Alternativen zum Glimmstengel Gesundes Rauchen – gibt es das?

E-Zigaretten, Verdampfer oder nikotinfreier Tabak haben den Ruf, harmloser als die klassische Filterzigarette zu sein. Aber stimmt das auch? Wir erklären, was es bei den Alternativen zu beachten gibt.

Ein Mann dampft eine E-Zigarette.
Etwa die Hälfte aller Raucher will aufhören. Nur 20 Prozent gelingt es auch. Viele suchen daher nach Rauch-Alternativen, die gesünder sein sollen als die klassische Zigarette. Bildrechte: dpa

Dass Zigaretten ungesund sind, weiß jedes Kind. Aktuellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge sterben jedes Jahr acht Millionen Menschen an den Folgen des Rauchens. In Deutschland sind das rund 120.000 vermeidbare Todesfälle. Kein Wunder, dass immer mehr Anbieter Produkte auf den Markt bringen, die als weniger schädlich oder als Hilfe beim Abgewöhnen beworben werden. Tatsächlich scheinen viele davon auf den ersten Blick das kleinere Übel zu sein. Wie groß ihr gesundheitliches Risiko ist, wird man jedoch voraussichtlich erst in einigen Jahren wissen.

Die E-Zigarette - Ergebnisse zur Langzeitanwendung fehlen noch

Elektrische Zigaretten gelten gemeinhin als ungefährliche Alternative zu klassischen Zigaretten. "Wir wissen, dass viele Schadstoffe reduziert sind, oft um 90, 95 Prozent oder mehr“, sagt Dr. Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum. "Das heißt aber nicht automatisch, dass auch das Gesundheitsrisiko 95 Prozent weniger beträgt", erklärt die Expertin.

E-Zigaretten bestehen aus einem Akku, einem Tank und einem Verdampferkopf mit Heizspirale. Der Tank wird mit so genannten "Liquids" gespeist, die es in zahlreichen Geschmacksrichtungen, zum Beispiel Kaffee, Mango oder Sahne, gibt. Klingt interessant, ist aber problematisch, denn die Flüssigkeiten enthalten verschiedene Aromastoffe. Bei vielen ist nicht klar, was passiert, wenn sie über Jahre gedampft werden; so können zum Beispiel krebserregende Substanzen wie Formaldehyd entstehen.

Erste Forschungen legen zumindest den Verdacht nahe, dass die Nutzung von E-Zigaretten zu Genveränderungen in einzelnen Zellen führen kann. Zudem gelangen mit dem Dampf der E-Zigarette feinste Partikel bis tief in die Lunge, wo sie sich ablagern. Die Folgen könnten Husten, eine verringerte Lungenfunktion und Entzündungsprozesse sein. Enthalten die Liquids darüber hinaus Nikotin, wirkt das beim Dampfen genauso schädlich wie Nikotin in Zigaretten. "Wir wissen, dass es zu Schädigungen an den Gefäßen, Versteifung der Gefäße, klassischer koronarer Herzkrankheit, Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen und Herzschwäche kommt", berichtet Dr. Hans Klose, Pneumologe am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Harmlos sind E-Zigaretten also nicht. Wie gefährlich das Dampfen auf Dauer ist, kann jedoch heute noch niemand vorhersagen. "Die E-Zigarette ist in der Langzeitanwendung in der Lunge, in einem sensiblen, lebenswichtigen Organ, bisher nicht komplett verstanden", sagt Hans Klose. "Und das muss allen klar sein, die sie verwenden", betont er.

Die Hybrid-Zigarette - erst seit 2016 in Deutschland zugelassen

Eine Alternative sowohl zur klassischen als auch zur E-Zigarette ist die Hybrid-Zigarette, die den Tabak nicht wie beim herkömmlichen Rauchen bei einer Temperatur von 800 Grad Celsius verbrennt, sondern ihn bei ungefähr 350° Celsius verdampft. Dadurch entstehen weniger Schadstoffe. Ausgerechnet der Tabakkonzern Philipp Morris hat das Produkt unter dem Namen "IQOS" (für "I-Quit-Ordinary-Smoking", dt.: "Ich höre mit dem normalen Rauchen auf") auf den Markt gebracht.

Seit 2016 ist die Hybrid-Zigarette auch in Deutschland zugelassen. Ähnlich wie E-Zigaretten besteht sie aus einem Halter, einem Ladegerät und einem sogenannten Heat Stick. In diesen werden Tabaksticks eingeschoben. Das beim Verdampfen entstehende Gas enthalte die gleichen Substanzen wie klassische Zigaretten, nur eben in viel geringeren Mengen, verspricht der Hersteller. Das mache die Hybrid-Zigarette weniger gesundheitsschädlich als klassische Tabakprodukte. Stimmt das auch?

Eine Studie des Bundesinstituts für Risikoforschung und des Chemischen- und Veterinäruntersuchungsamtes Sigmaringen von 2018 bestätigt, dass Tabakerhitzer erheblich weniger krebserregende Stoffe erzeugen als herkömmliche Tabakprodukte. Der Nikotingehalt sei dagegen vergleichbar mit dem einer herkömmlichen Zigarette. Die gesundheitlichen Risiken, so die Forscher, müssen jedoch auf längere Sicht gründlich erforscht werden.

Die Kräuterzigarette - der etwas andere Glimmstengel

Nikotinfreie Kräuterzigaretten sollen Rauchern helfen, von den Glimmstängeln loszukommen – ausgehend von den zwei Hauptfaktoren der Zigarettenabhängigkeit: Nikotinsucht und Gewohnheit. Die klassische Zusammensetzung einer Zigarette wird durch Kräuter, wie Hibiskus oder Minze und ein wenig Tabak ersetzt. Das Prinzip: Raucher oder Raucherin brauchen nicht auf ihre Gewohnheiten verzichten, zum Kaffee etwa gibt es weiter eine Zigarette. Allerdings bekommt das Gehirn dabei kein Nikotin. Der Belohnungseffekt verschwindet, so das Konzept, das Verlangen lässt nach und der Konsum von Zigaretten reduziert sich. So weit, so gut.

In einer im Medizinjournal "The Lancet" veröffentlichten Studie von 1999 wiesen Forscher jedoch nach, dass das Rauchen von Kräuterzigaretten in etwa die gleiche Kohlenstoffmonoxid- Konzentration verursacht wie herkömmliche Zigaretten, und somit die Fähigkeit des Blutes, Sauerstoff aufzunehmen und zu transportieren gleichermaßen mindert. Zudem entsteht auch beim Verbrennen von Kräutern krebserregender Teer.

Fazit

Einige Alternativen zur traditionellen Zigarette sind scheinbar tatsächlich weniger gesundheitsschädigend. Vom "gesunden" Rauchen kann man dennoch nicht sprechen. Beim Verbrennen oder Verdampfen entstehen immer Schadstoffe oder Karzinogene (krebserregende Stoffe)  in unterschiedlicher Konzentration, die über die Atemwege aufgenommen werden. Für einige mögen die Produkte der Einstieg in den Ausstieg sein. Anderen hilft unter Umständen das Ausstiegsprogramm der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung weiter. Die gesündeste Zigarette ist und bleibt allerdings die, die man nicht raucht.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 24. Oktober 2019 | 21:00 Uhr