Umschau-Quicktipp Grünes Rezept: So gibt es Geld zurück

Gibt der Arzt Ihnen ein grünes Rezept, kann es teuer werden. Dann nämlich müssen Sie Ihre Medikamente selber zahlen. Doch es gibt die Chance, sich das Geld zumindest teilweise zurückzuholen. Wie Sie mit dem Grünen Rezept richtig umgehen, klären wir jetzt mit Friedemann Schmidt, Apotheker und Präsident der Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände.

Darum gibt es das grüne Rezept

Apotheke
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Bis zum Jahr 2004 gab es auf das - allseits bekannte - rosa Rezept verschreibungspflichtige Medikamente und auch Arznei aus der sogenannten Selbstmedikation, also zum Beispiel Mittel gegen Erkältung oder Schmerzen. All das zahlten die gesetzlichen Krankenkassen. Durch eine enorme Steigerung in Preis und Verbrauch dieser Medikamente explodierten die Kosten. Krankenkassen, Pharmahersteller und Apotheker entwickelten das grüne Rezept. Seitdem zahlen wir für Hustensaft, Kopfschmerztabletten, Pflaster und Co.  selbst. Rund 100 Euro pro Jahr und pro Person.

Der Sinn des grünen Rezeptes

Warum aber ein Rezept für Medikamente, die ich mir ohnehin selbst kaufen kann und bezahlen muss? Unser Experte beantwortet das so: „Sie können sich die Erkältungsmedikamente tatsächlich auch ohne Arztbesuch kaufen. Das grüne Rezept aber ist so etwas wie ein Merkzettel und ein Nachweis der sogenannten ärztlich induzierten Selbstmedikation.“ Das heißt, der Arzt hat Sie untersucht, Wechselwirkungen mit bereits anderen verordneten Medikamenten abgeschätzt und Ihnen dann das Mittel für Ihre Probleme empfohlen, inklusive einer Empfehlung zur Einnahme. Sie bekommen das Rezept inklusive Rechnungsquittung vom Apotheker wieder zurück.

Geld zurück von der Krankenkasse

Ursprünglicher Sinn des Rezeptes war der Spargedanke für die gesetzlichen Krankenkassen. Deshalb stand bis 2012 folgender Satz auf dem Rezept: „Dieses Rezept können Sie nicht zur Erstattung bei Ihrer gesetzlichen Krankenkasse einreichen.“ Inzwischen ist aber der Kostendruck der gesetzlichen Krankenkassen gesunken. Sie kämpfen auch über den Preis um ihre Mitglieder. Deshalb steht auf dem Grünen Rezept jetzt: „Dieses Rezept können Sie bei vielen gesetzlichen Krankenkassen zur Voll- oder Teilerstattung als Satzungsleistung einreichen.“

Was und wieviel von den einzelnen Krankenkassen jährlich erstattet wird, das können Sie in dieser Liste prüfen. Diese sogenannte OTC-Liste (OTC = over the counter = über den Handverkaufstisch) wird regelmäßig aktualisiert. In der Regel bekommen Sie pro Person und Jahr zwischen 50 und 100 Euro erstattet, manche Betriebskrankenkassen zahlen aber auch bis zu 400 Euro. Fragen Sie auf jeden Fall nach, wenn der Arzt Ihnen ein grünes Rezept verordnet hat. Nach einer Umfrage der Krankenkassen wissen nur rund 10 Prozent aller Patienten über diese Möglichkeit Bescheid.

Geld zurück über die Steuererklärung

Einkommensteuererklärung mit Taschenrechner
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Zahlt die Kasse Ihnen nichts oder nur einen geringen Anteil, haben Sie noch die Möglichkeit, Quittung und Rezept bei der Steuererklärung als Beleg für außergewöhnliche Belastungen einzureichen. Ob Sie was zurückbekommen, hängt von der Summe, Ihren Einkünften und Ihrer Familiensituation ab. Danach entscheidet sich, ob die Belastungen durch das Rezept noch zumutbar sind, oder ob Sie Geld zurückbekommen. Probieren sollten Sie es auf jeden Fall.

Erkältungsmedikamente ohne grünes Rezept?

Für den Fall, dass Ihnen der Arzt bei Erkältung einen Hustensaft und ein Schmerzmittel empfiehlt, Ihnen aber kein Rezept ausstellt, rät Apotheker Friedemann Schmidt: „Das handhaben die Ärzte wirklich sehr unterschiedlich. Dabei bekommen die Ärzte die Rezeptblöcke mit dem grünen Rezept kostenfrei zur Verfügung. Ich rate dazu, den Arzt einfach zu bitten, dass er ein solches Rezept ausstellt.“ Dem Arzt entstehen dadurch keine Kosten oder Mühen.

 Fazit

Mit dem grünen Rezept bekommen Sie vom Arzt eine Empfehlung für ein freiverkäufliches Medikament. Das müssen sie erstmal selber bezahlen. Heben Sie dieses Rezept und die Quittung aus der Apotheke auf. Die Kosten können Sie unter Umständen von Ihrer gesetzlichen Krankenkasse erstattet bekommen oder auch innerhalb der Steuererklärung ansetzen.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 15. August 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. August 2019, 00:10 Uhr