Poröse Knochen Osteoporose: Oft erst spät erkannt

Zirka acht Millionen Deutsche leiden an Osteoporose. Erkrankt sind hauptsächlich Frauen nach den Wechseljahren. Obwohl der Knochenschwund inzwischen zu den Volkskrankheiten gehört, wird er häufig erst sehr spät diagnostiziert. Das Problem: Je später die Diagnose, umso höher ist auch das Risiko für die gefürchteten Knochenbrüche.

von Beate Splett und Michael Kästner

Illustration - Osteoporose
Bildrechte: imago/Science Photo Library

Bei Osteoporose, im Volksmund auch Knochenschwund genannt, gerät der Knochenstoffwechsel aus dem Gleichgewicht. Eine der Hauptursachen der Osteoporose bei Frauen ist der Rückgang knochenschützender Hormone nach den Wechseljahren. Normalerweise wird Knochengewebe ständig auf- und abgebaut. Die Zellen, die Knochen aufbauen, heißen Osteoblasten. Damit der Knochen nicht unaufhörlich weiterwächst, bauen Fresszellen ab, was nicht gebraucht wird. Sie heißen Osteoklasten. Überwiegt der Abbauprozess, werden die Knochen unbemerkt immer löchriger und brüchig. Medikamente können diesen gefährlichen Abbau stoppen. Deshalb ist es wichtig, eine Osteoporose frühzeitig zu erkennen.

Therapie bei Osteoporose

Medikamente gegen Osteoporose sollen entweder den Knochenabbau verhindern oder den Knochenaufbau unterstützen. Sie wirken also entweder antiresorptiv, das heißt, sie hemmen die Aktivität der Osteoklasten, oder sie wirken osteoanabol, also knochenaufbauend. Je nachdem, wie stark der Knochenschwund schon fortgeschritten ist und wie stark die Knochendichte bereits abgenommen hat, können verschiedene Medikamente verordnet werden. Ziel ist es in jedem Fall, einen Knochenbruch zu verhindern.

Die Basistherapie bilden meist Vitamin D und Kalzium, auch wenn zusätzlich noch weitere Medikamente verschrieben werden. Kalzium ist der wichtigste Baustein unserer Knochen. Doch ohne Vitamin D kann er nicht ausreichend in die Knochen eingelagert werden. Die Dosierung sollte bei mindestens 800 bis 1000 Internationale Einheiten (IE) Vitamin D 3 pro Tag liegen.

Ist die Osteoporose schon fortgeschritten, zählen sogenannte Bisphosphonate zu den am häufigsten eingesetzten Medikamenten. Sie stehen seit etwa 30 Jahren zur Verfügung und werden in unterschiedlicher Dosierung und mit verschiedenen Wirkstoffen aus der Gruppe der Bisphosphonate verabreicht. Sie hemmen die Aktivität der knochenabbauenden Zellen, die Knochenmasse nimmt wieder zu. Bisphosphonate können bei falscher Einnahme starke Nebenwirkungen haben und zu Magen-Darm-Unverträglichkeiten und Entzündungen der Speiseröhre führen. Sie sollten deshalb morgens auf nüchternen Magen und in aufrechter Sitzposition mindestens eine halbe Stunde vor dem Frühstück eingenommen werden.

Eine weitere Wirkstoffgruppe sind SERMs (selektive Östrogen-Rezeptor-Modulatoren). Sie ahmen weibliche Hormone nach und sollen so die Knochen schützen. Auch sie hemmen die Aktivität von knochenabbauenden Zellen.

Osteoporose Knochenmodell
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Ein weiterer Wirkstoff ist die Substanz Denosumab. Sie wird als "Prolia" in Form einer Injektion halbjährlich verabreicht und versetzt die knochenabbauenden Zellen, die Osteoklasten, in eine Art Winterschlaf. Ein spezifischer Antikörper greift in den Knochenstoffwechsel ein. Somit wird der Knochenabbau während der Prolia-Therapie gehemmt und das Risiko für Knochenbrüche gesenkt. Nach Absetzen der Therapie nehmen die Osteoklasten ihre zerstörerische Arbeit jedoch wieder unvermindert auf. Innerhalb weniger Monate kann die Therapie von Jahren zunichte gemacht werden. Die Knochen sind danach in einem schlechteren Zustand als vor Beginn der Therapie. Im Anschluss an die Behandlung mit Prolia ist eine Therapie mit Bisphosphonaten über ein bis zwei Jahre deshalb dringend notwendig. Generell gilt: Bei allen medikamentösen Behandlungen ist Geduld gefragt. Die Therapie ist eine Langzeittherapie und dauert mehrere Jahre.

Der Fall: Unerkannte Osteoporose

Hannelore K. aus Dresden ahnte viele Jahre gar nicht, dass sie Osteoporose hat – bis sie sich vor drei Jahren einen Wirbel im Rücken bricht. Auch damals kommt noch niemand auf die Idee, dass ein fortschreitender Knochenabbau dahinter stecken könnte. "Wir sehen es leider auch heute immer noch in der Klinik, dass bis zu 70 Prozent der Osteoporosefälle selbst nach einer Fraktur nicht erkannt werden und entsprechend nicht diagnostiziert und nicht behandelt werden", sagt Dr. Leonore Unger, Knochenspezialistin und Leiterin des Osteoporosezentrums am Städtischen Klinikum Dresden. Erst seit wenigen Wochen ist die 76-jährige Rentnerin bei ihr in Behandlung. Dabei gab es schon früher eindeutige Warnzeichen, bei denen ihre damaligen Ärzte hätten hellhörig werden müssen. Es begann vor drei Jahren. Hannelore K. arbeitet damals viel im Garten. Weil sie schnell fertig werden will, achtet sie nicht auf den Abgrund hinter ihr. "Ich hab nicht aufgepasst. Plötzlich bin ich weggerutscht und über zwei Meter in die Tiefe gefallen. Ich hab im ersten Moment keine Luft gekriegt und habe als erstes überprüft: Was kannst Du bewegen?", erinnert sie sich bis heute. Mit dem Rettungswagen geht es in die Klinik. Dort wird im Röntgenbild ein Wirbelbruch entdeckt. "Und dann hat mich meine Ärztin gefragt, ob ich operiert oder konservativ behandelt werden will. Aber wer entscheidet sich da schon für eine OP?", erzählt die 76-Jährige. Erst im Oktober dieses Jahres folgt schließlich eine Operation, weil der Wirbel in der Zwischenzeit noch weiter eingebrochen ist. Dabei wird die längst überfällige Diagnose gestellt: Sie hat Osteoporose. Da sie schon stark fortgeschritten ist, helfen ihr jetzt nur noch Bisphosphonate. Sie sollen die Knochen ab jetzt schützen und weitere Brüche verhindern.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 28. November 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. November 2019, 13:10 Uhr