gemüse oder leichtes Garen verbessert werden. Zu viel des Guten gibt es dabei offenbar nicht: Wissenschaftliche Bestätigungen über eine schädigende Wirkung übermäßigen Grünkohlverzehrs lägen derzeit nicht vor, so Trierweiler. Sogar roh kann das Superfood genossen werden. Dafür empfiehlt das MRI jedoch die Biovariante. Speziell bei Grünkohl hätten Mikroorganismen, darunter auch potenziell krankheitserregende Keime, aufgrund der gekräuselten Oberfläche der Blätter viele Möglichkeiten, sich anzuheften. Zudem seien Fungizide und Pestizide aufgrund ihrer Fettlöslichkeit relativ resistent gegen einfaches Abwaschen mit Wasser.

Besser verdaulich durch Gewürze

Verschiedene Kräuter und Gewürze
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Wer seiner Gesundheit etwas Gutes tun möchte, sollte Kohl also einen festen Platz auf dem Speiseplan einräumen. Aber war da nicht noch etwas, wenn man so viel Kohl isst? Gegen Blähungen nach dem Kohlgenuss können Gewürze wie Koriander, Kreuzkümmel oder Kardamom helfen, die seit Jahrtausenden erfolgreich in der ayurvedischen Küche eingesetzt werden. Auch Fenchel, Anis und Kümmel entkrampfen den Darm. Diese Gewürze wirken allerdings am besten, wenn man die Samen in einem Mörser andrückt und anschließend als Tee aufgießt. Das wär doch was: die guten Effekte des Kohls, nur ohne Blähbauch.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 16. Januar 2020 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2020, 13:00 Uhr