Hormonhaushalt Wenn die Schilddrüse aus dem Lot ist

Entweder ständig müde, ohne Antrieb und depressiv - oder dauernd nervös, mit Herzrasen und voller Unruhe: Die Bandbreite der Beschwerden, die von der Schilddrüse kommen können, ist groß. Knoten oder Autoimmunerkrankungen können ihre Funktion stören.

von Cornelia Birr

Darstellung eines Strumas.
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Winzig, aber wichtig

Bei den meisten Menschen wiegt die Schilddrüse gerade einmal so viel wie eine Scheibe Toastbrot – zwischen zwanzig und dreißig Gramm. Dabei ist sie die größte Hormondrüse in unserem Körper, die neben dem Blutdruck auch den Stoffwechsel und damit das Körpergewicht beeinflusst. Die beiden wichtigsten Schilddrüsenhormone heißen Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4). Sie sind beteiligt an der Umwandlung der aufgenommenen Nahrung in Energie für den Körper, sorgen dafür, dass der Zucker aus der Nahrung verbrannt wird, unser Herz schneller schlägt und unsere Körpertemperatur steigt.

Funktioniert die Schilddrüse nicht richtig, kann das Einfluss auf den gesamten Organismus haben. Eine Überfunktion, die so genannte Hyperthyreose, erhöht beispielsweise das Risiko für Herz-Kreislauf-Leiden und Schlaganfall. Mögliche Symptome sind Herzrasen, Nervosität und Gewichtsabnahme. Häufig liegen einer Überfunktion ein Morbus Basedow oder Schilddrüsenknoten zugrunde.

Korrekte Dosis finden

Frau fasst sich an den Hals.
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Werden zu wenig Schilddrüsenhormone ausgeschüttet, spüren Patienten das nicht unbedingt. "Oft findet man erst bei schwersten Unterfunktionen Beschwerden wie Gewichtszunahme, Müdigkeit, Wassereinlagerungen, Herzbeschwerden oder Antriebsmangel bis hin zu Depressionen", sagt die Leipziger Endokrinologin Dr. Kathrin Drynda. Häufigste Ursache einer Unterfunktion oder Hypothyreose sind Autoimmunerkrankungen, bei denen die Zellen der Schilddrüse von weißen Blutkörperchen zerstört werden; in seltenen Fällen ist die Störung angeboren. Nebenwirkungen von Medikamenten können ebenfalls eine Rolle spielen. Auch nach einer Radiojodbehandlung oder nach Entfernung der Schilddrüse fehlen die entsprechenden Hormone und müssen zugeführt werden.

Nicht alle Patienten fühlen sich mit der medikamentösen Korrektur auf Anhieb optimal. Das kann zum einen an der Dosis liegen – die korrekte Einstellung erfordert häufig Feinarbeit. "Oft hatten die Patienten vor der Einnahme längere Zeit keine normalen Werte, so dass nach deren Normalisierung erst eine Gewöhnung eintreten muss", erklärt Kathrin Drynda. Deshalb würden die Medikamente häufig erst nach und nach angepasst. In seltenen Fällen können Patienten eine Umwandlung des Hormon T4, das in den Tabletten enthalten ist, in das aktive T3 nicht durchführen. "Hier wird dann ausnahmsweise eine Kombination von T4 und T3 gegeben", so Drynda.

Operation nicht immer nötig

Schilddrüsenknoten lassen sich in Deutschland bei jeder dritten Frau ab 45 Jahren und jedem vierten Mann in dieser Altersklasse nachweisen. Unterschieden wird in heiße und kalte Knoten. Ein heißer Knoten produziert mehr Hormone als das umgebende Gewebe. Er kann zum Beispiel durch Jodmangel entstehen. Bildet ein Knoten hingegen keine Hormone, wird er als kalt bezeichnet. Kalte Knoten sind häufig Folgen einer Entzündung. Nicht in jedem Fall muss man eingreifen: "Behandeln muss man Knoten, wenn sie eine Ursache für eine Überfunktion darstellen, wenn sie wachsen und damit örtliche Beschwerden wie Druckgefühl oder Luftnot verursachen, und immer dann, wenn der Verdacht besteht, dass sie bösartig sind", sagt Kathrin Drynda. Selbst dann muss nicht gleich operiert werden: "Bei Knoten mit unkontrollierter Überfunktion ist eine Radiojodtherapie geeignet. Oft wird auch nur eine Seite der Schilddrüse entfernt." Eine Komplettentfernung sei angezeigt, wenn große bösartige Knoten nachweisbar sind oder wenn die Überfunktion beispielsweise durch Morbus Basedow verursacht ist.

Wie oft zur Kontrolle?

Bestehen Beschwerden oder liegen andere Hinweise auf eine Schilddrüsenerkrankung vor, sollten die Werte zur Diagnostik ermittelt werden, um eventuelle Fehlfunktionen auszugleichen. Die anschließenden Kontrollabstände sind abhängig von der Erkrankung: "Bei schweren Entgleisungen, zum Beispiel. im Rahmen einer akuten Überfunktion, werden die Werte schon mal nach einer Woche kontrolliert, nach Dosisanpassung bei Unterfunktion nach vier bis acht Wochen", sagt Kathrin Drynda. Bei einer Gabe von Schilddrüsenhormonen und stabilem Verlauf kontrolliere man in der Regel einmal jährlich, während einer Schwangerschaft wiederum häufiger. Bei Menschen mit einer gesunden Schilddrüse müssen keine regelmäßigen Kontrollen durchgeführt werden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 21. November 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. November 2019, 13:57 Uhr