Zwei Kinder im Vorschulalter spielen auf einer Couch sitzend mit ihren Tabletts
Kleine Kinder sollten sich nicht zu oft mit Tablets oder Smartphones beschäftigen. Bildrechte: Colourbox.de

Kinder- und Jugendärzte mahnen "Kein Smartphone für Kinder unter elf Jahren"

Schadet Kindern die übermäßige Nutzung von Smartphones? "Ja", sagt Thomas Fischbach, der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte. Er fordert "Kein Smartphone unter elf Jahren" - und warnt vor einem medialen Dauerbeschuss und vor katastrophalen Folgen für die kindliche Entwicklung. Eltern parkten ihren Nachwuchs vor den Geräten und brächten ihren Kindern nicht mehr bei, zu spielen oder sich sinnvoll zu beschäftigen, so Fischbach. Hat er Recht?

von Andre Seifert, MDR AKTUELL

Zwei Kinder im Vorschulalter spielen auf einer Couch sitzend mit ihren Tabletts
Kleine Kinder sollten sich nicht zu oft mit Tablets oder Smartphones beschäftigen. Bildrechte: Colourbox.de

Was Smartphones angeht, hat Jens Weichelt eine klare Meinung: Sie seien ein großes Problem für Kinder und ihre Entwicklung, sagt der Lehrer an einem Gymnasium in Limbach-Oberfrohna. Weichelt beobachtet immer schlechtere Leistungen der Schüler. Er macht eine exzessive Smartphone-Nutzung dafür verantwortlich, zum Beispiel im Deutschunterricht. "Es ist ganz schwierig für solche Schüler, gute Aufsätze zu schreiben. Aber selbst Sätze fehlerfrei von der Tafel abzuschreiben, ist kaum noch möglich, wenn Kinder so häufig Smartphones nutzen."

Empfehlung: Bildschirmzeit einschränken

Jens Weichelt
Jens Weichelt Bildrechte: dpa

Statistiken zeigen: Schon ab sechs nutzt in Deutschland jedes zweite Kind regelmäßig ein Smartphone. Ab zehn Jahren haben drei von vier Kindern dann ein eigenes, mit dem sie chatten, Musik hören oder youtuben. Jens Weichelt, der auch Chef des Sächsischen Lehrerverbands ist, sieht das sehr kritisch, und zwar nicht nur bei unter 11-Jährigen. "Selbst bei Kindern ab zwölf Jahren sollte sich die Smartphone-Nutzung oder überhaupt die Nutzung digitaler Medien auf maximal zwei Stunden am Tag beschränken", meint der Lehrer.

Studien zeigen: Konzentration leidet

Wissenschaftler sehen das zwar differenzierter. Doch dass eine übermäßige Handy-Nutzung der Entwicklung schadet, haben viele Studien inzwischen aufgezeigt, beispielsweise die BLIKK-Studie mit 5.000 Kindern. Sie kam vor zwei Jahren zu dem Ergebnis, dass ein erhöhter Medienkonsum zu Hyperaktivität sowie Konzentrations- und Sprachentwicklungsstörungen führen kann. Andere Studien zeigten, dass die permanente Kommunikation zum Beispiel über WhatsApp oder Instagram stressen kann. Jeder vierte Teenager, so ergab eine weitere Untersuchung, lasse sich sogar nachts von Smartphone-Meldungen wecken. 

Ärzte mahnen, Kinder nicht sich selbst zu überlassen

Melanie Ahaus kann all das aus ihrem Alltag bestätigen. Sie ist Kinderärztin und Sprecherin des Kinder- und Jugendärzteverbands Sachsen. Sie sagt aber auch: Verbannen sollte man die Geräte deshalb nicht. "Die Kinder sehen uns als Eltern jeden Tag damit umgehen. Wir sind das Vorbild, die Kinder ahmen uns nach. Deshalb kann man es nicht komplett verbieten. Schwierig ist es, die Kinder sich damit selbst zu überlassen. Da sind wir als Eltern und als Kinderärzte extrem gefordert, aufzupassen und unser Kind zu beaufsichtigen."

Kurzsichtigkeit nimmt deutlich zu

Gegen eine maßvolle Nutzung sei nichts einzuwenden, schon allein damit Kinder und Jugendliche in der Klasse nicht ausgegrenzt würden, sagt Melanie Ahaus weiter. Viele Wissenschaftler und Mediziner sprechen sich deshalb dafür aus, den Kindern die Zeit am Bildschirm zu begrenzen. Tue man dies nicht, könnten die Kinder auch körperliche Schäden davon tragen. Davor warnt auch der Leipziger Augenarzt Ilja Kotomin. 
 
"Die Kurzsichtigkeit nimmt im Schulalter deutlich zu. Das hat folgende Ursachen: Zum einen wächst beim Kind das Auge. Und zum anderen haben die Kinder heutzutage viele Aufgaben, die sie in der Nähe machen: Das ist Lesen, Gucken auf Smartphone oder Tablets." Laut Ilja Kotomin ist jedes dritte Kind im Alter von zehn, elf Jahren kurzsichtig. Ärzte empfehlen für einen Ausgleich zum Smartphone zu sorgen, also Sport oder sich mit Freunden treffen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. November 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. November 2019, 06:33 Uhr

4 Kommentare

wwdd vor 1 Wochen

Jetzt müßte eigentlich nur noch kommen:"...und deshalb später dann AfD wählen." Gott sei Dank habe die Eltern (noch) die Freiheit, zu entscheiden was für ihre Kinder richtig ist.

Felix vor 1 Wochen

Meinen Sie das ernst oder wollen Sie nur provozieren? Haben Sie den Artikel auch richtig gelesen und verstanden? Es wird doch nicht abgestritten, dass ein Smartphone Kinder nicht beschäftigen kann. Das Problem ist, dass Kinder mit Smartphones das normale Spielen verlernen und auch andere Kompetenzen verloren gehen. Die Kinder werden dümmer, unkonzentrierter und im schlimmsten Fall können Sie krank werden. Das die Leistungen seit Jahren rückläufig sind, kann man in vielen Studien - aber auch selbst - sehen. Wir tuen den Kindern nichts Gutes, wenn wir sie vor das Smartphone oder das Tablet setzen. Man muss deswegen die Geräte nicht verteufeln, doch über eine wohlportionierte und sinnvolle Nutzung sollte man nachdenken. Und: Kinderärzte und Psychologen haben definitiv in 99% der Fälle mehr Ahnung als Eltern (es sei denn, Eltern sind Kinderärzte oder Psychologen). Es ist schon eine ordentliche Portion Arroganz, dies in Frage zu stellen. Und zur App: Ja, ein Schritt weiter zur Verblödung!

Chemnitzer vor 1 Wochen

An wwdd:
Wenn Kinder mit in Fabriken mitgenommen wurden oder selbst dort Kinderarbeit verrichten mussten, wie das im 19.Jhd. war, dann ging es den Kindern schlecht und die Kindersterblichkeit war gross. Heute haben wir viel Potential, um unsere Kinder gesund und kindgerecht aufwachsen zu lassen. Da muss man sich aber als Eltern kümmern und seiner Verantwortung gerecht werden. Auch für Grosseltern ist es nicht einfach, denn sie wollen nur das Beste für ihre Enkel, kommen aber manchmal mit den eigenen Kindern deswegen in Konflikt, die schon ganz kleine Kinder an diese Technik heran lassen. Dabei haben diese Kleinkinder noch gar keine Kompetenz. Auch wenn sie toben würden, ich bin gegen Smartphons im Kindesalter.