Leben mit Rheuma Rheuma erkennen und richtig behandeln

Etwa 20 Millionen Deutsche haben eine rheumatische Erkrankung. Die verursacht meist Schmerzen an den Gelenken, Muskeln oder Knochen. Oft wird die Bewegungsfähigkeit eingeschränkt. Heilbar ist Rheuma nicht, aber gut behandelbar. Wird die Erkrankung früh genug erkannt, kann die Entzündung gestoppt oder verlangsamt werden. Wie, weiß Experte Dr. Thomas Dietz.

Mann hält schmerzendes Knie.
Bildrechte: imago images / Panthermedia

Rheuma ist nicht eine, sondern 400 Krankheiten. Sie treten meistens am Bewegungsapparat auf. Aber neben den vermeintlich typischen schmerzenden Gelenken, können auch "Weichteile" wie Muskeln, Bänder oder Sehnen betroffen sein, selbst Organe, Nerven, Rippenfell oder Gefäße. Die vielvältigen Symptome machen die Diagnose oft schwierig. Die verschiedenen Krankheitsbilder werden unter dem sogenannten rheumatischen Formenkreis zusammengefasst:

  1. entzündlich-rheumatische Erkrankungen
  2. verschleißbedingte (degenerative) Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen
  3. Weichteilrheumatismus
  4. Stoffwechselerkrankungen mit rheumatischen Beschwerden (pararheumatische Erkrankungen)

Hilfe und Therapie für Betroffene

Der größte Teil rheumatischer Erkrankungen verläuft chronisch. In nur 10 Prozent aller Fälle findet eine sogenannte Spontanremission, also Heilung, statt. Das heißt, die Erkrankung und all ihre lästigen Beschwerden verschwinden von selbst und keiner weiß genau, warum. Die meisten Betroffenen müssen ihre Krankheit stattdessen regelmäßig behandeln lassen.

Ratgeber

Volkskrankheit Rheuma: Sind Sie betroffen?

Machen Sie den Test. Wenn Sie eines der hier aufgeführten Symptome von sich selbst kennen, fragen Sie Ihren Arzt, ob bei Ihnen eine rheumatische Erkrankung vorliegen könnte.

Eine junge blonde Frau schläft
2. Nach dem Aufwachen wie gerädert Seit Monaten schlafen Sie, ohne sich zu erholen. Sie wachen wie gerädert auf. Alle Sehnen, Gelenke und Muskeln schmerzen. Bildrechte: imago/Science Photo Library
Eine junge blonde Frau schläft
2. Nach dem Aufwachen wie gerädert Seit Monaten schlafen Sie, ohne sich zu erholen. Sie wachen wie gerädert auf. Alle Sehnen, Gelenke und Muskeln schmerzen. Bildrechte: imago/Science Photo Library
Eine Frau hält sich das Knie.
4. Schmerzende Gelenke Nach längerem Sitzen schmerzen beim Gehen die Gelenke im Knie, der Hüfte, im Knöchel oder in den Zehen. Bewegung lindert die Beschwerden. Bildrechte: IMAGO
Eine alte Frau hält sich ihre schmerzendes Handgelenk.
5. Geschwollene Hände Finger- und Handgelenke sind geschwollen. Sie fühlen sich schon länger abgeschlagen und nicht mehr leistungsfähig. Bildrechte: IMAGO
Alle (3) Bilder anzeigen

Nicht, um Rheuma zu heilen. Das ist trotz intensiver Forschung bisher noch nicht möglich. Die Krankheit zerstört nach und nach Gelenke und Organe. Diesen Prozess kann man mit der richtigen Behandlung aufhalten oder zumindest abbremsen. Das lindert auch die Schmerzen.

Mit Bewegung gegen die Krankheit

Eine Gruppe von Menschen betreibt Gymnastik am Boden
Bildrechte: colourbox.com

Akut entzündliches Gelenkrheuma wird grundsätzlich mit schmerzlindernden und entzündungshemmenden Medikamenten behandelt. In der Langzeittherapie werden andere Medikamente eingesetzt (Basistherapeutika), die langfristig Entzündungsprozesse im Körper eindämmen oder stoppen sollen.

Daneben spielen ergänzende Therapien eine wichtige Rolle: Krankengymnastik und Bewegungstherapie sind unabdingbar. Nur so können Mobilität, Lebensqualität und Selbständigkeit so lange wie möglich erhalten werden. Beratung und Angebote bekommen Sie unter anderem bei der Rheuma-Liga, Deutschlands größter Selbsthilfeorganisation, die eng mit Ärzten und Therapeuten zusammenarbeitet. Aber natürlich kann Ihnen auch Ihr Arzt weiterhelfen. Allerdings übernehmen die Krankenkassen nicht alle Kosten.

Hilfsmittel für den Alltag

Dies gilt auch für eine Vielzahl hilfreicher Alltagsgegenstände, die die Lebensqualität einer an Rheuma erkrankten Person deutlich verbessern können.

Gehhilfe, Krücke
Bildrechte: Colourbox.de

  • Orthopädische Schuhe und Einlagen sollen die Fußstellung im Schuh verändern und so die Fußgelenke entlasten.
  • Verschiedene Gehhilfen, Gehstöcke, Gehgestelle und Rollatoren
  • Es gibt Besteck mit besonders großen Griffen aus Gummi oder Schaumstoff. Mit ihnen fällt das Schneiden leichter.
  • Speziell geformte Dosen- und Flaschenöffner
  • Anziehhilfen für Strümpfe und Hosen
  • Für die Körperpflege gibt es diverse Hilfsmittel.

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) kann die Kosten für Hilfsmittel bis auf einen begrenzten Eigenanteil übernehmen. Voraussetzung dafür ist, dass das Hilfsmittel vom Arzt verordnet und von der Krankenkasse genehmigt wurde. Nachfragen lohnt sich.

Ernährung umstellen

Häufig ist die Umstellung der Ernährung hilfreich: Wenig Fleisch und Fleischprodukte, Alkohol und Nikotin meiden, pflanzliche Öle und Fette bevorzugen. Wer vornehmlich oder völlig vegetarisch lebt, hat als Rheumakranker unbestreitbare Vorteile. Diese Form der Ernährung ohne Fleisch vermeidet eine Anzahl von Substanzen, die die Entzündungen im Körper leider fördern.

Weitere Themen

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 24. Oktober 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Oktober 2019, 08:48 Uhr