Eine Frau liegt mit Bauchschmerzen auf einem Sofa.
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Erste Hilfe Was tun bei einer Lebensmittelvergiftung?

Vor allem im Sommer können Keime schnell zu einer Lebensmittelvergiftung führen. Unangenehme Symptome sind die Folge. Wie man eine Vergiftung richtig behandelt und wie man ihr vorbeugen kann, erklärt Gesundheitsexperte Dr. Thomas Dietz.

Eine Frau liegt mit Bauchschmerzen auf einem Sofa.
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Wenn Keime im Essen lauern

Es sah doch alles so köstlich und hat gemundet! Eine Lebensmittelvergiftung kommt oft heftig und bringt unangenehme Symptome mit sich. Was am Tag zuvor noch gut geschmeckt hat, kann am Tag darauf üble Bauchschmerzen bereiten und für Erbrechen, Durchfall, Fieber, Kreislaufprobleme oder Gelenkschmerzen sorgen. Die Beschwerden können bei jedem anders ausfallen.

Wer sind die Verursacher?

Ein Mann hält sich den Bauch vor Schmerzen.
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Als Verursacher kommen unterschiedlichste Bakterien, wie Salmonellen, Listerien, Escherichia coli, aber auch Viren oder Giftstoffe (z.B. aus Meeresfrüchten, Fisch) und in  giftige Pilze in Frage. Die Erreger können die verschiedenste Lebensmittel besiedeln.

Dazu Beispiele

  • Salmonellen befinden sich oft in rohem Ei, Eiprodukten (Mayonnaise, Cremes, Salaten mit Ei), Milchprodukten (Eis), rohes Fleisch, Hack oder Tartar. Aber auch in Salaten aus der Tüte sind sie manchmal nachweisbar
  • Listerien finden sich in Rohmilch, Rohmilchkäse oder rohem Fleisch
  • Campylobacter finden sich vor allem in nicht ausreichend erhitztem und durchgebratenen Geflügelfleisch oder Produkten mit rohem Ei
  • Escherichia coli können in rohem Rindfleisch, Hühnerfleisch oder Rohmilch stecken

Giftpilze, wie der Fliegenpilze und Knollenblätterpilze führen zu schweren Vergiftungen. Der Knollenblätterpilz wird leider oft mit dem Champignon verwechseln. Fisch und Meeresfrüchte können falsch und zu lange gelagert sein, so dass Bakterien eingedrungen sind.

Aber auch Viren können die Ursache von Lebensmittelvergiftungen sein. Meist sind Noroviren und Rotaviren schuld.

Was tun, wenn das Essen auf den Magen geschlagen ist?     

Halten die Symptome ungewöhnlich lange an oder sind sie besonders heftig, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Wichtig: Eine Lebensmittelvergiftung bei Babys und Kindern sollte immer ein Arzt begutachten, weil ihr Immunsystem noch nicht voll funktionsfähig ist. Keime und Giftstoffe setzen Kindern stärker zu.

Auch Senioren und Menschen mit chronischen Erkrankungen sollten dann zum Arzt gehen oder auch den Notarzt (112) rufen

Bei einer Pilzvergiftung sollte umgehend die Giftnotrufzentrale und/oder ein Notarzt kontaktiert werden. Bei einer Pilzvergiftung muss der Betroffene ins Krankenhaus.

Giftnotrufzentrale für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen Giftinformationszentrum (GGIZ)
Telefon: 0361 - 730 730
Klinikum Erfurt GmbH
Nordhäuserstr. 74
99098 Erfurt

Welche Medikamente helfen?

Medikamente bei einer Lebensmittelvergiftung wirken gegen das Erbrechen und den Durchfall. Elektrolytlösungen z.B. gegen Durchfall. Es gibt sie als Pulver zum Anrühren in der Apotheke. Bitte vor der Einnahme den Arzt oder Apotheker fragen. Antibiotika wirken nur, wenn der Auslöser der Erreger Bakterien sind, zum Beispiel Salmonellen oder Listerien.

Welche Hausmittel helfen gegen die Symptome?

Eine Klopapierrolle, auf die ein ernstes Gesicht gemalt ist
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  • Viel trinken, denn bei Durchfall und Erbrechen verliert der Körper eine Menge Flüssigkeit und Mineralien. Gut geeignet ist Wasser ohne Kohlensäure oder Kräutertees, die den Magen und Darm besänftigen. Durch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr wird der aus dem Lot geratenen Flüssigkeits- und Mineralstoffhaushalt wieder ausgeglichen. Ungeeignet: Kaffee, Cola, Alkohol und Milchprodukte
  • Wer Hunger hat, sollte etwas essen. Bitte auf leichte Kost zurückzugreifen, die den Magen nicht unnötig aufwühlt, geeignet: Weißbrot, Zwieback, Bananen oder etwas Reis.
  • Probieren kann man auch Kohletabletten bei Durchfall – die Wirksamkeit ist jedoch nicht wissenschaftlich bewiesen. Die Aktivkohle soll Giftstoffe im Darm binden und sie auf diese Weise beseitigen. Bitte beachten: Kohletabletten sollen die Wirkung anderer Medikamente abschwächen. Bitte erst den Arzt fragen.
  • Lebensmitteln die nützlichen Bakterien enthalten, sogenannte Probiotische, sollen sich positiv auf die Darmflora auswirken. Probiotische Lebensmittel gibt es z.B. als Joghurt oder Nahrungsergänzungsmittel als Kapseln oder Pulver, die probiotische Bakterienstämme enthalten. Sie sollen die "Krankmacher" verdrängen und so die Dauer des Durchfalls verkürzen.
  • Betroffene sollten sich schonen,  ausruhen und nicht körperlich anstrengen. Das Immunsystem hat schon genügend mit der Bekämpfung der Erreger oder Schadstoffe zu tun.

Lebensmittelvergiftungen im Alltag vorbeugen – so geht's!

  • Beim Einkauf von frischem Fisch, Fleisch und anderen leicht verderblichen Lebensmitteln immer auf das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) sowie das Verbrauchsdatum achten. Der beste Ratgeber ist die Nase. Falls der Geruch merkwürdig ist, die Lebensmittel besser nicht essen.
  • Schon beim Einkauf darauf achten, ob die Verpackungen unversehrt sind.
  • Keine nach außen gewölbten Konserven oder Produkte mit beschädigter Folie kaufen.
  • Lebensmittel in geschlossenen Behältern aufbewahren oder vollständig abdecken. So haben Keime weniger Chancen.
  • Obst und Gemüse vor dem Verzehr gründlich mit Wasser abwaschen. So werden  Keime, die sich womöglich auf dem Lebensmittel befinden, beseitigt.
  • Fisch und Fleisch gut vor dem Verzehr durchbraten.
  • Nie gleiche Schneidbretter für Fleisch und Salat verwenden.
  • Küchenutensilien (Messer, Gabeln, Schneidbretter, Teller) nach dem Gebrauch gut abspülen.
  • Und ganz wichtig: Gründlich die Hände waschen, bevor Speisen zubereitet werden.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 25. Juli 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Juli 2019, 18:40 Uhr