Umschau-Quicktipp So erkennen Sie Hautkrebs rechtzeitig

Frau mit verbranntem Rücken 1 min
Bildrechte: imago images / Science Photo Library

Von einem Sonnenbrand spricht man, wenn die Haut ihre Rotfärbung auch an einem kühlen Ort im Schatten nicht verliert. Er wird in vier Stufen der Schwere unterschieden: Bei Stufe eins bleibt die Haut rot, tut aber nicht weh. Stufe zwei ist charakterisiert von roter, schmerzender Haut. Bei der dritten Stufe haben Sie dann schon deutlich sichtbare, mit Flüssigkeit gefüllte Blasen. Von einer Nekrose spricht man bei der vierten Stufe. Dabei sind abgestorbene Zellen und deutliche Schäden an der Haut erkennbar.

Sonnenbrand vermeiden

Melanom
Schwarzer Hautkrebs ist gefährlich, weil er sich über das Lymphsystem ausbreitet. Bildrechte: imago images / CHROMORANGE

Lassen Sie es erst gar nicht zum Sonnenbrand kommen, denn neben Schmerzen bringt er auch immer eine Schädigung der Haut mit sich – und die ist nicht rückgängig zu machen. "Zellschädigungen kann der Körper in einer bestimmten Größenordnung auch noch reparieren, aber irgendwann ist das Konto eben voll", sagt Hautarzt Dr. Dietrich Barth. So erkranken rund 250.000 Menschen jedes Jahr in Deutschland an Hautkrebs. Etwa 20 Prozent davon bekommen den gefährlichen Schwarzen Hautkrebs, auch Malignes Melanom genannt. Wird diese Krebsart sehr früh diagnostiziert, kann man den noch oberflächlichen Tumor leicht aus der Haut schneiden. Hat der Krebs aber erstmal über das Lymphsystem Metastasen gestreut, bleiben den Betroffenen trotz Operation und Chemotherapie oft nur noch wenige Monate zu leben. Neue Therapien für das Immunsystem geben zwar Hoffnung, bedeuten im Moment aber lediglich eine verlängerte Lebenszeit von einigen Monaten bis zu gut einem Jahr.

Weißer oder Heller Hautkrebs wird grob unterschieden in Basaliome, die sehr großflächig werden können, aber keine Metastasen bilden und Spinaliome, die in der Fläche kleiner sind, aber Tochtergeschwüre, also Metastasen bilden können. Weißer Hautkrebs ist in der Regel nicht lebensgefährlich, kann aber die Gesundheit trotzdem enorm schädigen.

Wann Sie gefährdet sind

Hautarzt führt ein Hautkrebsuntersuchung mit einer Spezialkamera durch.
Hautärzte sehen mit ihren Instrumenten mehr als Laien mit bloßem Auge. Bildrechte: imago images / Action Pictures

Wissenschaftlern zufolge reicht ein Sonnenbrand aller zwei Jahre aus, um das Hautkrebsrisiko zu verdreifachen. Dennoch ist der einmalige Sonnenbrand im Sommer nicht die große Gefahr für Ihre Haut: "Sie müssen da nicht gleich in Panik verfallen. Allerdings, wenn Sie schon mit vielen Leberflecken vorbelastet sind oder auch wenn Sie gerade einen schwereren Sonnenbrand bekommen haben, gehen Sie zum Hautarzt. Der hat dann die entsprechenden Mittel, die Symptome zu lindern und die Haut optimal zu versorgen", rät Dr. Dietrich Barth und warnt: "Viel gefährlicher ist es, wenn Sie sich häufig und sehr lange im Freien aufhalten. Oft ist so ein Mix aus Wolken, Sonne und Wind, bei dem Sie die Haut nicht schützen, viel schädlicher für die Haut." Gefährdet sind also vor allem auch Berufsgruppen wie Dachdecker oder Landwirte, die sehr viel Zeit im Freien verbringen. Die Schädigung der Haut, die zu Krebs führen kann, kann auch ohne Sonnenbrand entstehen. Dazu reicht es aus, dass UV-Strahlen ungeschützt in die Haut dringen können. Ausreichender UV-Schutz durch Sonnencreme, UV-Kleidung und Aufenthalte im Schatten sind also wichtig.

So können Sie Hautkrebs und seine Vorstufen erkennen

Hautarzt Dr. Barth rät zur Eigenbeobachtung: "Es gibt tatsächlich Anhaltspunkte, die Sie selber checken können. Gerade, wenn Sie viele oder einige besonders auffällige Leberflecke haben, sollten Sie Ihre Haut in bestimmten Abständen und auch nach großer Sonnenbelastung nach der ABCDE-Regel untersuchen." Dabei stehen die Buchstaben für:

A wie Asymmetrie: Ein neuer dunkler Fleck Ihrer Haut hat eine ungleichmäßige, also asymmetrische Form. Das gilt auch für vorhandene Leberflecke, die ihre Form verändern.
B wie Begrenzung: Ein Hautfleck hat keine deutlich erkennbaren Ränder, sondern ist eher ausgefranst oder gezackt und geht verwischt in die normale Haut über.
C wie Color (Farbe): Der Fleck ist nicht einheitlich durchgefärbt, sondern enthält auch graue oder rötliche Farbschattierungen.
D wie Durchmesser: Der Fleck ist an einer Stelle größer als fünf Millimeter.
E wie Evolution (Entwicklung): Ein Fleck verändert sich innerhalb von drei Monaten deutlich.

Außerdem sollten Sie aufmerksam werden, wenn Hautstellen oder Leberflecke immer wieder jucken oder bluten und in ihrer Größe zunehmen. Besonders bei älteren Leuten kann sich der Hautkrebs auch mit so genannten Lichtwarzen zeigen. Dabei verhärtet und verdickt sich die Haut. "Auch wird die Haut schuppig und kratzig und das geht über eine lange Zeit nicht mehr von selbst weg. Das sind schon deutliche Signale", sagt Dr. Dietrich Barth. Für viele Hautveränderungen gibt es harmlose Erklärungen. Sie können aber auch die Vorstufe zum Hautkrebs sein und sollten deshalb immer vom Arzt untersucht werden.

Wie Sie sich richtig untersuchen

Leberfleck
Lebeflecke sollten regelmäßig auf Veränderungen hin untersucht werden. Bildrechte: IMAGO

Nicht nur nach einem Sonnenbrand sollten Sie Ihre Haut genau untersuchen. Hautärzte empfehlen den eigenen Hautcheck zu jeder Jahreszeit und in regelmäßigen Abständen. Ideal ist, wenn die Partnerin oder der Partner dabei helfen. Schauen Sie sich wirklich alle Körperstellen an, auch schlecht einsehbare Regionen, wie zwischen den Zehen, hinter den Ohren oder im Intimbereich. Sie können auch mit einem Spiegel arbeiten. Auffällige Leberflecke sollten Sie am besten ausmessen und fotografieren. Tasten Sie die Haut auch nach unebenen und rauen Stellen ab. Am besten untersuchen Sie sich bei gutem Tageslicht. Sollten Sie auffällige Stellen und Veränderungen bemerken, dann gehen Sie zum Hautarzt. Gesetzliche Krankenkassen zahlen den Hautcheck im Normalfall alle zwei Jahre ab dem 35. Lebensjahr, manche Krankenkassen übernehmen die Leistung sogar schon für Patienten ab 20 Jahren.

Warum die Hautcheck-App den Arzt nicht ersetzt

Manche Krankenkassen und App-Entwickler bieten Hautcheck-Apps zur eigenen Untersuchung an. Dr. Dietrich Barth hält davon nicht viel: "Ich bin davon nicht so überzeugt. Erstens ist das Bild ja nur zweidimensional und es ist ja wirklich wichtig, zu sehen, ob so eine Hautveränderung auch erhaben ist. Und es ist dann auch immer eine Frage der Beleuchtung. Ich arbeite in der Praxis mit speziellem Licht und einem Auflichtmikroskop, das bekommen Sie mit einem Handy nie so abgebildet." Das bedeutet, auch wenn ein Arzt von Ihnen ein Bild geschickt bekommt, kann er nie die gleiche Untersuchungsqualität erreichen, wie bei einem Hautcheck in der Praxis. Die Auswertungssoftware einer App kann auch nie die fachliche Beurteilung durch den Arzt ersetzen. Außerdem hat die Untersuchung beim Arzt noch einen weiteren Vorteil, wenn die Haut denn tatsächlich einen Defekt hat, sagt der Hautarzt: "Im Zweifel kann der richtige Hautarzt gleich entscheiden, ob er operieren muss oder wie eine Weiterbehandlung aussieht." Das ist besonders beim gefährlichen Schwarzen Hautkrebs wichtig, denn dabei zählen eine wirklich schnelle Diagnose und Behandlung.

Fazit

Nach einem Sonnenbrand oder häufigen, längeren Aufenthalten in der Sonne können Sie Ihre Haut auf bestimmte Hautkrebsmerkmale hin untersuchen. Das sollten Sie aber ohnehin regelmäßig tun. Im Zweifel gehen Sie immer zum Hautarzt, lieber auch einmal zu oft. Nutzen Sie auf jeden Fall die kostenlosen Hautchecks Ihrer Krankenkasse. Eine Hautcheck-App ist kein Ersatz für den Besuch beim Arzt.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 07. August 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. August 2019, 00:10 Uhr