Listerien
Die Listerien-Bakterien sehen unter dem Mikroskop aus, wie kleine, rote Würmer und können zum Tod führen. Bildrechte: imago/StockTrek Images

Bakterien in Lebensmitteln Listerien-Gefahr auch in Sachsen?

In der vergangenen Woche haben zwei Todesfälle in Hessen für Aufmerksamkeit gesorgt – zwei Menschen waren gestorben, weil sie sich mit Listerien infiziert hatten. Das sind Bakterien, die über Lebensmittel übertragen werden können. Kontrolleure konnten einen Zusammenhang zu Produkten der Wurstfabrik Wilke in Hessen herstellen. Die Fabrik wurde inzwischen geschlossen. Anlass für uns zu schauen – wie sicher ist man in Sachsen?

von Ine Dippmann, MDR AKTUELL

Listerien
Die Listerien-Bakterien sehen unter dem Mikroskop aus, wie kleine, rote Würmer und können zum Tod führen. Bildrechte: imago/StockTrek Images

In Sachsen ist ein Mensch durch die Bakterien erkrankt, mit denen die Wurstfabrik Wilke offenbar verunreinigt wurde. Das hat das Sächsische Sozialministerium bestätigt. Es beruft sich auf Untersuchungen des Bundesinstituts für Risikobewertung und des Robert-Koch-Instituts. Diese ordnen den Fall dem sogenannten Listeriose-Cluster zu, das in Lebensmittelproben der Firma Wilke gefunden worden ist.

Derzeit läuft eine Rückrufaktion für Wurstwaren der Firma Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH & Co. KG. Der Hersteller muss alle Betriebe, die er beliefert hat, informieren. Diese müssen die Produkte aus dem Sortiment nehmen. Die Rückrufaktion wird in Sachsen durch das Sozialministerium koordiniert. Das Ministerium teilte auf MDR-Anfrage schriftlich mit:

Die sächsischen Lebensmittelüberwachungs- und Veterinärämter vor Ort haben (durch das Sozialministerium über die Landesdirektion Sachsen (LDS)) den Auftrag erhalten, umgehend Rückrufkontrollen in den belieferten Betrieben durchzuführen.

Sächsisches Sozialministerium

Information zum Bekanntsein des Rückrufes, Vorhandensein der angeschuldeten Waren inklusive bereits eingeleiteter Maßnahmen durch die Betriebe, wie beispielsweise Sperrung der Waren, würden erfasst und der Landesdirektion als Fachaufsichtsbehörde übermittelt.

Infektion kann tödlich enden

Listerien kommen überall in der Umwelt vor. Sie werden auf vielen tierischen Lebensmitteln nachgewiesen, zum Beispiel auf Geflügel, Fleisch, Rohwurst und Hackepeter aber auch auf Räucherfisch und Rohmilchkäse. Nicht selten finden Lebensmittelkontrolleure Listerien auch auf vorgeschnittenen Salaten.

Packung Hackepeter
Listerien kommen in vielen tierischen Produkten vor, wie auch in Hackepeter. Bildrechte: Gut Erkenloh Fleischvertriebs GmbH

Ab 100 koloniebildenden Einheiten pro Gramm Lebensmittel gelten Listerien bestimmter Stämme als Gesundheitsrisiko. Erwachsene mit einem guten Immunsystem erkranken entweder nicht oder bekommen grippeähnliche Symptome. Gefährlich sind Listerien für Kinder, Schwangere, alte Menschen und solche, deren Immunsystem geschwächt ist. Bei ihnen können die Bakterien schwere Krankheitsverläufe auslösen, die häufig tödlich verlaufen.

Laut dem Bericht der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen Sachsen wurden im ersten Quartal 2019 in Sachsen 16 Fälle von Listeriosen erfasst, 3 Menschen starben. Erkrankungen, die von Listerien hervorgerufen werden, kommen in Deutschland ungefähr so häufig vor wie Masern. In Sachsen wurden im vergangenen Jahr 54 Fälle gemeldet, 77 im Jahr zuvor.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Um die Verbraucher zu schützen, prüfen sächsische Lebensmittelüberwachungs- und Veterinärämter insbesondere lebensmittelverarbeitende Betriebe, heißt es aus dem zuständigen Sozialministerium. Um die Betriebshygiene zu sichern, würden Proben durch die Betriebe selbst sowie durch die Behörden genommen.

Auch Anbieter von Gemeinschaftsverpflegung wie Kantinen werden kontrolliert. Darüber hinaus werde das amtliche Kontrollpersonal in Sachsen im Umgang mit dem Ausbruch von Erkrankungen geschult, um schnell und erfolgreich die Ursachen beseitigen zu können, heißt es aus dem Sächsischen Sozialministerium. 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Oktober 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Oktober 2019, 05:00 Uhr