Aufgeklärt Sammelt sich in Masken zu viel Kohlendioxid?

Derzeit wird in den Sozialen Netzwerken ein Bild häufig geteilt. In den Masken, die wir tragen, soll sich zu viel Kohlendioxid sammeln, was gesundheitsschädlich sein soll. Stimmt das? Wir haben zwei Lungenfachärzte gefragt. Die Antwort ist eindeutig!

Abiturienten am Gymnasium Dresden Klotzsche stehen vor Beginn der Konsultationen im Treppenhaus und tragen einen Mundschutz.
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Die Maskenpflicht, die für eine verlangsamte Ausbreitung des Coronavirus sorgen soll, gilt ab Montag in ganz Deutschland. Demnach sollen alle beim Einkaufen oder in Bussen und Bahnen einen Mund-Nasen-Schutz tragen, wie z.B. selbstgenähte Alltagsmasken.

Das soll aber gesundheitsschädlich sein, behauptet ein Bild, das in den Sozialen Netzwerken vielfach geteilt wird:

Auf weißem Hintergrund steht Text, der behauptet, Masken würden die Lunge schädigen, viel Kohlenstoffdioxid einbehalten und zur Anreicherung von Bakterien in der Lunge führen.
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Das sagt der Facharzt

Pneumologe Dr. Michael Barczok
Dr. Michael Barczok ist Lungenfacharzt in Ulm. Bildrechte: privat

Alles Quatsch, sagen die Experten. "Wenn es um die Alltagsmasken geht, die mit einer Maskenpflicht gemeint sind, ist das kein Problem, weil man will ja nur erreichen, dass der Träger grobe Partikel beim Husten oder Niesen nicht einfach in den Raum schleudert, sondern dass die sich in diesem Tuch verheddern. Auf den Gasaustausch haben diese Tücher überhaupt keinen Einfluss", sagt Pneumologe Dr. Michael Barczok.

Tücher, selbstgenähte Masken oder Schals haben immer Öffnungen, durch die die Atemluft entweichen kann. Denn: Luft sucht sich immer den Weg des geringsten Widerstands.

Bei Alltagsmasken gibt es für gesunde Menschen gar kein Problem.

Prof. Dr. med. Wolfgang Schütte
Prof. Dr. med. Wolfgang Schütte aus Halle Bildrechte: Martha-Maria Krankenhaus Halle-Dölau

Außerdem tragen wir die Masken ja nicht für eine lange Zeit. Gerade, wenn solche Alltagsmasken nur für einen kurzen Zeitraum getragen werden, etwa beim Einkaufen oder beim Weg zur Arbeit in der S-Bahn, gibt es für gesunde Menschen kein Risiko, sagt der Hallenser Lungenfacharzt Prof. Dr. Wolfgang Schütte. Auch die Infektionsgefahr ist durch eine Maske nicht erhöht. Zwar werden beim Sprechen oder Husten eventuell ansteckende Viren ausgestoßen, die sich dann in der Maske halten, aber: "Das sind ja keine Erreger, die wir nicht eh schon im Mund oder in der Lunge hatten."

Auch beim Einatmen können durch die Maske Erreger in den Rachen gelangen – im Gegensatz zu professionellen FFP2- oder FFP3-Masken. "Die haben auch das Ziel, dass ich nicht nur keine Viren abgebe, sondern dass ich auch keine Viren einatme. Und dazu muss ich dann allerdings wirklich abdichten. Und die Luft darf nur noch durch den Filter der Maske ein- oder ausgeatmet werden", erklärt Barczok.

Gefahr für Risikopatienten

Viele Patienten, die zur Risikogruppe gehören, also ein besonders hohes Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 haben, versuchen nun, FFP2 oder FFP3-Masken zu bekommen und zu tragen. Das kann gefährlich werden! Denn der Filter in der Maske führt zu einem höheren Luftwiderstand. "Das führt dazu, dass ich mehr ansaugen muss beim Ein- und Ausatmen. Das kann dann bei Menschen, die krank sind, dazu führen, dass sie ermüden in der Atmung, dass sie einfach schwerer atmen."

FFP2- oder FFP3-Masken können dazu führen, dass Menschen mit Atemwegserkrankungen beim Atmen ermüden.

Gerade Patienten mit COPD, Asthma oder anderen schweren Atemwegserkrankungen laufen dann Gefahr, an Atemkraft zu verlieren und weniger Kohlendioxid ausatmen zu können.

Deshalb sollten diese Patienten wirklich dichte Masken immer nur in Absprache mit dem Arzt tragen, betont Dr. Barczok.

Maske richtig reinigen

Viel wichtiger ist es, wiederverwendbare Masken regelmäßig zu reinigen. Durch die Atemluft wird der Stoff der Maske feucht. Bleibt die Maske zusammengedrückt liegen und kann nicht richtig trocknen, ist sie ein idealer Nährboden für Pilze und Bakterien aus der Luft.

Deshalb: Die Maske regelmäßig trocknen, am besten in der Sonne, da viele Erreger auf UV-Strahlen reagieren. Noch besser: In der Waschmaschine waschen, bei mindestens 60 Grad.

Kurz zusammengefasst: Bei der einfachen Maske gibt es für den Träger keine Gefährdung, weder bei der Sauerstoffversorgung oder durch Kohlendioxid, noch durch Keime – wenn man mit seiner Alltagsmaske in üblicher Weise umgeht.

Dieses Thema im Programm: Hauptsache Gesund | 19. März 2020 | 21:00 Uhr