Robert Koch-Institut Wie kann man sich gegen das neue Coronavirus schützen?

Nach einer ersten Infektion in Bayern droht sich das neuartige Coronavirus auch in Deutschland auszubreiten. Das Robert Koch-Institut gibt Empfehlungen, um sich vor einer Ansteckung zu schützen. Auch mit Blick auf die laufende Grippewelle wird zu ganz allgemeinen Hygieneregeln wie Händewaschen geraten - statt zum Mundschutz.

Menschen stehen vor einem Geschäft, um Atemschutzmasken zu kaufen.
Das neuartige Coronavirus wird durch Tröpfcheninfektion übertragen. Bildrechte: dpa

Wie hilft Hygiene im Alltag?

Experten für Infektionskrankheiten vom Robert Koch-Institut raten zum Schutz vor Ausbreitung von Atemwegserkrankungen vor allem zu guter Händehygiene, eine sogenannte Husten- und Niesetikette sowie Abstand zu Erkrankten. Diese Maßnahmen sind laut RKI in der Grippezeit "überall und jederzeit angeraten". Husten und niesen sollte man besser nicht in die Hand, sondern in den Pullover oder Jackenärmel.

Der Rat "Hand vor den Mund" sei zwar gut gemeint, doch dadurch klebten die Viren dann an den Händen und würden beim Berühren von Gegenständen und anderen Menschen weiterverbreitet. Zudem sollte beim Husten und Niesen wegen der Ansteckungsgefahr durch Tröpfchen größtmöglicher Abstand zu Mitmenschen gehalten werden oder man solle sich wegdrehen.


Wie wäscht man sich die Hände richtig?

Die Hände sollten mehrmals am Tag für 20 bis 30 Sekunden mit Seife gewaschen werden und und zwar nicht nur nach dem Toilettengang und vor den Mahlzeiten oder Zubereiten von Speisen. Empfohlen wird auch nach dem Naseputzen, Husten oder Niesen, nach dem Kontakt mit Abfällen und vor dem Hantieren mit Medikamenten eine gründliche Handreinigung. Hände sollten vom Gesicht ferngehalten und aufs Händeschütteln verzichtet werden. In öffentlichen Einrichtungen sollten die Hände möglichst mit einem Papiertuch getrocknet werden.


Hilft Lüften?

Im Büro oder zu Hause sollte regelmäßig gelüftet werden, denn in geschlossenen Räumen kann die Anzahl der Viren in der Luft stark steigen. Regelmäßiges Lüften senkt das Ansteckungsrisiko. Außerdem verbessert sich dadurch das Raumklima, was ein Austrocknen der Mund- und Nasenschleimhäute verhindert, die zur Abwehr von Viren wichtig sind.


Hilft eine Mund-Nasen-Maske?

Dazu rät das RKI nicht. Auch von der Weltgesundheitsorganisation wird das für die Allgemeinbevölkerung nicht generell empfohlen. Jedoch kann ein Mund-Nasen-Schutz bei Kontakt mit Kranken oder medizinischem Personal einen Schutz bieten. Jedoch muss dieser Mundschutz eng anliegen. Ein Patient, der als Verdachtsfall eingestuft ist, muss laut RKI eine mehrlagige Mund-Nasen-Maske tragen.


Gibt es Impfschutz?

Nein. An der Entwicklung von Impfstoffen gegen Coronaviren, insbesondere das Mers-Coronavirus MERS-CoV, wird seit Längerem gearbeitet. Sie werden in klinischen Studien erprobt, stehen aber noch nicht für die Anwendung zur Verfügung. Nach Angaben des internationalen Impfbündnisses Cepi könnte ein Impfstoff gegen den aktuellen Erreger 2019-nCoV voraussichtlich im Sommer in die Testphase gehen.


Wann besteht ein Verdachtsfall

Ein Verdacht auf Infektion mit dem Coronavirus besteht, wenn jemand eine akute Infektion der unteren Atemwege hat und sich bis maximal 14 Tage vor Erkrankungsbeginn in einem Risikogebiet aufgehalten hat. Auch jemand mit weniger schweren Atemwegsproblemen, der aber in Kontakt zu Erkrankten war, wird als Verdachtsfall eingestuft.


Wie erfolgt die Diagnostik

Bei einem Verdachtsfall erfolgt ein Labortest. Weil die frühen Symptome einer Infektion mit dem neuen Coronavirus denen einer Erkältung oder Grippe ähneln, wird der Verdacht durch einen Abstrich aus dem Rachen geklärt.

Das Nationale Konsiliarlaboratorium für Coronaviren befindet sich an der Berliner Charité. Dort wurde vor kurzem auch ein Nachweisverfahren für das derzeit in China kursierende Coronavirus entwickelt. Auch andere Speziallabore für Virologie können Proben testen, etwa an den Universitätskliniken Leipzig. Ein Ergebnis liegt nach etwa vier bis fünf Stunden vor.


Anlaufstellen bei Verdacht

Eine Klinik mit Spezialstation ist nicht die erste Anlaufstelle bei Symptomen. Betroffene sollten ihren Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen, um den Verdacht abzuklären. Wichtig ist es, die Praxis vorher anzurufen und entsprechende Symptome und einen Aufenthalt in einer Risikoregion zu benennen. Dann wird ausgeschlossen, dass Patienten in vollen Wartezimmern sitzen, und es können entsprechende Hygienemaßnahmen ergriffen werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Januar 2020 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Januar 2020, 13:33 Uhr