Umschau-Quicktipp Tipps rund um die Patientenverfügung

Wer über 18 Jahre alt ist, sollte eine Patientenverfügung anlegen. Darin lässt sich festlegen, wie die Behandlung in einer Situation aussehen soll, in der es nicht möglich ist, eigene Entscheidungen zu treffen – etwa nach einem Unfall, in Folge einer schweren Krankheit oder bei einer Demenz. Gleichzeitig entlastet die Patientenverfügung Angehörige oder Bevollmächtigte, weil sie ihnen schwierige Entscheidungen abnimmt, insbesondere zu der Frage, ob und wie lange lebenserhaltende Maßnahmen in kritischen Situationen durchgeführt werden sollen.

Ist die Patientenverfügung rechtlich bindend?

Ein illustratives Foto eines als Justitia gekleideten Frauenmodells, der römischen Göttin der Justiz und des Rechtssystems, in den Händen hält sie ein Schwert und eine Waage.
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Generell ja. Allerdings muss die Patientenverfügung konkrete, detaillierte und medizinisch aussagekräftige Formulierungen enthalten, nach denen ein Arzt handeln kann. Der Patientenwille ist für den Arzt maßgeblich und er muss diesen unter Berücksichtigung der Patientenverfügung in Absprache mit Betreuer oder Bevollmächtigtem umsetzen.

Welche Form und welchen Inhalt sollte eine Patientenverfügung haben?

Die Patientenverfügung muss schriftlich verfasst werden. Dazu gibt es auch Vordrucke von verschiedenen Anbietern. Jedoch sollte jeder individuell auf sich und seine Bedürfnisse bezogen Ergänzungen vornehmen. Diese können handschriftlich oder per Computer verfasst und auf einem Zusatzblatt beigefügt werden.

Eine Ärztin überprüft den Tropf eines Patienten
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Gesetzlich vorgeschrieben müssen Vor- und Zuname, Geburtsdatum, Anschrift, Datum, eigenhändige Unterschrift oder ein notarielles Handzeichen unbedingt enthalten sein. Ansonsten gibt es keine Vorschriften, was genau in einer Patientenverfügung stehen muss. Wichtig ist, die Inhalte so genau wie möglich zu formulieren, damit Ärzte im Ernstfall auch entsprechend der Wünsche des Patienten handeln können. Aus Sätzen wie "Ich will keine Schläuche" oder "Ich möchte nicht leiden müssen" kann der Arzt nicht entnehmen, was konkret der Patient möchte.

Die Patientenverfügung sollte deshalb detaillierte Angaben zu Wiederbelebung, künstlicher Ernährung und Flüssigkeitszufuhr, lebenserhaltenden Maßnahmen, Schmerz- und Symptombehandlung, künstlicher Beatmung, Dialyse, Antibiotika, Bluttransfusionen und Organspende enthalten.

Neben konkreten Angaben zu Behandlungswünschen kann es sinnvoll sein, auch einen kurzen Abriss persönlicher Wertevorstellungen beizufügen. Diese können hilfreich sein, wenn es Auslegungsprobleme in Bezug auf den Patientenwillen gibt.

Vordrucke und kommerzielle Angebote

Zur Erstellung von Patientenverfügungen gibt es unzählige Muster, denen unterschiedliche Konzeptionen, weltanschauliche und religiöse Überzeugungen zugrunde liegen. Wer sicher gehen will, dass seine Patientenverfügung vollumfassend das beinhaltet, was man im Ernstfall will, sollte sich bei der Erstellung fachmännisch beraten lassen.

Es gibt aber auch spezialisierte Dienstleister, die Patientenverfügungen erstellen. Das erfolgt in der Regel mit Hilfe eines umfangreichen Frage-Antwort-Systems. Darauf basierend erhält man seine persönliche Patientenverfügung. Die Kosten für eine derart erstellte Patientenverfügung liegen zwischen 29 und 39 Euro. Auch Rechtsanwälte bieten diese Dienstleistung an. Sie ist entsprechend teurer und ab 189 Euro aufwärts zu haben.

Beglaubigung, Beurkundung, Registrierung

Ein Stetoskop auf einem Laptop
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Eine notarielle Beglaubigung oder Beurkundung ist nur zwingend angebracht, wenn der Verfügende zum Zeitpunkt der Erstellung der Patientenverfügung selbst nicht mehr sprechen oder unterschreiben kann. Ansonsten ist eine notarielle Niederlegung der Patientenverfügung bzw. Registrierung bei der Bundesnotarkammer nicht notwendig - aber möglich, wenn man das möchte. Hilfreich ist es aber, die Patientenverfügung mit dem Hausarzt zu besprechen, denn der kennt die eigene Krankengeschichte am besten und kann nützliche Tipps geben.

Kann man die Patientenverfügung nachträglich ändern?

Die Patientenverfügung gilt zeitlich unbegrenzt bis auf Widerruf und kann geändert werden. Ansichten oder Wünsche, die eigene Behandlung im Notfall betreffend, können sich ändern. Ebenso gibt es regelmäßig medizinische Fortschritte. Man sollte deshalb seine Patientenverfügung circa alle zwei Jahre überprüfen, gegebenenfalls aktualisieren und das mit Datum und Unterschrift bestätigen. Wer eine komplett neue Patientenverfügung aufsetzt, sollte die alte entsorgen, damit es im Notfall nicht zur Verwirrung kommt.

Wie erfährt der Arzt von einer bestehenden Patientenverfügung?

Kugelschreiber auf Vorsorgevollmacht
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Wer eine Patientenverfügung erstellen lässt, erhält in der Regel ein Hinweiskärtchen für das Portemonnaie. Wer die Verfügung selbst schreibt, sollte einen Hinweis diesbezüglich bei sich tragen. Am besten bewahrt man Hinweis oder Kärtchen zusammen mit der Krankenversicherungskarte auf, damit die Information bei Bedarf so schnell wie möglich gefunden werden kann. In der Regel werden bei einem akuten Notfall die Angehörigen oder Bevollmächtigten verständigt, die dann den Arzt über die existierende Patientenverfügung informieren können.

Vorgesorgt werden sollte für den Fall, dass man selbst nicht mehr auf die Patientenverfügung hinweisen kann. Wer Vertreter bestimmt, muss diese mit einer entsprechenden Vollmacht ausstatten. Die so Bevollmächtigten sollten in die Lage versetzt werden, im Bedarfsfall die Patientenverfügung im Original vorzulegen.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 24. Juni 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Juni 2019, 00:10 Uhr