Symptome, Behandlung, Heilungschancen Leukämie: Warum Blutkrebs oft erst spät erkannt wird

In Deutschland erhält alle 15 Minuten ein Mensch die Diagnose Blutkrebs. Betroffen sind Kinder und Jugendliche, aber auch ältere Menschen. Für viele bleibt nur eine Chance zu überleben: Eine Stammzellspende. Welche Symptome die Krankheit hat, wie sie behandelt wird und wie man Spender werden kann, erklärt Experte Dr. Dietz.

Grafische Darstellung von Stammzellen
Bildrechte: IMAGO

Wie häufig ist Leukämie?

Jedes Jahr erkranken hierzulande statistisch gesehen etwa 19 von 100.000 Männern und 14 von 100.000 Frauen an Leukämie. Das hat die Deutsche Krebshilfe ermittelt. Die Diagnose Leukämie erhalten insgesamt 13.700 Menschen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt für Männer bei 71, bei Frauen bei 73 Jahren.

Wenn das Blut an Krebs erkrankt

Zu einer Leukämie, umgangssprachlich Blutkrebs, kommt es, wenn eine der gebildeten Vorläuferzellen eine bestimmte Mutation, einen Gendefekt, aufweist. Diese fehlerhaften Blutzellen können bewirken, dass die Zelle nicht völlig ausreift und sich dadurch immer wieder teilen kann. Kommt durch die vielen Mutationen noch ein Wachstumsvorteil hinzu, verdrängen diese kranken Zellen auf Dauer die gesunden.

Diese Zellen sind so unreif, dass sie ihre eigentliche Arbeit nicht verrichten können, also völlig nutzlos sind. Mit der Zeit werden sie immer mehr und verdrängen das gesunde Blut. Das Blut kann seine Funktionen nicht mehr richtig ausüben. Eine Leukämie ist entstanden.

Welche Symptome treten bei Leukämie auf?

Besonders gefährlich macht Leukämie, dass sie häufig erst spät erkannt wird. Denn die Symptome der Krankheit erscheinen oft erst harmlos, werden als Anzeichen einer Erkältung fehlgedeutet oder mit anderen Krankheiten in Verbindung gebracht. Zu den typischen Symptomen zählen:

  • Ständige Müdigkeit, Schwäche, Kurzatmigkeit
  • Fieber, nächtliches Schwitzen
  • Neigung zu Infekten, die immer wieder kommen
  • Blutungsneigung, schnell blaue Flecken, punktförmige Hautblutungen (Petechien), Nasenblutungen
  • Druckgefühl im Oberbauch
  • Knochen- und Gelenkschmerzen

Im Zweifel gilt daher bei längerem Auftreten, die Anzeichen vom Arzt abklären lassen.

Wie wird Blutkrebs behandelt?

Blutproben in einem Labor
Bildrechte: imago/Gustavo Alabiso

Die Therapien richten sich nach der genauen Form der Leukämie. Die Behandlung kann deshalb sehr unterschiedlich ablaufen und unterschiedlich lange dauern.

Je nach Fall kommt zum Beispiel eine Strahlen- oder Chemotherapie zum Einsatz, spezielle Medikamente und unter Umständen eine Blutstammzell-Transplantation infrage – nämlich dann, wenn die Strahlen- oder chemotherapeutische Behandlung keinen ausreichenden Erfolg hat oder wenn es zu einem Rückfall kommt. Dann ist eine Übertragung (Transplantation) von Knochenmark- oder Blutstammzellen oft die einzige Chance für die betroffenen Patienten, geheilt zu werden.

Beste Chance: Die Stammzellenspende

Die Stammzellen können direkt aus dem Knochenmark oder aus dem Blut des Patienten oder eines Spenders gewonnen werden. Benötigt ein Patient einen Spender, erkundigen sich seine Ärzte beim "Zentralen Knochenmarkspender-Register" in Ulm, in dem die grundlegenden Informationen über alle möglichen Spender zusammengefasst sind. Innerhalb Deutschlands kann es auf Daten von über sechs Millionen Spendern zugreifen, weltweit über 22 Millionen.

Ratgeber

Hilfe bei Leukämie Stammzellenspender werden – wie geht das?

Jedes Jahr erkranken fast 14.000 Menschen in Deutschland an Leukämie. Vielen Betroffenen kann durch die Übertragung von Stammzellen geholfen werden. Doch wer darf spenden und wie wird man Spender?

Junge Frau spendet Blut
Typisierung bei der Blutspende Bei Blutspendeterminen können auch geringe Mengen (ca. 2 ml) für eine Typisierung abgenommen werden. Die Daten werden dann in einer Datenbank für Stammzellspender erfasst. Bildrechte: imago images / Panthermedia / Lightpoet
Junge Frau spendet Blut
Typisierung bei der Blutspende Bei Blutspendeterminen können auch geringe Mengen (ca. 2 ml) für eine Typisierung abgenommen werden. Die Daten werden dann in einer Datenbank für Stammzellspender erfasst. Bildrechte: imago images / Panthermedia / Lightpoet
Mann und Frau arbeiten gemeinsam am Laptop
Alternativ: Selbst als Spender registrieren Das geht beispielsweise bei der DKMS online oder per Post. Ein paar Voraussetzungen muss ein Spender erfüllen. Bildrechte: imago images/Westend61
Ein Großmutter hält ihren Enkel auf dem Arm
Voraussetzung: Das richtige Alter Spenden darf nur, wer zwischen 18 und 60 Jahre alt ist. Registrieren darf man sich zwischen 17 und 55 Jahren. Bildrechte: IMAGO
Waage und Maßband liegen nebeneinander
Voraussetzung: Das richtige Gewicht Um eine Aufnahme in die Kartei müssen Sie über 50 Kilo wiegen. Starkes Übergewicht ist allerdings auch nicht erlaubt. Für Spender gilt ein Body-Mass-Index von 40 als Obergrenze. Bildrechte: imago/imagebroker
Frau liegt krank im Bett
Vorraussetzung: Gesundheit Bestimmte Erkrankungen machen eine Spende unmöglich, z.B. schwere neurologische oder psychische Erkrankung, systemische Autoimmunerkrankungen oder auch Krebserkrankung - selbst in ausgeheiltem zustand. Bildrechte: imago/photothek
Mit einem Wattestäbchen wird bei einem Mann eine Speichelprobe genommen
Mundschleimhautset anfordern Wenn alles passt, kommt das Set für den Abstrich einige Tage nach der Registrierung mit einer Anleitung und einer Einverständniserklärung per Post. Der Abstrich muss zurück an die Einrichtung. Dann sind Sie registriert. Bildrechte: imago images / teutopress
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Ratgeber

Mit einem Wattestäbchen wird bei einem Mann eine Speichelprobe genommen
6. Mundschleimhautset anfordern Wenn alles passt, kommt das Set für den Abstrich einige Tage nach der Registrierung mit einer Anleitung und einer Einverständniserklärung per Post. Der Abstrich muss zurück an die Einrichtung. Dann sind Sie registriert. Bildrechte: imago images / teutopress

Welche Heilungschancen haben Blutkrebs-Patienten?

Bei einer erfolgreichen Stammzelltransplantation übernehmen diese Zellen nach wenigen Wochen die Aufgabe, gesunde Blutzellen zu bilden. Wie hoch die Überlebenschance des Patienten ist, hängt dennoch von vielen verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel von der Art der Leukämie, anderen Erkrankungen und dem Alter des Kranken.

Weitere Informationen zum Thema

Deutsches Krebsinformationszentrum, Krebsinformationsdienst, kostenlose Hotline: 0800 420 30 40, täglich von 8 bis 20 Uhr, krebsinformationsdienst.de

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 05. Dezember 2019 | 17:00 Uhr