Röntgenaufnahme eines implantierten Zungenschrittmachers
Röntgenaufnahme eines implantierten Zungenschrittmachers Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Atemaussetzer im Schlaf Gefährliche Schlafapnoe: So helfen Maske und Zungenschrittmacher

Schnarchen ist lästig – und kann gefährlich werden. Kommen Atemaussetzer dazu, drohen chronische Tagesmüdigkeit, Sekundenschlaf und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ein Zungenschrittmacher kann als letzte Option helfen.

von Jana Olsen

Röntgenaufnahme eines implantierten Zungenschrittmachers
Röntgenaufnahme eines implantierten Zungenschrittmachers Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Atemaussetzer in der Nacht: Was hilft bei Schlafapnoe?

Jeden Morgen fühlte die Thüringerin Andrea Rödiger müde, schlapp und wie gerädert. Ihr Schnarchen machte zwar ihrem Mann zu schaffen, doch das war nicht die Ursache für ihr Erschöpftsein. Es stellte sich heraus, dass die 60-Jährige unter einer Schlafapnoe leidet. Dabei erschlafft in der Nacht die Zungen- und Rachenmuskulatur so sehr, dass die Atemwege zufallen. Es kommt im Schlaf immer wieder zu Atemaussetzern.

Risiko Schlafapnoe

Bei einer Schlafapnoe wird der Schlaf massiv gestört, Patientinnen und Patienten sind tagsüber dauermüde oder fallen sogar in den gefürchteten Sekundenschlaf. Das ist lebensgefährlich im Straßenverkehr. Das Risiko für Bluthochdruck, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall steigt.

Der Körper schiebt gerade in den Tiefschlafphasen Heilungsprozesse an. In dieser Zeit "reparieren" sich Körper und Seele gewissermaßen selbst – aber eben nur bei ausreichendem und erholsamem Schlaf. Wenn aber Schnarchen und Apnoe die Nächte "zerhackten", schwächt das den Körper.  

Diagnose im Schlaflabor

Patientin Andrea Rödiger
Seit sie ohne wieder Atemaussetzer schlafen kann, fühlt sich Andrea Rödiger wie neugeboren. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Besteht der Verdacht auf eine Schlafapnoe, bringt eine Nacht im Schlaflabor Klärung. Dabei schläft der Patient voll verkabelt und wird die ganze Nacht überwacht. Bei Andrea Rödiger zeigt die Untersuchung 28 Atemaussetzer pro Stunde, teilweise mehr als zehn Sekunden lang. Das ist dringend behandlungsbedürftig. Eine operative Straffung des Gaumens, wie es bei manchen Patienten gemacht wird, oder eine Schnarchspange kommen in so einem Fall nicht in Frage. Sie bekommt zunächst die Standardtherapie: die sogenannte C-PAP-Maske. Bei diesen Schlaf-Masken wird mit Hilfe eines Gebläses Luft mit Überdruck in die Lunge gepresst.

Eine Maske für einen besseren Schlaf

Schlafmaske gegen Apnoe
Zusammen mit einem Atemgerät wirkt die Maske Atemaussetzern entgegen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Diese Masken gibt es in unterschiedlichen Größen und Ausführungen. Sie werden im Schlaflabor individuell angepasst und die ganze Nacht getragen. Vielen Patienten hilft das. "Als Gesunder kann man sich nicht vorstellen, so etwas zu tragen. Aber den Betroffenen ist das häufig egal. Die meisten fühlen sich morgens wie neugeboren", sagt Prof. Matthias Schwab, Schlafmediziner an der Uniklinik Jena. Doch nicht alle Patienten kommen mit der Maske zurecht. Bei manchen verrutscht sie, es gibt Druckstellen oder sie fühlen sich durch die Geräusche des Gerätes gestört. Auch für Andrea Rödiger ist die Maske keine Option von Dauer. Daher entscheidet sie sich, einen Zungenschrittmacher einsetzen zu lassen.

Letzte Option: Zungenschrittmacher

In den letzten fünf Jahren haben erst acht Patienten an der Uniklinik Jena einen Zungenschrittmacher eingesetzt bekommen. Er besteht aus einem Atemsensor, einer Stimulationselektrode und einem Generator. Unter Vollnarkose wird das System mit drei kleinen Schnitten unter die Haut an Kinn und Hals eingesetzt.

Es misst dann den Atemrhythmus des Patienten und passt sich der natürlichen Atemfrequenz an. Allerdings sind nur etwa 20 Prozent aller Schlafapnoe-Patienten für den Zungenschrittmacher geeignet. "Das geht nur bis zu einem gewissen Körpergewicht. Und man muss eine Endoskopie im Schlaf machen, um zu schauen, ist der Hauptverschlussort da, wo es eng wird, also der Bereich, wo die Zunge ist", erklärt Oberärztin Dr. Gerlind Schneider, die an der Uniklinik Jena Patienten mit einem solchen Zungenschrittmacher betreut.

Zwei Jahre ist der Eingriff bei Andrea Rödiger jetzt her. Mit einer Fernbedienung schaltet sie seitdem jeden Abend vor dem Zubettgehen den Zungenschrittmacher ein. Der stimuliert dann mit einem sanften Impuls die ganze Nacht die Zungenmuskulatur. So wird verhindert, dass die Zunge im Schlaf zurückfällt. Die Atemwege bleiben frei. Bei Andrea Rödiger funktioniert das gut: "Als ich das erste Mal früh aufgeweckt bin, war ich frisch und voll da, wie neu geboren." Endlich kann sie wieder richtig schlafen.


Schlaftabletten – Segen und Fluch

Schlaftabletten als Hilfsmittel
Schlaftabletten eignen sich nicht als dauerhafte Lösung. Bildrechte: Colourbox

Schlafmittel gehören zu den meistverkauften Arzneimitteln in den deutschen Apotheken. Menschen mit Ein- oder Durchschlafproblemen greifen in ihrer Not oft darauf zurück. Nach qualvoll durchwachten Nächten scheint die erste Nacht mit der Schlaftablette auch wie eine wundervolle Heilung. Kurzfristig eingesetzt können solche Mittel durchaus hilfreich sein, denn sie wirken beruhigend, entspannend und angstlösend. Doch Vorsicht! Schon nach wenigen Wochen kann sich bei einigen Wirkstoffen eine Abhängigkeit entwickeln. Allein von der verschreibungspflichtigen Wirkstoffgruppe der Benzodiazepine sind in Deutschland rund eine Millionen Menschen abhängig.

Besonders ältere Patienten sollten mit Schlaftabletten vorsichtig sein, da die Leber bei ihnen die Wirkstoffe langsamer abbaut. Dadurch kann es passieren, dass sie auch am Tag danach schläfrig sind, Probleme bei der Gangsicherheit oder beim Autofahren haben. Solche "Überhangeffekte", wie es Mediziner nennen, können nicht nur bei rezeptpflichtigen Schlafmitteln auftreten, sondern auch bei freiverkäuflichen. Für Patienten mit einer Schlafapnoe sind Schlaftabletten eher kontraproduktiv, denn sie können die Dauer der Atemaussetzer sogar noch verlängern.


Tipps zum Einschlafen

Liegen keine organischen Probleme vor, helfen manchmal auch einfache Tricks, besser zu schlafen:

Bewegung an der frischen Luft macht müde. Wer tagsüber draußen aktiv war, kann abends besser schlafen.

Entspannungstraining wie Achtsamkeitsmeditation hilft abzuschalten. Wer regelmäßig kleine Übungen macht, kann sie beim Einschlafen auch abrufen.

Frau in der Badewanne
Wer entspannen kann, findet oft auch besser in den Schlaf. Bildrechte: Colourbox.de

Ein warmes Bad entspannt und sorgt für die nötige Bettschwere. Badezusätze mit Hopfen, Melisse und Baldrian oder Aromaölen wirken zusätzlich beruhigend.

Frische Luft im Schlafzimmer fördert den Schlaf. Die ideale Schlaftemperatur liegt bei etwa 18 Grad.

Tagebuch schreiben ist eine gute Methode, um sich Stress und Ärger von der Seele zu schreiben. Wer abends nicht aufhören kann, über die Probleme des Tages zu grübeln, kann alles aufschreiben, was ihn oder sie gerade bedrückt. So lassen sich die Sorgen bewusst "weglegen".

 "Elektrosmog" durch Fernseher, Handy oder Leuchtuhren verhindern dagegen die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin. Diese Geräte sollten möglichst aus dem Schlafzimmer verbannt werden.

Vom Strand träumen. Gut, dass die Wissenschaft immer mal Jahrhunderte alte Einschlafrituale auf die Probe stellt. Schäfchen zählen gehört nämlich nachweislich nicht zu den empfehlenswerten Einschlaftipps. Forscher der Universität Oxford machten schon 2001 die Probe aufs Exempel und ließen eine Testgruppe Schäfchen zählen, die andere sollte sich eine entspannte Szene wie einen Traumstrand vorstellen. Die Strand-Gruppe schlief im Schnitt 20 Minuten früher ein.


Entspannendes Aromaöl

Aromatherapeutin Tuula Misfeld aus Leipzig empfiehlt bei Einschlafstörungen ein selbstgemachtes Aromaöl. Es hilft, abends besser zur Ruhe zu kommen, die Probleme des Tages loszulassen und Entspannung zu finden. Das Aromaöl kann vielseitig eingesetzt werden. So kann es beispielsweise als Einreibung für Brust, Hals oder Schläfen genutzt werden. Auch für eine entspannende Fußmassage ist es geeignet. Außerdem kann man damit ein wohltuendes Vollbad nehmen.

Zutaten:
100 ml Mandelöl
6 Tropfen Zirbelkiefer
7 Tropfen Tonkabohne
13 Tropfen Mandarine "rot" 

Zubereitung:
Die Aromaöle nach und nach in das Mandelöl tropfen, vermischen und anschließend gut verschließen. Das Öl kann direkt auf die Haut aufgetragen werden. Bei einem Vollbad kommen etwa 10 bis 15 ml in eine Wanne mit warmem Badewasser.

So wirkt es:
Zirbelkiefer duftet nach Holz, vertieft die Atmung und reduziert den Stress. Das ätherische Öl der Tonkabohne riecht süßlich und erinnert an Mandeln und Marzipan. Es wirkt ausgleichend sowie entkrampfend und wird daher auch häufig in Anti-Schmerzölen verwendet. Mandarine "rot" duftet fruchtig und wirkt entspannend und schlaffördernd.

Vorsicht: Nach einem Fuß- oder Vollbad nicht barfuß laufen. Mit den eingeölten Füßen kann man leicht auf den Fliesen im Badezimmer ausrutschen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 14. November 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2019, 13:58 Uhr