Lymphsystem einer Frau
Das Lymphsystem (hier grün dargestellt). Bildrechte: IMAGO

Lymphsystem So bringen Sie Ihre Lymphe in Fluss

In unserem Körper gibt es neben dem Blutkreislauf ein weiteres System, das Lymphsystem. Das parallel verlaufende System transportiert täglich etwa zwei Liter Gewebeflüssigkeit, die sogenannte Lymphe. Dieses System fungiert gewissermaßen als Müllabfuhr unseres Körpers. Funktioniert es nicht richtig, bilden sich Flüssigkeitsansammlungen. Und Lymph-Ödeme sind alles andere als harmlose Schwellungen. Wie Sie Ihren Lymphfluss in Schwung halten, verrät Dr. Thomas Dietz.

Lymphsystem einer Frau
Das Lymphsystem (hier grün dargestellt). Bildrechte: IMAGO

Nicht nur Blut fließt durch unseren Körper, sondern noch eine andere Flüssigkeit – die Lymphe, das Lymphsystem. Etwa zwei Liter Gewebeflüssigkeit, die sogenannte Lymphe, transportiert das Lymphsystem täglich. Im Gegensatz zum Blutkreislauf, ist das Lymphsystem nicht geschlossen. An seinen feinsten Verästelungen, sammelt es Gefäßflüssigkeit ein.

Rund 600 Lymphknoten verbinden die Lymphbahnen miteinander. In ihnen wird die Lymphflüssigkeit gereinigt. Darin enthaltene Viren, Bakterien oder Zellreste werden zerstört. Deshalb ist das Lymphsystem quasi die Müllabfuhr unseres Körpers. Funktioniert dieses System nicht richtig, bilden sich Flüssigkeitsansammlungen, sogenannte Lymph-Ödeme.

Sie treten am häufigsten an Armen und Beinen auf, die dann anschwellen. Das kann man mit einer Art Stau vergleichen. 

Manuelle Therapie: Lymphdrainage

Helfen kann eine sogenannte Lymphdrainage. Dabei aktiviert ein dafür ausgebildeter Physiotherapeut mit sanften Griffen den gesunden Bereich im Oberkörper und die verschiedenen Lymphbahnen. Flüssigkeitsansammlungen werden so zum Oberkörper transportiert. Hier fließt die Lymphe entweder zurück in den Blutkreislauf oder wird von den Nieren ausgeschieden. Am Ende muss das betroffene Bein fest gewickelt werden, um den therapeutischen Effekt zu erhalten.

Woran erkennt man ein Lymph-Ödem?

Ödeme verursachen erstmal keine Schmerzen und deshalb werden sie meist nicht sofort bemerkt. Häufige Symptome bei einem Lymph-Ödem sind geschwollene Beine, insbesondere die Knöchel und spannende Unterschenkel. Am Anfang treten sie fast nur tagsüber auf und sind weich. Wird die Schwellung  nicht behandelt, lässt sie später auch nachts, im Liegen, nicht nach. Die Schwellung, das Ödem, fühlt sich dann hart an und wird immer schlimmer.

Dies liegt daran, dass es sich bei der Lymphe um ein Gemisch unterschiedlichster Stoffe handelt, von denen einige Entzündungen auslösen können.

Welche Faktoren stören noch das Gleichgewicht des Flüssigkeitsaustausches im Lymphsystem?

  • Herzschwäche: Es sinkt die Pumpleistung des Herzens, wodurch der Blutdruck abfällt. Es entsteht ein Rückstau des Blutes vor dem Herzen. Dadurch erhöht sich der Druck in den Venen, so dass Blutplasma (Wasser) über die Blutbahn ins umliegende Bindegewebe gepresst wird.
  • Nierenschwäche, Venenschwäche, Leberschwäche


Aber auch durch:

  • Bewegungsarmut: Bewegt man diese Muskeln nicht, zum Beispiel auf einem langen Flug, staut sich das Blut in den Beinvenen. Dies führt unter Umständen dazu, dass der Rückfluss der Flüssigkeit aus dem Körpergewebe in die Blutgefäße geringer ist und eine Schwellung verursacht.
  • Hitze: Während einer Heißwetterlage, dehnen sich die Blutgefäße eventuell aus. Die Blutflüssigkeit sickert dadurch leichter in das Gewebe.
  • Einnahme bestimmter Medikamente: Geläufige Arzneimittel wie Steroide, gewisse blutdrucksenkende Präparate, Antidepressiva, Hormonersatzpräparate und Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) beeinflussen die Geschwindigkeit des Flüssigkeitsaustausches im Gewebe.
  • Zu viel Salz: Wenn mehr Salz durch die Nahrung aufgenommen wird, als nötig, verdünnt der Körper die Salzkonzentration, indem er mehr Flüssigkeit einbehält und der Durst steigt.
  • Veränderungen des Hormonspiegels

Was kann gegen ein Ödem getan werden?

Eine Wasseransammlung, der eine ausgeprägte Herz-, Nieren- oder Leberschwäche zugrunde liegt, wird in der Regel ausschließlich medikamentös behandelt.

In der Selbstmedikation können unterschiedliche Maßnahmen hilfreich sein:

  • Kühlung: Ist die Flüssigkeitseinlagerung im Gewebe durch eine Entzündung hervorgerufen, so können kühle Umschläge oder Kaltkompressen hilfreich sein.
  • Hochlagern: Um Stauungen z.B. im Knöchelbereich zu verringern, den Abtransport von bereits eingelagertem Wasser zu beschleunigen, empfiehlt sich eine Hochlagerung der Beine. Für die Nacht gibt es speziellen Venenkissen.
  • Kompression: Bei schweren Beinen und Wassereinlagerungen infolge einer Venenschwäche oder Beinvenenthrombose helfen Kompressionsstrümpfe. Diese sollten so getragen werden, wie es der Arzt empfiehlt.
  • Medikamentöse Behandlung: Vorsicht! Jede Selbstmedikation bei Wassereinlagerungen im Gewebe sollte mit einem Arzt abgesprochen werden.
  • Heilpflanzen bei Wassereinlagerungen: Zur Entwässerung werden zum Beispiel Brennnessel, Birkenblätter, Ackerschachtelhalmkraut, Löwenzahn, Rosskastanie angewendet.

Mit diesen 7 Tipps bringen Sie Ihr Lymphsystem in Schwung

  1. Sport und Bewegung bringen auch Ihr Lymphsystem in Schwung, gleichen den dortigen Wasserhaushalt aus und beugen so Ödemen vor.
  2. Essen Sie viel Obst und Gemüse und vermeiden Sie alles, was zu salzig ist wie geräucherter Schinken, Wurst, Dosenfisch, fertige Nahrungsmittel und Lakritze.
  3. Ein nicht zu heißes Vollbad regt die Wasserausscheidung an. Wassertreten, Kniegüsse und Wechselduschen wirken ebenso anregend auf das Lymphsystem wie Massagen.
  4. Machen Sie auch im Sitzen Fußgymnastik: Heben und senken Sie die Füße oder lassen Sie die Füße im Gelenk kreisen.
  5. Tragen Sie nach Möglichkeit Schuhe mit flachen Absätzen.
  6. Ernähren Sie sich ausgewogen, hören Sie auf zu rauchen, und trinken Sie wenig Alkohol. Denn: Alkohol erweitert die Adern, Nikotin schadet den Gefäßen.
  7. Kontrollieren Sie Ihr Gewicht!

Und wann sollte man zum Arzt?

Gelegentlich verursachen schwere Erkrankungen auch eine leichte Schwellung der Lymphe. Sie sollten umgehend einen Arzt aufsuchen, wenn eine Beinschwellung plötzlich, schmerzhaft und langanhaltend ist.

Verhalten Sie sich ebenfalls vorsichtig, wenn sie nur in einem Bein auftritt oder wenn sie von Kurzatmigkeit, Gewichtszunahme oder einer Rötung begleitet ist. Und, sollten eine Schwellung der Lymphknoten über einen längeren Zeitraum anhalten, sollten Sie sich ebenfalls ärztlichen Rat suchen.

Dieses Thema im Programm: MDR um 4 | 21. September 2017 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. September 2018, 09:45 Uhr