Umschau-Quicktipp Welche Impfungen sind sinnvoll?

ein Impfpass mit Spritze und Vermerk für Masernimpfung 1 min
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Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern gibt es in Deutschland keine gesetzliche Impfpflicht. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt im sogenannten Impfkalender, welche Impfungen wann für bestimmte Altersgruppen sinnvoll sind, um übertragbaren Krankheiten vorzubeugen. Alle Impfungen, die dieses vom Bundesgesundheitsministerium berufene, unabhängige Expertengremium empfiehlt, erhalten gesetzlich Krankenversicherte kostenlos.

Säuglinge, Kinder, Jugendliche

Für Säuglinge, Kinder und Jugendliche werden Impfungen gegen folgende Krankheiten bzw. Erreger empfohlen:

Eine Spritze liegt auf einem Impfpass.
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  • Tetanus (Wundstarrkrampf),
  • Diphterie (Halsbräune),
  • Pertussis (Keuchhusten),
  • Poliomyelitis (Kinderlähmung),
  • Pneumokokken (Bakterien, die Gehirnhaut- und Lungenentzündung auslösen können),
  • Meningokokken (Bakterien, die Gehirnhautentzündung auslösen können),
  • Varizellen (Windpocken),
  • Röteln,
  • Mumps (Ziegenpeter),
  • Hepatitis B (Infektion der Leber),
  • Rotaviren (können schwere Durchfallerkrankungen auslösen),
  • Masern und
  • Haemophilus influenzae Typ b (Hib, Virus, kann diverse schwere Entzündungen bei Kleinkindern hervorrufen).

Wann die Impfungen gegeben werden sollten, steht im Impfkalender. Am besten werden die Impfungen mit den Vorsorgeuntersuchungen für Kinder und Jugendliche verbunden.

Impfungen, die mehrere Impfstoffgaben erfordern, zum Beispiel gegen Masern oder Hepatitis B, sollten auf jeden Fall vervollständigt werden, weil sich sonst kein vollständiger Schutz aufbaut oder der Schutz nicht so lange hält wie gewünscht.

Impfausweis mit angekreuzter Masern-Impfung
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Von einer Impfpflicht, wie sie derzeit in Bezug auf die Masernimpfung diskutiert wird, raten Experten ab. Sie erhöht zwar die Impfrate für den Pflichtimpfstoff, jedoch verringern sich die Impfraten gegen andere Krankheiten. Außerdem lässt sich die Impfpflicht nur mit harten Sanktionen (z.B. Schulausschluss) durchsetzen und das Vertrauen in Impfungen generell schwindet.

Humane Papillomviren (HPV) Die Impfung gegen HPV ist relativ jung. Seit 2006 können sich Mädchen und Jungen in Deutschland gegen das Virus impfen lassen. Es kann Tumore am Gebärmutterhals, in Mund, Hals, Rachen, am Darmausgang und im Intimbereich verursachen kann. Seltener sind auch Männer betroffen. Derzeit ist noch nicht ganz klar, wie lange der Schutz nach einer Impfung anhält, deshalb bisher gibt es noch keine Empfehlung für das Auffrischen der Impfung. Tests zeigen, dass Antikörper noch zwölf Jahre nach der Impfung nachweisbar sind.

Die vollständige Impfserie (je nach Alter zwei oder drei Einzelimpfungen) sollte vor dem ersten Geschlechtsverkehr abgeschlossen sein, deshalb empfiehlt die STIKO die Impfung für Mädchen und Jungen zwischen neun und vierzehn Jahren. Auch spätere Impfungen sind noch sinnvoll. Bis zum Alter von 17 Jahren zahlt bei Mädchen die Krankenkasse: Danach und bei Jungen sollte man anfragen. Oft werden die Kosten ebenfalls übernommen.

Erwachsene

Für Erwachsene ist ein Impfschutz gegen diese Krankheiten sinnvoll:

  • Tetanus (Wundstarrkrampf),
  • Diphterie (Halsbräune),
  • Pertussis (Keuchhusten) und
  • Poliomyelitis (Kinderlähmung).

Diese Impfungen müssen für einen aktiven Schutz alle zehn Jahre aufgefrischt werden. Ab dem 60. Lebensjahr ebenfalls empfohlen sind Pneumokokkenimpfung, Grippeschutzimpfung und seit Dezember 2018 auch eine Impfung gegen Herpes Zoster (Gürtelrose). Aufgrund der in letzter Zeit häufiger auftretenden Masern-Fälle sollten nach 1970 geborene Menschen ihren Masern-Impfstatus prüfen und wenn nötig auffrischen.

Grippeimpfung Die Grippeschutzimpfung wird besonders Menschen ab 60 Jahren, chronisch Kranken und Schwangeren empfohlen. Des Weiteren sollten sich Berufsgruppen mit häufigem Kontakt zu anderen Personen impfen lassen, zum Beispiel Ärzte, Verkäufer oder Lehrer.

Seit 2018 erhalten alle Impfwilligen den sogenannten Vierfachimpfstoff. Das heißt, es wird damit gegen vier Virus-Varianten gleichzeitig geimpft. Im Vergleich zum vorher verwendeten Dreifachimpfstoff steigt also der Schutz gegen Grippeviren. Geimpft werden sollte im Herbst vor Beginn der Grippesaison. Aber selbst wenn die Grippewelle schon grassiert, ist eine Impfung noch sinnvoll. Der Schutz setzt allerdings erst rund zehn bis vierzehn Tage nach der Impfung ein.

Reisen und Impfungen

Ein Arzt impft eine Person gegen Grippe.
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Vor Auslandsreisen sollte man sich rechtzeitig, mindestens aber sechs Wochen vor Abreise, um einen ausreichenden Impfschutz kümmern. Neben einem aktuellen Stand der für Deutschland empfohlenen Impfungen, sind je nach Reiseland weitere Impfungen sinnvoll oder bei Einreise sogar Vorschrift. Welche Impfung man vornehmen lässt, hängt auch von der Reiseart ab. Wer Pauschalurlaub macht, braucht in der Regel weniger Impfungen als jemand, der im gleichen Land individuell in entlegene Gebiete reist.

Informationen zu den empfohlenen Impfungen für das jeweilige Reiseland gibt es auf den Webseiten des Auswärtigen Amtes oder bei den reisemedizinischen Beratungsstellen der Tropeninstitute. Dort finden sich auch Informationen zu Kosten für Beratung und Impfungen.

Die meisten Krankenkassen übernehmen inzwischen den Großteil der Reise-Impfungen. Es lohnt sich also nach Abschluss der Impfungen die Rechnung bei der Krankenkasse einzureichen. Viele Impfungen können auch gleich über die Chipkarte der Krankenkasse abgerechnet werden.

Impfen bei chronisch Erkrankten

Menschen mit Autoimmunerkrankungen wie Lupus oder anderen chronischen Krankheiten sollten sich vor jeder Impfung von ihrem Arzt beraten lassen. Bei chronischen Lungenkrankheiten oder Rheuma sind Impfungen gegen Grippe oder Lungenentzündung (Pneumokokken) schon in jüngeren Jahren sinnvoll. Bestimmte Impfungen vor Reisen, etwa gegen Gelbfieber, sind nicht ratsam und Reisen in Länder mit Ansteckungsgefahr sollten deshalb unterbleiben.

Risiken und Nebenwirkungen

In der Regel sind die heutigen Impfstoffe gut verträglich. Trotzdem kann jede Impfung auch Nebenwirkungen haben. Typisch sind leichte Schmerzen oder Schwellungen an den Einstichstellen. Auch Kopfschmerzen oder Mattigkeit können auftreten. Empfohlen wird, nach einer Impfung zwei Tage auf Sport und Saunagänge zu verzichten.

Viele Befürchtungen von Impfgegnern was Nebenwirkungen oder Impffolgen angeht, sind inzwischen wissenschaftlich widerlegt. So hat erst kürzlich eine Studie aus Dänemark erneut ausgeschlossen, dass die Kombinationsimpfung MMR (Mumps, Masern, Röteln) Autismus auslöst.

Impfpass weg – was tun?

Der gelbe Impfpass ist ein wichtiges Dokument, das international anerkannt ist. Eingetragen werden alle Impfungen, die der Passhalter bekommen hat. Ersichtlich wird so auch, welche Impfungen gegebenenfalls aufgefrischt werden müssen und wann. Ausgestellt wird der Impfpass in der Regel vom Hausarzt.

Grippe-Schutz: Dreifach- oder Vierfach-Impfstoff?
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Wer seinen Impfpass verbummelt oder verloren hat, sollte versuchen, die darin enthaltenen Informationen neu zu beschaffen, zum Beispiel aus der Krankenakte beim Hausarzt. Der Hausarzt stellt dann auch einen neuen Impfpass aus. Eintragen darf er da allerdings nur die Impfungen, die schriftlich nachweisbar auch gegeben wurden. Impfungen, die nicht dokumentiert sind, sollten nachgeholt werden, empfiehlt die STIKO.

Nach einem Arztwechsel kann der Patient die Krankenakte mit den Impfinformationen beim vorherigen Arzt anfordern und dem neuen Hausarzt zur Verfügung stellen.

Kleiner Tipp: Der Impfpass ist ein wichtiges Dokument und sollte deshalb zusammen mit anderen Dokumenten, wie Geburtsurkunde, Reisepass oder Steuernummer aufbewahrt werden.

Schadet eine doppelte Impfung?

Jede Impfung zählt. Ist der Impfstatus wegen eines verloren gegangenen Impfpasses und fehlender Informationen unklar, können die Impfungen erneut gegeben werden, ohne dass eine Gefahr besteht. Impfserien, etwa bei Hepatitis B, können auch in größeren als den vorgegebenen Zeitabständen erfolgen. Wichtig ist, dass sie erfolgen.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 29. April 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. April 2019, 00:10 Uhr