Corona-Pandemie Wie sind die Kliniken in Mitteldeutschland aufgestellt?

In Mitteldeutschland haben sich nach aktuellen Zahlen der Länder und Kommunen 4.231 Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Wer von ihnen starke Symptome aufweist, muss im Krankenhaus behandelt werden. Noch ist die Zahl derer, die schwer an Covid-19 erkrankt sind, vergleichsweise gering. Doch die Kliniken in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sollen sich auf deutlich mehr Covid-19-Patienten einstellen. Sind sie darauf vorbereitet?

Krankenschwester Cornelia Möller prüft ein Beatmungsgeräte in einem Zimmer der Intensivstation in der Helios-Klinik.
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Bereits seit Wochen ist klar, dass es in Deutschland zu wenig Schutzkleidung für medizinisches Personal gibt. Das Bundesgesundheitsministerium hatte immer wieder betont, sich um Nachschub zu bemühen, damit vor allem Kliniken versorgt sind. Auch die Länder selbst wollten aktiv werden, um dem steigenden Bedarf an Schutzkleidung gerecht zu werden. Und tatsächlich gibt es den Krisenstäben der mitteldeutschen Länder zufolge erste Ergebnisse.

Schutzkleidung: Erste Lieferungen angekommen

Laut dem Sozialministerium in Sachsen sind erste Lieferungen vom Bund eingegangen und werden insbesondere an Krankenhäuser weitergegeben. Konkreter fällt die Antwort des Sozialministeriums in Thüringen aus: Der Freistaat habe mit Hilfe vom Bund seit etwa einer Woche rund 67.000 FFP2- und FFP3-Masken, 30.000 OP-Masken, 1,4 Millionen Handschuhe und knapp 1.500 Schutzkittel beschaffen können. Aus Sachsen-Anhalt hieß es: "In den vergangenen Tagen ist mit der Bereitstellung von Schutzmaterialen an die Landkreise und kreisfreien Städte begonnen worden. Es handelte sich dabei um erste kleine Teillieferungen der vom Bund avisierten Materialien."

Doch es herrscht weiterhin Mangel. Vor allem die zuständigen Ministerien in Sachsen und Sachsen-Anhalt beklagen, dass zwar Bestellungen ausgelöst wurden, es jedoch keine verlässlichen Angaben darüber gebe, wann welche Mengen geliefert würden.

"In den Krankenhäusern ist die Situation angespannt"

Wir wissen um den großen Bedarf an Persönlicher Schutzausrüstung, vor allem an Masken, in allen Bereichen. Wir bemühen uns sehr, diesen Mangel zu mildern. Auch in den Krankenhäusern ist die Situation angespannt. Wir möchten Ihnen versichern: Wenn wir Lieferungen erhalten, werden diese nach bestem Wissen und Gewissen verteilt.

Sozialministerium Sachsen-Anhalt

Auch die Anfrage bei den zehn größten Krankenhäusern in Mitteldeutschland zeigt: Die Situation ist oft unübersichtlich, verlässliche Informationen gibt es aktuell nicht. Nach Aussage mehrere Kliniken ändere sich die Versorgungssituation mit Schutzkleidung teilweise stündlich.

Ressourcen schonen

Das Städtische Klinikum in Dresden versucht deshalb seit einigen Tagen besonders sparsam mit Einmal-Mundschutzmasken umzugehen. Um deren Verbrauch zu reduzieren, tragen Pfleger den Angaben zufolge genähte Mund-Nasen-Masken. Aus dem Klinikum heißt es dazu: "Textiler Mundschutz schützt etwa so gut wie einfache OP-Masken. Wer in der Pflege arbeitet, wird mit den selbstgenähten Masken ausgerüstet. Am Abend werden sie eingesammelt, aufbereitet und stehen am nächsten Tag wieder bereit." Allerdings schützten sie – genau wie einfach OP-Masken - nicht vor "externer Virenlast, die auf das Personal einwirkt." Auch das Uniklinikum Dresden verwendet nach eigenen Angaben zurzeit selbstgenähte Mund-Nasen-Masken für Mitarbeiter der Verwaltung.

Aufgrund der aktuellen Versorgungsengpässe hat der Krisenstab der Bundesregierung nun Vorschläge eingereicht, wie die vorhandenen medizinischen Atemschutzmasken länger halten sollen: OP-Masken und FFP- Masken könnten unter bestimmten Voraussetzungen wiederverwendet werden. Allerdings sei ein Wiederaufbereiten in den Kliniken höchstens drei Mal pro Maske möglich und soll vorerst nur in den kommenden sechs Monaten erlaubt sein. In der Zwischenzeit will das Gesundheitsministerium dafür sorgen, dass die dringend benötigten Masken in Deutschland produziert werden.

Ausbau der Intensivbetten schreitet voran

Zeitgleich bemühen sich auch die Kliniken, deutlich mehr Intensivbetten zur Verfügung zu stellen. Sachsen-Anhalt meldet 532 Betten mit Möglichkeit zur maschinellen Beatmung – zwei Drittel von ihnen könnten für die Beatmung von Covid-19-Patienten freigehalten werden. Für fast 300 weitere Betten gebe es Technik und Personal. Eine Verdopplung der Kapazitäten könne aber nur mit zusätzlichen Beatmungsgeräten erreicht werden. Die müsse allerdings der Bund beschaffen.

Das Gesundheitsministerium in Thüringen spricht von 517 Intensivtherapiebetten mit Beatmung. 270 zusätzliche Betten könnten in den Krankenhäusern innerhalb von 24 Sunden aufgestellt und betrieben werden. In Thüringer Krankenhäusern seien rund 328 Beatmungsplätze verfügbar, davon seien 240 freie Intensivtherapiebetten. Um deutlich mehr Plätze zu schaffen, habe der Freistaat ebenfalls um Hilfe vom Bund gebeten. Thüringen hat den Angaben zufolge einen Bedarf von 780 zusätzlichen Beatmungsgeräten gemeldet.

Aus dem Sozialministerium in Sachsen hieß es: "Für die Behandlung schwerer klinischer Krankheitsverläufe stehen ca. 1.422 Betten auf Intensivstationen zur Verfügung. Davon sind 1.220 mit Beatmungsgeräten ausgestattet, davon wiederum sind rund 39 Prozent frei. Die Krankenhausgesellschaft strebt einen weiteren Ausbau der Bettenkapazität an."

Kliniken planen um

Damit Betten frei sind und das medizinische Personal sich um mögliche Covid-19-Patienten mit schweren Verläufen kümmern kann, haben viele Krankenhäuser planbare Eingriffe verschoben. Die Ambulanzen der Uniklinik Leipzig beispielsweise arbeiten nach eigenen Angaben nur noch sehr eingeschränkt. Außerdem würden freiwillige Helfer wie Medizinstudierende eingesetzt. Auch das Klinikum Sankt Georg in Leipzig sieht sich aktuell gut gerüstet: "Pflegeseitig versuchen wir, durch effiziente Stationsumverteilung das Personal besser zu bündeln." Um mehr Intensivbetten zur Verfügung zu stellen, bräuchte es aber auch mehr Personal.

Dieses Thema im Programm: Haupsache Gesund | 02. April 2020 | 21:00 Uhr