Umschau-Quicktipp Was hilft gegen Insektenstiche?

Einige Insekten, wie Bienen oder Wespen, injizieren beim Stich ganz bewusst giftige Eiweißstoffe, um sich gegen ihre Gegner zu wehren. Auch Ameisen versuchen, sich gegen Angreifer zu schützen, indem sie Säure verspritzen. Mücken dagegen wollen eigentlich gar nicht unbedingt, dass es ihrem Opfer schlecht geht – sie wollen nur in Ruhe Blut saugen. Damit sie dabei nicht gestört werden, übertragen sie mit ihrem Speichel Proteine in das Blut des Opfers, die die Blutgerinnung verlangsamen. Der Körper wehrt sich dagegen mit dem Hormon Histamin, das als Nebeneffekt für Schwellungen und Juckreiz sorgt.

So bemerken Sie eine Allergie auf Insektengift

Stachel einer Europäischen Honigbiene
Die Biene – hier ihr Stachel – stirbt nach dem Stich. Bildrechte: imago/blickwinkel

In Deutschland ist keine Insektenart heimisch, deren Biss oder Stich für gesunde Menschen eine Lebensbedrohung darstellt. Allerdings reagieren Einige allergisch auf das Gift der Insekten: "Wenn bei einem Insektenstich oder -biss nur der gestochene Bereich anschwillt, dann müssen Sie sich keine Sorgen machen. Schwellen aber auch ganz andere Stellen an, bekommen Sie Quaddeln, Ausschläge oder etwa Übelkeit mit Erbrechen und Durchfall oder schlimmere Symptome, sollten Sie schnellstens einen Arzt aufsuchen", sagt Hautärztin Dr. Ina Schulze aus Markkleeberg.

Bei Verdacht können Hautärzte überprüfen, ob tatsächlich eine Allergie auf ein Insektengift vorliegt. Wer mit einem Schock oder einer starken allergischen Reaktion auf einen Wespenstich reagiert, gehört sofort ins Krankenhaus. Beachten Sie, dass bei einer vorhandenen Allergie gegen Wespenstiche die Reaktionen von Stich zu Stich immer stärker zunehmen können. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über eine mögliche Desensibilisierung und lassen Sie sich Notfallmedikamente verschreiben.

Grundsätzliche Vorbeugung gegen Stiche und Bisse

Wanderer mit Netz als Mücken-Schutz
Moskitonetze schützen effektiv. Bildrechte: imago images / imagebroker

Gegen Mücken, Zecken oder auch kleine Stechfliegen helfen vorbeugend die klassischen Anti-Mückenmittel. Produkte mit den synthetischen Wirkstoffen DEET (Diethyltoluamid) und Icaridin schützen dabei sehr zuverlässig bis zu acht Stunden vor Stichen. DEET, das in Mitteln wie Anti Brumm Forte oder Nobite Hautspray steckt, ist allerdings umstritten. Der Wirkstoff steht im Verdacht, Hautreizungen auszulösen oder sogar das Nervensystem zu schädigen. "Es sollte nicht zu lange in großen Mengen verwendet werden.

Bei Reisen in die Tropen oder Subtropen können Mittel mit DEET trotz ihrer möglichen Nebenwirkungen auch gegen Stechmücken, die Malaria oder das Dengue-Fieber übertragen, schützen", erklärt Dr. Ina Schulze. Gegen einige Insekten wie Kriebelmücken oder Gnitzen helfen chemische oder natürliche Wirkstoffe nur bedingt oder gar nicht. Die beste Vorsorge gegen Stiche oder auch Zeckenbisse ist, die Lebensräume der Tiere zu meiden oder lange, festgewebte Kleidung anzuziehen. Hüte mit Moskitonetzen sehen komisch aus, sind aber sehr effektiv. Parfüm und starker Waschmittelduft können Bienen und Wespen reizen. Je natürlicher Sie also riechen, desto unaufgeregter sind die Insekten.

Wenn es juckt und brennt: Ruhe bewahren und kühlen

Eiswürfel
Kälte beruhigt die Haut. Bildrechte: IMAGO

Wurden Sie gestochen oder gebissen, gilt allgemein: Kühlen und einen kühlen Kopf bewahren. Kälte beruhigt die Haut und ist auch hilfreich, wenn Sie in den Mund- oder Rachenraum gestochen wurden. Lutschen Sie Eiswürfel, trinken Sie kaltes Wasser und fahren Sie sofort zu einem Arzt oder ins Krankenhaus. Zudem ist es sinnvoll, Stich und Bisswunden möglichst rasch zu desinfizieren. Auch, wenn die Hautstellen stark jucken, sollten Sie ruhig bleiben: "Kratzen Sie nicht, denn das reizt die Haut nur noch mehr. Spucke drauf und pusten hilft dagegen viel besser", erklärt die Hautärztin. Zudem gelangen erst durch das Kratzen Bakterien und Schmutzstoffe von der Haut in die Wunde und können dort Entzündungen verursachen. Spezielle Produkte wie Autan akut oder Fenistil wirken meist nur kurz.

Technik gegen Mücke und Co.

Mann mit Smartphone
Ob Apps gegen Mücken wirklich helfen, ist nicht erwiesen. Bildrechte: IMAGO

Mückenapps produzieren einen hohen Ton. Der soll den Flügelschlag einer männlichen Mücke simulieren und damit bereits befruchtete Weibchen vertreiben. Wissenschaftlich belegt ist das nicht. UV-Licht-Fallen, in denen Insekten am elektrisch geladenen Gitternetz sterben sollen, weisen kaum Wirkung bei Mücken auf. Auch die meisten anderen Methoden bringen keinen spürbaren Erfolg, etwa Gartenfackeln, Kerzen und Öllampen auf Basis ätherischer Öle.

Wenn Sie gestochen wurden, können elektrische Geräte hingegen sehr wohl helfen.Hitzestifte, wie etwa Bite away Cobra oder das feuerzeugähnliche Zapp it erhitzen die gestochene Stelle kurzzeitig auf rund 50 Grad Celsius. Damit werden die eiweißhaltigen Wirkstoffe der Insekten unter der Haut nachweislich zerstört. Somit helfen die Geräte gegen Juckreiz oder Schwellungen von Mückenstichen, wenn sie direkt nach dem Stich angewendet werden und wenn man die kurzzeitige Hitze aushält. Auch bei Bienen- oder Wespenstichen können die Stifte laut Dr. Schulze helfen, aber: "Bevor Sie diese Stifte anwenden, müssen Sie erstmal möglichst viel vom Wespen- oder Bienengift aus der Wunde entfernen. Im Vergleich zu Mücken geben Bienen und Wespen ja eine viel größere Menge an Gift ab. Im Ernstfall ist das für den Hitzestift dann zu viel Protein und er bleibt wirkungslos."

Diese Insekten können Ihnen an die Haut gehen

Mücken

Sie lieben es warm und feucht. In Wasserfässern, Gartenteichen, Seen und Pfützen vermehren sie sich dabei bestens. Sie ernähren sich von Blut und stechen dafür Säugetiere – also auch uns Menschen. 28 Oberarten gibt es in Deutschland. Der Mückenatlas informiert darüber, in welchen Regionen welche Mücken nachgewiesen wurden. Besonders folgende Arten können uns Menschen lästig werden:

Die Stechmücken, vor allem die typischen sogenannten südlichen Hausmücken, stechen meist in der Nacht.

Die Asiatische Tigermücke ist seit einigen Jahren auch in Teilen Deutschlands heimisch. Sie ist, wie der Name es erahnen lässt, gestreift und kann verschiedene Viren übertragen, etwa den Erreger des Dengue-Fiebers. Bislang wurden aber keine Infektionen durch Stiche in Deutschland nachgewiesen.

Die Kriebelmücken sehen ein bisschen wie Fliegen aus. Sie sind gern an Flussläufen zu Hause, kriechen unter die Kleidung. Dort stechen sie nicht, sondern reißen die Haut auf und laben sich an dem austretenden Blut. Sie hinterlassen schlecht heilende, große und stark juckende Wunden.

Die Gnitzen sind nur wenige Millimeter groß und kriechen besonders in der Dämmerung gerne an den Haaransatz und stechen dort zu

Die Stechfliegen und hier vor allem die Bremsen sorgen mit ihren Stichen nicht nur für Juckreiz, sondern auch für starkes Brennen und mitunter große Schwellungen.

Spinnen

Dornfingerspinne (Cheiracanthium punctorium), am Gespinstsack an einem Blatt
Dornfinger Bildrechte: IMAGO

Sie sind grundsätzlich Gifttiere und halten sich eher lauernd im Verborgenen auf. Uns Menschen greifen Sie nur an, wenn Sie sich bedroht fühlen.Nach einer halben Stunde sollten die schlimmsten Symptome verschwunden sein. Bei uns gibt es nur drei Arten, deren Biss und Gift uns Menschen uns etwas mehr zusetzen können:

Der Dornfinger ist erst seit kurzem bei uns heimisch und kann so zubeißen, dass es richtig schmerzt und sich die Bissstelle deutlich verfärbt. Allergiker können auf das Gift reagieren.

Die Kreuzspinne kommt mit Ihren Beißwerkzeugen nicht an jeder Hautstelle durch. Schafft Sie es aber, dann kann das ordentlich wehtun. Die Bissstelle kann anschwellen und brennen.

Die Wasserspinne beißt ähnlich schmerzhaft zu wie die Kreuzspinne. Sie müssen aber tatsächlich ins Wasser, um auf solch eine Spinne zu treffen.

Bienen, Wespen und Hornissen

Hornisse schaut aus ihrem Nest
Hornissen stechen selten. Bildrechte: IMAGO

Bienen sind sehr friedliche Zeitgenossen. Sie stechen auch nur im absoluten Ernstfall zu, denn der Stachel bleibt in der Haut des Opfers stecken, sodass die Biene nach dem Stich stirbt. Deshalb injiziert die Biene auch wesentlich mehr Gift als eine Wespe, nämlich alles auf einmal. Für Allergiker kann das wirklich gefährlich werden.

Die Stiche von Wespen sind nicht giftiger als Bienenstiche. Eine Wespe kann allerdings mehrfach zustechen und ist in der Regel aggressiver. Außerdem sind Wespen Aasfresser und können deshalb mit ihrem Stich gefährliche Keime übertragen.

Hornissen sind ähnlich friedlich wie Bienen, nur wesentlich größer. Deshalb ist ihr Stich auch schmerzhafter. Die alte Sage, wonach drei Hornissenstiche einen Menschen töten können, stimmt allerdings nicht. Hornissen ernähren sich übrigens von Wespen und Mücken und sorgen also dafür, dass diese Insekten uns nicht allzu oft stören.

Zecken

Blutsaugende Zecke
Zecke Bildrechte: IMAGO

Ihr Stich wird von uns im Normalfall nicht bemerkt. Sie wollen unser Blut, saugen sich richtig voll und lassen sich dann fallen. Während des Saugens oder auch wenn Zecken falsch entfernt werden, können Sie Bakterien oder Viren in unseren Blutkreislauf übertragen.

Hilfe: Insektenschutzmittel schützen bis zu sechs Stunden. Tragen Sie das Mittel auch auf Ihre Sachen auf. Lassen sich Zecken aus dem Gras auf Ihre Hosen fallen, lassen sie gleich wieder los. Eine abendliche Zeckenkontrolle aller Körperteile empfiehlt sich gerade bei Kindern, die viel im Freien spielen. Sollten Sie doch erwischt worden sein, empfiehlt unsere Hautärztin Folgendes: "Schauen Sie bitte nach einer kreisrunden Rötung. Wenn die ein paar Tage nach dem Stich auftritt, handelt es sich um eine Borreliose, die Sie mit Antibiotika vom Arzt behandeln lassen können." Anders bei einem Virus, mit dem die Zecken die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen können. Das ist gefährlich, weil dieses Virus auch noch viele Jahre später eine Hirnhautentzündung mit erheblichen Gesundheitsfolgen bis hin zum Tod verursachen kann. Dagegen hilft nur, sich rechtzeitig impfen zu lassen. "Bei Reisen in FSME-Risikogebiete empfiehlt sich eine Schutzimpfung, gerade auch für Kinder.", rät Dr. Ina Schulze. Dreimal müssen Sie gegen FSME geimpft werden. Anschließend wird die Impfung alle drei bis fünf Jahre aufgefrischt.

Ameisen

Rote Waldameise krabbelt über grünes Blatt
Bildrechte: imago images / Andreas Gora

Von den über 100 bekannten Arten treffen wir in der Regel auf Haus- oder Waldameise. Beide beißen, die Waldameise kann zudem noch Ameisensäure verspritzen. In der Regel juckt und brennt es ein bisschen. Nach ca. 30 Minuten sollte das vorbei sein.

Flöhe und Wanzen

Gemeine Bettwanze
Gemeine Bettwanze Bildrechte: IMAGO

Diese Gesellen fangen Sie sich meist im Urlaub, entweder im Hotel oder besonders gern auch in Gemeinschaftsunterkünften für Rucksacktouristen ein. Zu Hause machen es sich diese Tiere dann in der Nähe Ihres Bettes bequem und kommen meist nachts, um sich Ihr Blut zu holen. Sie vermehren sich schnell und sorgen oft für großes Unbehagen.  "Bei Flöhen und Wanzen müssen Sie dafür sorgen, dass Sie sie möglichst schnell loswerden, sonst werden es immer mehr. Wirklich gesundheitsgefährdend sind sie aber nicht."

Hilfe: Sollten Sie den Verdacht auf blinde Passagiere im Urlaubsgepäck haben, suchen Sie sich eine große Kühltruhe und packen Sie alles für einen Tag dort hinein. Der Schlafsack kann auch mal für 30 Sekunden in die Mikrowelle gepackt werden. Haben sich die Tiere schon ausgebreitet, hilft der Kammerjäger.

Mücken: Fiese, kleine Stecher

Gemeine Stechmücke, Ringelmücke, Trauermücke, Kriebelmücke - welche Mücken sind da draußen unterwegs und piesacken uns? Hier eine Galerie ausgewählter Plagegeister.

Gemeine Hausmücke .
Die Gemeine Stechmücke - der Name sagt alles. Ihr Summen hören wir am häufigsten in unseren Wohnungen und Häusern, wo sie das ganze Jahr zu finden ist. Der Stich ist klein, das Jucken meist groß. Die Weibchen stechen übrigens nur, weil sie Stoffe aus unserem Blut zur Eiablage brauchen. Sie ernähren sich von Pflanzensäften. Bildrechte: imago/blickwinkel
Gemeine Hausmücke .
Die Gemeine Stechmücke - der Name sagt alles. Ihr Summen hören wir am häufigsten in unseren Wohnungen und Häusern, wo sie das ganze Jahr zu finden ist. Der Stich ist klein, das Jucken meist groß. Die Weibchen stechen übrigens nur, weil sie Stoffe aus unserem Blut zur Eiablage brauchen. Sie ernähren sich von Pflanzensäften. Bildrechte: imago/blickwinkel
Kriebelmücke
Die Kriebelmücke - Biologen unterscheiden 50 verschiedene Arten in Deutschland. Ihre Weibchen sind Blutsauger. Aber sie lieben Rinder. Bildrechte: IMAGO
Ringelmücke
Große Hausmücke, Ringelmücke auch Ringelschnake. Über einen Zentimeter groß und das ganze Jahr aktiv. Hinterlässt beim Stechen oft auch Entzündungen. Bildrechte: IMAGO
 Buschmücke
Die Asiatische Buschmücke ist erst seit 20 Jahren bei uns zu finden. Sie gilt auch als Überträger verschiedener Krankheiten, wie etwa des West-Nil-Virus'. Bildrechte: IMAGO
Eine Trauermücke auf einer Margerite
Die Trauermücke ist völlig ungefährlich für Menschen, aber enorm lästig, denn die Larven fressen bevorzugt Pflanzenwurzeln. Bildrechte: IMAGO
Asiatische Tigermücke
Tigermoskito wird die Asisatische Tigermücke gelegentlich auch genannt. Sie ist tagaktiv, sehr stechfreudig und überträgt in den Tropen verschiedene Viren. Dafür ist es bei uns (noch) zu kalt. Bildrechte: IMAGO
Wintermuecke
Wintermücken sind unempfindlich gegen Kälte und können gut im Winter und in Höhenlagen überleben. Sie stechen nicht und sind für Menschen völlig ungefährlich. Bildrechte: IMAGO
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Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 06. August 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. August 2019, 00:10 Uhr