Coronatests Starker Probenrückstau in deutschen Laboren

Nach einer kurzen Erholungsphase steigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen seit der vergangenen Woche wieder an. Die Zahlen könnten jedoch tatsächlich noch höher sein, denn in den deutschen Laboren stauen sich die Proben – mehr als 32.400 müssen aktuell noch bearbeitet werden. Grund sind unter anderem Lieferengpässe.

Karoline Keil, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei «Biomes» arbeitet in einem Corona-Testlabor an der Technischen Hochschule Wildau.
In den deutschen Testlaboren stauen sich die Proben. Bildrechte: dpa

In Deutschland nimmt die Zahl der Corona-Neuinfektionen nach einer Phase der Erholung seit letzter Woche wieder zu. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts liegt der R-Wert aktuell um 1,0. Größere Ausbrüche stehen nach wie vor im Zusammenhang mit Reiserückkehrern und größeren Feiern im Familien- und Freundeskreis. Es stecken sich aber auch zunehmend Menschen innerhalb von Deutschland an. Wie viele genau, ist unklar, da die Bearbeitung und Auswertung der Tests stockt.

Starker Probenrückstau in den Laboren

Bisher wurden in Deutschland rund 14, 6 Millionen Tests auf das SARS-CoV-2-Virus von insgesamt 252 Laboren geleistet, rund 300.000 Tests fielen positiv aus. In der vergangenen Woche fielen von rund 157.000 Tests 1.187 positiv aus. Mit der Einrichtung von Sars-CoV-2-Testzentren für Einreisende ist das Testaufkommen in Deutschland nochmal deutlich angestiegen.

Das Robert Koch-Institut verzeichnet aber aktuell erhebliche Rückstaus in den Laboren. Es ist also davon auszugehen, dass die Neuinfektionszahlen durch Nachmeldungen noch steigen. In der vergangenen Woche etwa meldeten 70 Testlabore einen Rückstau von rund 32.400 abzuarbeitenden Proben. Zum Vergleich: In der letzten Juliwoche meldeten 24 Labore einen Rückstau von rund 2.000 Proben.

Stichwort: Corona-Testlabore Das Robert Koch-Institut erfasst die Testzahlen einmal wöchentlich. Sie werden deutschlandweit freiwillig aus Testlaboren gemeldet – dazu zählen Universitätskliniken, Forschungseinrichtungen, Testzentren sowie weitere klinische und ambulanten Labore. Die Erfassung liefert Hinweise zur aktuellen Laborsituation, erlaubt aber keine detaillierte Auswertung der Zahlen – zum einen, weil kein Anspruch auf Vollständigkeit besteht, zum anderen wurde die Datenerfassung mehrfach geändert.

Steigende Nachfrage, sinkende Kapazität

Da gleichzeitig mehr getestet wird und es zu Lieferengpässen bei weltweit steigender Nachfrage kommt, könnte sich die Testkapazität in deutschen Laboren weiter verringern. Mit der steigenden Anzahl der Proben und sinkender Testkapazität verlängert sich auch die durchschnittliche Bearbeitungszeit. In der Folge bekommen getestete Personen ihr Ergebnis später mitgeteilt. Auch die Gesundheitsämter werden mit größerem Zeitverzug informiert.

Entsprechende Infektionsschutzmaßnahmen könnten deshalb zu spät eingeleitet werden. Der Fokus muss dem RKI zufolge künftig auf der Sicherstellung von ausreichend Testkapazität liegen. In der vergangenen Woche meldeten bundesweit 165 Labore eine Testkapazität von mehr als 219.000 Tests pro Tag.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. September 2020 | 06:00 Uhr

4 Kommentare

Altmeister 50 vor 1 Wochen

Leider sagen die Positivtests nichts zur der Dramatik des Infektionsgeschehens. Hier wären exakte Zahlen zur Anzahl symptombehafteter Erkrankungen, Hospitalisierungsrate, Intensivbettenbelegung und der Erkrankung zuordenbare Todesfälle erforderlich.
Zur Aussagefähigkeit der verwendeten PCR- Tests muss man wissen, dass sich nur das Vorhandensein von SARS-CoV-2-Erbgut feststellen, nicht, ob aktuell vermehrungsfähiges Virenmaterial und damit ein Krankheitserreger im Sinne des deutschen Infektionsschutzgesetzes besteht. Um dies festzustellen, bedürfte es weiterer Tests, die aber regelmäßig nicht stattfinden. Insofern geht die Zählweise des RKI an der Definition des Infektionsschutzgesetzes vorbei. Noch ärgerlicher ist die Zählung des RKI bzgl. Todeszahlen "im Zusammenhang mit einer COVID-19-Erkrankung“. Nach IfSG gilt „Erkrankt ist ..,wer Symptome einer bestimmten übertragbaren Krankheit aufweist und diese Symptome diagnostisch bestätigt sind.“ Das kann der PCR-Test aber nicht liefern.

MDR-Team vor 1 Wochen

Hallo Egone,
diese Zahlen belegen doch aufschlussreich, dass die zahlreichen Schutzmaßnahmen helfen, die Pandemie weiterhin einzudämmen und unsere Krankenhäuser nicht zu überlasten. Was passiert, wenn die Medizinischen Einrichtungen durch Corona-Patienten überlastet werden, hat man ja leider eindrucksvoll in Teilen Italiens oder den USA gesehen.
Freundliche Grüße aus der MDR.de-Redaktion

Egone vor 1 Wochen

Da hier nur über Tests und Infizierte geschrieben wurde, hier aktuelle Zahlen der durch und/oder mit Covid-19 Verstorbenen im September 2020. Dazu darf man auch wissen, daß täglich ca. 2.500 Menschen in Deutschland versterben.
1.9.: 4 Tote; 2.9.: 11 Tote; 3.9.: 8 Tote; 4.9.: 1 Toter; 5.9.: 2 Tote; 6.9.: 1 Toter; 7.9.: 0 Tote; 8.9.: 4 Tote; 9.9.: 9 Tote; 10.9.: 3 Tote; 11.9.: 1 Toter; 12.9.: 5 Tote; 13.9.: 2 Tote; 14.9.: 1 Toter; 15.9.: 12 Tote; 16.9.: 6 Tote
Ein Vergleich dazu: In „D“ sterben wohl jährlich 10.000-20.000 Menschen durch Krankenhauskeime, also etwa 27-54 täglich. Auf diesen Septemberzeitraum bezogen, wären das 432 -864 Tote.
In den 16 Septembertagen starben in Deutschland insgesamt ca. 40.000 Menschen, davon 70 an/mit Covid-19, also 0,175% und evtl. ca. 500 durch Krankenhauskeime also etwa 1,25% . Falls die Krankenhäuser wieder normal voll sein sollten.