Eine Junge Frau hält sich ein Wärmekissen auf den Schultern
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Tipps zur Eigenhilfe Muskelschmerzen – Ursachen bestimmen die Therapie

Myalgie ist der medizinische Fachbegriff für Muskelschmerzen. Welche Auslöser dahinter stecken können, erklären wir hier. Zur praktischen Anwendung haben wir auch noch ein Rezept für ein Anti-Schmerzöl parat.

von Jana Olsen

Eine Junge Frau hält sich ein Wärmekissen auf den Schultern
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Häufigste Ursache: Muskelverspannungen

Muskelverspannungen sind einer der häufigsten Ursachen für Muskelschmerzen. Langes Sitzen, Gelenk- und Knochenerkrankungen wie Arthrose und Osteoporose, aber auch psychische Belastungen stressen die Muskulatur und lassen sie verhärten. Sie machen sich vor allem im Rücken, im Nacken und Schulterbereich bemerkbar und treten anfangs nur punktuell auf. Eine verspannte Muskulatur kann aber auch langfristig zu Fehlhaltungen führen und zieht dann wie ein Dominoeffekt weitere Verspannungen nach sich.

Plötzliche Attacken: Muskelkrämpfe

Frau liegt im Bett und massiert sich die Wade.
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Muskelkrämpfe treten plötzlich und meist nachts auf. Besonders häufig sind Füße und Waden betroffen. Im Akutfall hilft schnelles Aufstehen und Dehnen der Wadenmuskulatur. Die Schmerzen sind kurz und heftig, je nach Krampfdauer können sie aber auch länger anhalten. Im höheren Alter entstehen Muskelkrämpfe häufig durch eine zu geringe Trinkmenge, Medikamentennebenwirkungen oder Durchblutungsstörungen. Häufig ist auch eine überlastete Muskulatur oder ein gestörter Mineralstoffhaushalt Ursache.

Wer bei Muskelkrämpfen jedoch zuerst an Magnesiummangel denkt, liegt nicht ganz richtig. Denn es kommt noch auf zwei weitere Mineralstoffe an: Kalzium und Kalium. Magnesium ist für die Entspannung des Muskels zuständig. Kalzium ist für die Kontraktion, also die Anspannung des Muskels, wichtig. Und Kalium fungiert quasi als Türöffner für Magnesium, mit dessen Hilfe es besser in die Zelle hineingelangt. Besteht ein Mangel an Kalium und Kalzium, kann es sein, dass man auch bei ausreichender Magnesiumversorgung an Muskelkrämpfen leidet. Wichtig ist also, dass alle drei Mineralstoffe in einem optimalen Verhältnis im Körper vorliegen. Eine Blutuntersuchung beim Hausarzt gibt Aufschluss über seine Werte.

Muskelschmerzen durch Medikamente

Verschiedene Pillen und Tabletten liegen auf einem Teller.
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Medikamente können ebenfalls Muskelschmerzen verursachen. Möglich ist das beispielsweise bei Statinen, die als Cholesterinsenker eingesetzt werden. Tritt eine solche Nebenwirkung auf, ist es möglich, auf ein anderes Statin zurückzugreifen, das man besser verträgt. Es gibt sieben verschiedene Statine. Sie haben alle eine ähnliche Wirkung, aber machen unterschiedliche Nebenwirkungen. Auch einige Antibiotika aus der Gruppe der Penicilline können Muskelschmerzen verursachen. Zudem lösen einige Diuretika, die unter anderem bei Herzschwäche verordnet werden, solche Beschwerden aus. Prüfen Sie den Beipackzettel Ihrer Medikamente und sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, wenn Sie einen solchen Verdacht haben.

Muskelkater, Prellung, Bluterguss, Muskelfaserriss

Verletzungen sind ein häufiger Grund für Muskelschmerzen. Muskelkater ist die harmloseste Form, verursacht von Mikroverletzungen durch ungewohnte körperliche Belastung. Nach wenigen Tagen klingen diese wieder ab. Prellungen und die häufig damit einhergehenden Schwellungen und Blutergüsse können starke Muskelschmerzen machen, klingen aber auch nach einigen Tagen oder Wochen ab. Ein Muskelfaserriss kann dagegen langwierig Probleme bereiten und sollte deshalb auch von einem Arzt untersucht und behandelt werden.

Infektionskrankheiten

Infektionskrankheiten wie eine heftige Erkältung oder eine Grippe können akute Muskelschmerzen hervorrufen. Auch Magen-Darm-Erkrankungen verursachen durch den Flüssigkeitsverlust häufig Gliederschmerzen. Mit Auskurieren der Erkrankung verschwinden in der Regel auch die Muskelbeschwerden. Nach einer Grippe kann das auch mal einige Wochen dauern.

Muskelerkrankungen

Ein Stetoskop auf einem Laptop
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Muskelerkrankungen treten in sehr unterschiedlichen Formen auf. Fibromyalgie ist hier eine häufige Erkrankung, die Muskelschmerzen am ganzen Körper macht. Mögliche Auslöser für weitere Muskelerkrankungen können Autoimmunerkrankungen, Entzündungsprozesse oder Störungen im Stoffwechsel sein. Sie bedürfen alle einer genauen Diagnose und speziell abgestimmten Therapien. Gute Ansprechpartner für solche Erkrankungen sind spezielle Muskelzentren, die es an vielen Universitätskliniken gibt.

Anti-Schmerzöl selber machen - Rezept und Wirkungsweise der Zutaten

Aromatherapeutin Tuula Misfeld aus Leipzig empfiehlt gegen Muskelschmerzen, Verspannungen oder Verstauchungen ein selbstgemachtes Aromaöl.

Zutaten:
100 ml Johanniskrautöl
10 Tropfen  Cajeput
7 Tropfen  Wacholder
5 Tropfen  Wintergrün

So wird’s gemacht:
Die Aromaöle in das Johanniskrautöl tropfen. Flasche gut verschließen und anschließend sanft hin- und herrollen, damit die Öle sich vermischen. Es bietet sich an, einen Sprayaufsatz auf der Flasche zu verwenden, da sich das Öl so großflächiger auf der Muskulatur verteilen lässt. Die Ölmischung kann ein- bis zweimal täglich auf die Haut aufgetragen werden. In einer dunklen Flasche hält sich die Ölmischung etwa ein Jahr.

So wirken die Öle:

Cajeput ist ein Baum, der wie Eukalyptus zur Familie der Myrtengewächse gehört. Er wächst vor allem in Australien und Malaysia. Für die Gewinnung des Öls werden seine Blätter verarbeitet. Das Öl wirkt entzündungshemmend und schmerzlindernd.

Wacholder hat eine lange Tradition in der Behandlung von Muskel- und Gelenkbeschwerden. Das Öl wird aus den Früchten und Zweigen der Pflanze gewonnen und wirkt entkrampfend.

Wintergrün ist eine immergrüne, krautartige Pflanze aus der Familie der Heidekrautgewächse. Hier wird das Aroma-Öl per Wasserdampfdestillation aus den Blättern gewonnen. Es fördert die Durchblutung, wirkt wärmend und lindert so Muskel- und Gelenkschmerzen.

Johanniskraut ist die Heilpflanze des Jahres 2019. Es hat eine vielfältige Anwendung. Innerlich hilft es gegen depressive Verstimmungen. Äußerlich als Öl angewendet wirkt es entzündungshemmend und durchblutungsfördernd.

Tipp:

Johanniskrautöl kann man selbst herstellen. Die gelben Blüten des Johanniskrauts werden Mitte Juni geerntet. Man gibt die frischen Blüten in ein Marmeladenglas und zerdrückt sie etwas an der Glaswand. So geben sie leichter den Wirkstoff Hypericin ab, der auch für die rote Farbe des Öls sorgt. Danach wird das Glas mit Oliven- oder Sonnenblumenöl in Bio-Qualität aufgefüllt, verschlossen und in die Sonne gestellt. Nach etwa acht Wochen ist der Wirkstoff ins Öl übergegangen, was man daran erkennen kann, dass sich das Öl rot gefärbt hat.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 16. Mai 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Mai 2019, 11:50 Uhr