Nieren in Not Nierenschwäche: Warnsignale früh genug erkennen

Die Niere filtert Giftstoffe aus dem Körper und gilt als unser eigenes Klärwerk. Doch allzuoft merken wir gar nicht, wenn sie nicht mehr richtig funktioniert. Das kann nicht nur krank machen, sondern sogar zum Tod führen! Dr. Thomas Dietz klärt auf.

Medizinische Grafik einer Niere.
Bildrechte: IMAGO

So wichtig sind Nieren für die Gesundheit

Die Nieren leisten lebenswichtige Arbeit. Sie reinigen unseren Körper von schädlichen Substanzen und regulieren Blutdruck, Wasser- und Salzhaushalt. Darüber hinaus bilden sie eine Reihe von lebenswichtigen Hormonen, die unter anderem die Blutbildung (durch Erythropoetin) und die Aufnahme von Kalzium und Phosphat aus dem Darm (so genanntes aktives Vitamin D) steuern.

Talk mit Dr. Dietz 12 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Unsere Nieren sind Hochleistungsorgane Bis zu 300 Mal pro Tag filtern sie die gesamte Blutmenge. So passieren bis zu 1.800 Liter täglich die Nieren.

All das können sie selbst noch mit eingeschränkter Nierenfunktion lange. Aber einmal zerstörtes Nierengewebe lässt sich nicht mehr reparieren.

Was sind Ursachen für Nierenerkrankungen?

Die Funktion der Nieren kann durch verschiedene Erkrankungen gestört werden. Häufige Ursachen für Nierenerkrankungen sind: Diabetes mellitus und Bluthochdruck, in der westlichen Welt sind diese "Wohlstandserkrankungen" die Hauptursachen für ein chronisches Nierenversagen.

Ratgeber

Sechs Symptome bei Nierenschwäche

Sie gilt als Klärwerk unseres Körpers: die Niere. Doch allzuoft merken wir gar nicht gleich, wenn sie nicht mehr funktioniert. Diese Symptome sollten Sie kennen.

Eine Frau lässt sich den Blutdruck messen.
1. Bluthochdruck Etwa 5 bis 10 Prozent aller Menschen mit Bluthochdruck haben eine Nierenerkrankung. Meist ist der Blutdruck der Betroffenen höher als der von Hochdruckkranken bei denen keine Krankheit die Ursache ist. Bildrechte: IMAGO
Eine Frau lässt sich den Blutdruck messen.
1. Bluthochdruck Etwa 5 bis 10 Prozent aller Menschen mit Bluthochdruck haben eine Nierenerkrankung. Meist ist der Blutdruck der Betroffenen höher als der von Hochdruckkranken bei denen keine Krankheit die Ursache ist. Bildrechte: IMAGO
Frau mit Kopfschmerzen
2. Kopfschmerz Arbeiten die Nieren nicht mehr richtig, wird auch der Kopf nicht mehr mit ausreichend Flüssigkeit versorgt. Das kann zu stechenden Kopfschmerzen führen. Bildrechte: IMAGO
Lipödem-Patientin auf einer Liege
3. Wasser in den Beinen Die zurückgehende Urinausscheidung führt zu Wassereinlagerungen im Gewebe, sogenannten Ödemen. Sie bilden sich vor allem in den Beinen. Später lagert sich das Wasser, das die kranken Nieren nicht mehr ausscheiden können, auch in anderen Organen ein, beispielsweise in der Lunge (Lungenödem), was Luftnot nach sich zieht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Frau mit juckender Haut
4. Juckende Haut Wenn die Nieren nicht mehr in der Lage sind, sämtliche Abfallstoffe aus unserem Blut zu entfernen und uns mit der richtigen Menge an Mineralstoffen zu versorgen, kann sich das negativ an unserem Hautbild bemerkbar machen. Das führt zu trockener, juckender Haut. Bildrechte: imago/Science Photo Library
Eine Toilette
5. Schaum auf dem urin Normalerweise befindet sich keinerlei oder nur sehr wenig Eiweiß im menschlichen Urin. Bei schweren Schädigungen der Niere kommt es zu massivem Auftreten von Protein – dann sehen wir Schaum auf dem Urin. Bildrechte: Colourbox.de
Ein Mann greift sich an eine schmerzende Region im Lendenbereich.
6. Nierenschmerzen Nierenschmerzen werden oft fälschlicherweise für Rückenschmerzen gehalten. Der Grund dafür ist die Lage der Nieren im oberen hinteren Bauchraum, rechts und links der Wirbelsäule. Erkrankte Nieren machen sich durch stechende Flankenschmerzen oder dumpfe Schmerzen im unteren Rücken bemerkbar. Bildrechte: Colourbox.de
Alle (6) Bilder anzeigen

Ratgeber

Frau mit Kopfschmerzen
2. Kopfschmerz Arbeiten die Nieren nicht mehr richtig, wird auch der Kopf nicht mehr mit ausreichend mit Flüssigkeit versorgt. Das kann zu stechenden Kopfschmerzen führen. Bildrechte: IMAGO

An Erkrankungen finden sich Entzündungen der Nieren (zum Beispiel Pyelonephritis oder Glomerulonephritis), Nierensteine, Tumore oder erbliche Erkrankungen wie Zystennieren, die in vielen Fällen zum kompletten Nierenversagen führen und damit für die Betroffenen mit einer hohen emotionalen Dauerbelastung einhergehen können, da bereits ein Elternteil und ein Großelternteil von der Erkrankung betroffen gewesen sein dürfte.

Mit zunehmendem Alter werden Nieren von Natur aus schwächer. Außerdem belasten Schmerzmittel und zahlreiche Erkrankungen die Entgiftungsorgane. Symptome, die auf Nierenprobleme hindeuten können, haben wir in der Bildergalerie zusammengefasst.

Wie wird eine nachlassende Nierenfunktion untersucht?

eine 3-D-Grafik der Nieren
Bildrechte: colourbox

Eine nachlassende Nierenfunktion lässt sich mit Blut- und Urinuntersuchungen erkennen: Einen wichtigen ersten Hinweis liefert der Kreatininwert im Blut. Kreatinin ist ein Abbauprodukt der Säure Kreatin, sie versorgt die Muskeln mit Energie. Es reichert sich im Blut an, wenn die Nieren nicht ausreichend arbeiten.

Der Kreatinin-Wert steigt aber erst an, wenn die Nierenfunktion bereits um mehr als 50 Prozent eingeschränkt ist. Auch eine erhöhte Eiweißausscheidung im Urin deutet auf einen Nierenschaden hin.

Wie wird eine Nierenschwäche behandelt?

Rückgängig machen lassen sich Nierenschäden meist nicht. Wird ein Nierenschaden rechtzeitig erkannt, lässt sich ein Fortschreiten oft mit Medikamenten und einer Diät bremsen.

Wer an Diabetes, Übergewicht und Bluthochdruck leidet, sollte deshalb regelmäßig die Nierenwerte überprüfen lassen. Viel Bewegung und eine gesunde Ernährung können dazu beitragen, dass sich die Erkrankungen zumindest nicht verschlimmern und dadurch einen möglichen Nierenschaden hinauszögern.

Ist die Organfunktion bereits auf weniger als zehn Prozent gesunken ist, hilft meist nur noch die künstliche Blutwäsche (Dialyse). Eine Alternative dazu bietet nur eine Nierentransplantation.

Wie kann man einem Nierenversagen vorbeugen?

  • Reduktion von Übergewicht
  • regelmäßige körperliche Betätigung
  • Reduktion des Kochsalzkonsums
  • Ernährung mit reichlich Früchten und Gemüse sowie wenig gesättigtem Fett
  • Nikotinverzicht und Reduktion des Alkoholkonsums (in erster Linie wegen der damit einhergehenden Kalorienbelastung, weniger wegen der direkten Wirkung des Alkohols auf die Nieren, in Analogie zur Leber).

Im Gegensatz zu einer weit verbreiteten Ansicht kann reichliches Trinken zwar das Risiko für Nierensteine vermindern, es verbessert aber nicht die Nierenfunktion an sich. Es gibt mittlerweile sogar Hinweise, dass das Trinken von großen Flüssigkeitsmengen das Voranschreiten chronischer Nierenkrankheiten beschleunigen kann.

Zum Schutz der Nieren ist es wohl am besten, Maß zu halten. Oder wie es in den Worten Paracelsus' heißt:

Alles ist nichts und nichts ist alles, die Dosis macht, ob ein Ding ein Gift ist.

Paracelsus

Weitere Themen

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 20. Februar 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Februar 2020, 21:14 Uhr