Engpässe bei Medikamenten Apotheker: Neues Gesetz allein ist zu wenig

Ein neues Gesetz soll dazu beitragen, Engpässe in der Versorgung mit Medikamenten zu vermeiden. Apothekerverbänden reicht dieser Schritt nicht aus. Sie sehen Politik, Hersteller und Krankenkassen in der Pflicht.

von Kristin Hansen

Medikamentenkapsel auf leeren Blistern
Engpässe bei Medikamenten: Apotheker sehen Politik, Hersteller und Krankenkassen in der Pflicht. Bildrechte: imago/Panthermedia

Um Engpässe in der Versorgung mit Medikamenten künftig zu vermeiden, reiche das vor wenigen Tagen in Kraft getretene "Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung" nicht aus. Eine Sprecher der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände sagte dem MDR-Magazin "Hauptsache Gesund": "Es ist schwierig, die Problematik allein mit einem Gesetz zu lösen. Hier sind alle Beteiligten gefragt". Hier seien Politik, Hersteller und Krankenkassen noch stärker gefordert. Das neue Gesetz gilt seit dem 16. August.

Meldepflicht gefordert

Apotheke
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"Wir haben noch keine Erfahrungswerte, wie die pharmazeutische Industrie das Gesetz auslegen wird. Die Industrie ist schon jetzt gesetzlich verpflichtet, Lieferengpässe offenzulegen und uns Krankenhäuser zu informieren. Das machen sie aber nicht, Bußgelder gibt es ebenfalls nicht", sagte Maike Fedders. Sie ist Vorstandsmitglied der Sächsischen Landesapothekenkammer und leitet eine Krankenhausapotheke in Leipzig. Krankenkassen fordern zusätzlich eine Meldepflicht für Hersteller, damit Lieferengpässe schneller bekannt werden: "Hätten wir eine Meldepflicht, wenn Arzneimittel nicht verfügbar sind oder sogar eine verpflichtende öffentliche Listung der betroffenen Hersteller, wäre ersichtlich, wo die Verantwortlichkeit hierfür liegt", teilte der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen mit.

Eine Ursache für mögliche Lieferengpässe ist, dass mittlerweile die meisten Wirkstoffe in wenigen Betrieben in Asien hergestellt werden. Das neue Versorgungs-Gesetz soll die Transparenz der Wirkstoffhersteller bei Fertigarzneimitteln erhöhen. "Die Wahl des Wirkstoffherstellers ist eine freie unternehmerische Entscheidung der pharmazeutischen Unternehmen. Lieferengpässe lassen sich daher nicht alleine durch gesetzliche Maßnahmen ausschließen", teilte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums "Hauptsache Gesund" mit.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 29. August 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. August 2019, 15:56 Uhr