Pflegen und heilen Salben selbst gemacht

Ärger mit rissigen Hautpartien? Oder mit einer Nagelbettentzündung? Eine heilende Salbe können Sie oft ganz einfach selbst zusammenrühren. Viele der benötigten Zutaten haben Sie vielleicht ohnehin im Kühlschrank oder in der Speisekammer.

Herstellung von Lippen und Pfoten Salbe
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Salben sollen schützen, pflegen, die Haut nähren und heilen. Manche fördern an schmerzenden Stellen die Durchblutung, wir spüren dann eine angenehme Wärme. Andere kühlen, wenn wir uns verbrannt haben. Salbenzutaten können sowohl oberflächlich, also direkt auf der Haut, Wirkung zeigen, als auch in den Gewebeschichten darunter, zum Beispiel in den Muskeln.

Im Unterschied zu Cremes sollen Salben nicht so rasch in die Haut einziehen, sondern länger auf der Oberfläche bleiben. Cremes sind Mischungen aus Öl und Wasser. Je nach Anwendungsgebiet überwiegt entweder das Öl oder das Wasser. Für Salben hingegen wird bei der Zubereitung in der Regel kein Wasser verwendet.

Die Grundlage

Salben bestehen meist aus einer so genannten Salbengrundlage, in die dann weitere, wirksame Zutaten eingearbeitet werden. Für diese Basis der Zubereitung werden Fette, Wachse oder Öle verwendet. In der Volksheilkunde (lange Zeit aber auch in der Apotheke) wurde dafür nicht selten Butter, oder auch Schweineschmalz eingesetzt. Hinter der lateinischen Bezeichnung "Adeps suillus" oder "Axungia porci", die mitunter auf alten Apothekergefäßen zu lesen ist, verbarg sich nichts weiter als simples Schweinefett. Für eine einfache Wundsalbe gab man zum Beispiel Ringelblumenblüten in erhitztes Schmalz und ließ die Mischung abkühlen. Rezepte für Salben auf Schmalzgrundlage werden auch heute noch immer wieder empfohlen – Ausprobieren lohnt sich!

In der Apotheke stehen, wie auch bei der Salbenzubereitung zu Hause, inzwischen andere Grundlagen im Vordergrund. Zu den häufigsten zählen Vaseline, Wollwachs (Lanolin) oder Bienenwachs.

Vaseline wird aus Erdöl hergestellt. Mancher befürchtet, dass damit über die Haut bestimmte schädliche Kohlenstoffverbindungen aufgenommen werden, die häufig in Mineralölprodukten zu finden sind. Für diese Sorge gibt es aber laut Bundesinstitut für Risikobewertung .wenig Anlass,

Nevermind sollte eigentlich Sheep heißen
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Wollwachs (Lanolin) lässt sich gewinnen, wenn Schafwolle nach der Schur gewaschen wird. Es stammt aus den Talgdrüsen der Tiere. Für die Verwendung in Salben ist vor allem eine Eigenschaft des Wollwachses interessant – es kann Wasser bzw. in Wasser gelöste Zutaten gut aufnehmen. Außerdem hat es Einfluss auf den Wasseraustausch durch die Haut, es vermag die Haut zu schützen und die Heilung kleinerer Wunden zu beschleunigen. Nachteilig sind die allergieauslösenden Eigenschaften bestimmter Bestandteile von Lanolin.

Auch Bienenwachs ist ein Naturprodukt. Es stammt aus den Wachsdrüsen der Bienen und wird in den Bienenwaben verbaut. Für die Verwendung in Medizin und Kosmetik wird das Wachs aufbereitet, seine durch Blütenbestandteile gelbe Farbe weicht dann einem reinen Weiß.

Bei der Salbenzubereitung zu Hause können Olivenöl oder Sonnenblumenöl zum Zuge kommen. Um der Salbe Festigkeit zu verleihen, kommen zusätzlich Kakaobutter oder Sheabutter infrage. Auch Pflanzenwachse wie Rosenwachs oder Carnaubawachs werden häufig eingesetzt.

Was kommt rein – und was nicht?

Wer Salben selbst anrührt, hat die Auswahl der Zutaten selbst in der Hand. Das kann vor allem für Menschen von Vorteil sein, die empfindlich auf Duft- oder Konservierungsstoffe reagieren, ohne die industriell hergestellte Salben in der Regel nicht auskommen. Das bedeutet aber auch: Salben aus dem eigenen Tiegel sind meist nicht besonders haltbar und verderben leicht. Also besser immer nur kleine Mengen herstellen und bei der Entnahme nicht mit den bloßen Fingern hineingreifen, sondern einen Holz- oder Kunststoffspatel benutzen.

Welche Kräuter für welche Salbe?

Um heilsame Inhaltsstoffe aus Pflanzen in eine Salbe zu bringen, empfehlen sich vor allem ölige Zubereitungen. Das können ätherische Öle sein, mit denen sich zusätzlich ein angenehmer Duft erzielen lässt. Sie können aber auch aus Ihren Lieblingskräutern selbst einen öligen Auszug herstellen. Am einfachsten ist ein kalter Auszug. Dazu möglichst trockene Pflanzenteile in ein Gefäß geben und ganz mit dem Basisöl bedecken. Mehrere Wochen ziehen lassen, dann abseihen.

Besonders häufig kommen folgende Kräuter in die Salbe:

Blüten der Ringelblume
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Ein wahres "Hautwunder" und ein echter Klassiker in vielen Heilsalben ist die Ringelblume. Sie beruhigt die Haut, unterstützt die Wundheilung und hemmt Entzündungen. Aber Vorsicht, Ringelblume ist ein Korbblütler und kann Allergien auslösen!

Der prächtige Lavendel duftet, und seine ätherischen Öle stecken voller Heilkraft. Vorausgesetzt, es ist der echte, der Arznei-Lavendel. Die Inhaltsstoffe der Blüten wirken antibakteriell und entzündungshemmend. So wird Lavendel empfohlen bei Haut, die zum Beispiel durch allergische Reaktionen oder Ekzeme gestört ist.

Die dritte Heilpflanze überrascht vielleicht. Dass Johanniskraut Hautprobleme lindert, ist noch wenig bekannt. Pflege mit Johanniskrautöl lindert Juckreiz und ist besonders für empfindliche, trockene und gereizte Haut geeignet. Aber Vorsicht – wer eine Sonnenallergie hat, meidet das Kraut lieber.

Wer keinen eigenen Garten hat, kann auch auf Wiesen und an Waldrändern fündig werden. Hier stechen zwei Heilpflanzen heraus:

Indianerpflaster: Spitzwegerich mit Gras um den Daumen gewickelt
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Spitzwegerich wird auch Heilwegerich genannt, weil seine Inhaltsstoffe Husten lindern können. Die spitzen Blätter wirken aber auch auf der Haut. Sie desinfizieren kleine Wunden und fördern die Heilung.

Das letzte Kraut im Bunde ist Beinwell. Es tut nicht nur den "Gebeinen" gut, wie der Name vermuten lässzt, sondern auch der Haut. Seine Wurzeln enthalten unter anderem Allantoin, ein Stoff, der wundreinigend wirkt, Entzündungen bekämpft und die Haut zur Neubildung anregt.

Kräuteressenzen können Salben und Cremes verfeinern. Wer unsicher ist, welche zu seiner Haut passen, sollte sich fachkundige Anleitung holen, zum Beispiel in Kräuterkursen.

Salben-Rezepte von Apothekerin Anne-Kathrin Habermann

Honig-Olivenöl-Bienenwachs-Salbe

Diese einfache Salbe hilft bei der Behandlung rissiger Hautstellen und kleiner Wunden. Sie eignet sich aber auch, um die Haut bei Psoriasis zu beruhigen und wirkt zudem gegen Hämorrhoiden. Die Salbe überzieht die Haut mit einer schützenden Schicht und bewahrt sie vor weiteren Reizungen. Der Honig hält Bakterien klein. Das unterstützt die Haut beim Abheilen.

Zubereitung: 50 Gramm kalt gepresstes Olivenöl und 25 Gramm Bienenwachs (aus der Apotheke oder im Internet erhältlich) in ein Schälchen geben und im heißen Wasserbad schmelzen lassen. Dann die Schale in ein kaltes Wasserbad stellen und unter Rühren langsam erkalten lassen. Wenn die Mischung eine Temperatur von etwa 40 Grad erreicht hat, nach und nach 25 Gramm flüssigen Bio-Honig einrühren. Anschließend die Salbe in eine Cremedose oder in ein Schraubglas füllen. Etwa zweimal täglich auftragen.

Honig-Meerrettich-Salbe

Geriebener Meerrettich
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Eine Honig-Meerrettich-Salbe kann bei einer Nagelbettentzündung Linderung verschaffen. Hintergrund: Der Honig hat eine wundheilende Wirkung. Im Meerrettich stecken Senföle, die eine leicht antibiotische Wirkung haben und damit Entzündungserreger bekämpfen können.

Für die Salbe werden neun Teelöffel Honig mit einem Teelöffel fein geriebenem Meerrettich vermischt. Sie können stattdessen auch den geriebenen Meerrettich durch ein Tuch auspressen und den Saft zum Honig geben. Die Mischung dreimal täglich auf die entzündete Stelle auftragen und zehn Minuten einwirken lassen. Anschließend abspülen und das Nagelbett mit einer Pflegesalbe behandeln. Achtung: Wenn Hautreizungen auftreten, die Behandlung abbrechen!

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 23. Januar 2020 | 21:00 Uhr