Zecke auf einem Arm
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Borreliose und FSME So wird das Zeckenjahr 2019

Für die aktuelle Zeckensaison haben Forscher keine guten Nachrichten. Die Risikogebiete für eine Infektion mit FSME haben sich ausgeweitet. Auch in Sachsen ist ein neues Gebiet hinzugekommen. Kritisch beobachten Experten hierzulande zudem die vermehrten Funde einer tropischen Jagdzecke. Wie immer stellt sich die Frage: Wie kann ich mich schützen?

von Jana Olsen

Zecke auf einem Arm
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Fast jede Woche läuft Prof. Martin Pfeffer mit großen, weißen Tüchern durch den Wald. "Zecken flaggen" heißt das in der Fachsprache. Die kleinen Blutsauger krallen sich an den Baumwolltüchern fest, die der Mikrobiologe der Uni Leipzig über das Gras schwenkt. Auf diese Weise sammelt er Zecken ein und untersucht sie im Labor: "Wir wollen wissen, wann sind welche Krankheitserreger wo. Ist das Virus immer in der Zecke, ist es zwischendurch in den Tieren, an denen die Zecken saugen. Diese Sachen wollen wir verstehen. Und ich denke, das ist ganz wichtig, um zu verstehen, wie wir uns davor schützen können."

2020 könnte starkes Zecken-Jahr werden

Zecke
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Bis zu 30 Zecken findet der Mikrobiologe Prof. Martin Pfeffer manchmal auf drei Quadratmetern. Dennoch: Ein gutes Zeckenjahr wird 2019 vermutlich nicht. "Nach dem gängigen Prognosemodell dürfte es erst im nächsten Jahr wieder besonders viele Zecken geben", prognostiziert er. Der Grund sei ein Drei-Jahres-Zyklus der Natur: Gebe es wie im vergangenen Jahr viele Bucheckern, Eicheln und andere Baumfrüchte, steige nach dem Winter die Zahl der Nagetiere an. "Mäuse könnten also in diesem Sommer den Zecken als Kinderstube dienen und dafür sorgen, dass wir im nächsten Jahr besonders viele Zecken zu erwarten haben", sagt Pfeffer.

Heimtückische Borreliose

Wanderröte nach einem Zeckenbiss
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Borreliose-Erreger finden sich recht häufig in den von Prof. Martin Pfeffer untersuchten Zecken. Die Borreliose ist auch die häufigste durch Zecken übertragene Krankheit in Deutschland. Ein charakteristisches Anzeichen dafür ist die sogenannte Wanderröte, ein roter Fleck, der sich um die Einstichstelle bildet und mit der Zeit immer größer und innen blasser wird. In diesem frühen Stadium bestehen gute Heilungschancen mit Antibiotika. Allerdings kann es auch sein, dass die Wanderröte gar nicht auftritt. Dann treten bei den Patienten unspezifische Symptome auf, zum Beispiel Rücken- oder Gelenkschmerzen. Das macht es oft sehr schwer, die Erkrankung zu diagnostizieren und zu behandeln.

Mehr FSME-Risikogebiete

Problematisch ist auch das FSME-Virus, das Zecken übertragen können. Die sogenannte Frühsommer-Meningoenzephalitis beginnt mit grippeähnlichen Symptomen, Kopfschmerzen und Fieber. Nach etwa einer Woche kann es zu neurologischen Ausfällen bis hin zu einer schweren Hirnhautentzündung kommen. FSME kann tödlich verlaufen. Mittlerweile gehören 161 Landkreise in Deutschland zu den FSME-Risikogebieten. Besonders hoch ist das Risiko für eine Infektion im Süden Deutschlands, im südöstlichen Thüringen und in Sachsen. Mit dem Landkreis Sächsische Schweiz-Ostererzgebirge ist hier in diesem Jahr ein neues Risikogebiet hinzugekommen. Doch auch wenn ein Landkreis nicht als Risikogebiet eingestuft ist, heißt das nicht, dass man sich da nicht anstecken kann. "Wir haben beispielsweise im Waldgebiet bei Battaune in Nordsachsen einen kleinen FSME-Herd gefunden, durch den es auch zu schweren Infektionen beim Menschen gekommen ist", warnt Prof. Pfeffer.

FSME-Risikogebiete 2019 in Mitteldeutschland (RKI)

Sachsen

  • LK Bautzen
  • LK Erzgebirgskreis
  • LK Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
  • LK Vogtlandkreis
  • LK Zwickau

Thüringen

  • SK Gera
  • LK Greiz
  • LK Hildburghausen
  • LK Ilm-Kreis
  • SK Jena
  • LK Saale-Holzland-Kreis
  • LK Saale-Orla-Kreis
  • LK Saalfeld-Rudolstadt
  • LK Sonneberg
  • SK Suhl

Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt gibt es derzeit keine FSME-Risikogebiete.

FSME Risikogebiete 2019
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Riesenzecke auf dem Vormarsch

Durch den Klimawandel fühlt sich zudem eine tropische Zecke immer wohler in Deutschland: die Hyalomma-Zecke. Sie ist etwa doppelt so groß wie heimische Zecken und läuft als Jagdzecke aktiv auf den Menschen zu. Auch sie kann Krankheitserreger übertragen, etwa das Fleckfieber und das Krim-Kongo-Fieber, das auch tödlich verlaufen kann. Das Robert-Koch-Institut bestätigte im letzten Jahr 19 Funde der eingewanderten Riesenzecke, unter anderem auch in Sachsen. Bei der molekularbiologischen Untersuchung wurde das Krim-Kongo-Virus allerdings nicht gefunden. Die Forscher vermuten, dass aufgrund der extremen Wetterbedingungen 2018 zahlreiche Hyalomma-Zecken schlüpfen konnten und wir uns auf eine größere Anzahl von Funden in diesem Jahr einstellen müssen.

Größenvergleich Hyalomma-Zecke 1 min
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Im Juni 2019 teilten die Universität Hohenheim und das Münchner Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr mit, sechs Hyalomma-Zecken entdeckt zu haben, die nachweislich in Deutschland überwintert haben. Das heiße allerdings nicht notwendigerweise, dass sie hier bereits heimisch sind.

Zecken sofort entfernen

Eine Zecken wird mit einer Pinzette entfernt. 1 min
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Saugt sich eine Zecke fest, muss sie schnell entfernt weren, etwa mit einer Pinzette. Entgegen landläufiger Meinung muss dabei nicht gedreht werden. Wichtiger ist es, sie möglichst direkt über der Haut zu greifen.

MDR FERNSEHEN Do 02.05.2019 21:00Uhr 00:26 min

https://www.mdr.de/nachrichten/ratgeber/gesundheit/video-zeckenentfernung-mit-pinzette-100.html

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Video

Wer draußen in der Natur unterwegs ist, tut also gut daran, sich danach gründlich nach Zecken abzusuchen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, Zecken zu entfernen, zum Beispiel mit Pinzetten, flachen Zeckenzangen oder -karten. "Wichtig ist, dass Sie direkt an der Haut ansetzen und dann langsam hochziehen. Nicht hektisch werden, sonst reißt der Stechapparat ab", empfiehlt Professor Pfeffer. Der Tipp, dabei zu drehen, ist unsinnig, denn die Saugwerkzeuge der Zecken haben kein Gewinde. Wichtig ist es, die Zecke so früh wie möglich zu entfernen. Denn Krankheitserreger wie Borrelien werden in der Regel erst nach 24 Stunden von der Zecke übertragen. FSME dagegen wird sofort sofort mit dem Speichel der Zecken übertragen. Wer Haustiere hat, die Freigänger sind, sollte sie mit Zeckenschutzmitteln versorgen. "Für Hund und Katze gibt es gute Präparate. Das sollte man nutzen", rät Tierarzt Professor Pfeffer. "Wenn die Tiere die Zecken mit nach Hause bringen, ist es den Zecken egal, bei wem sie zum Zuge kommen. Sie nehmen auch den Menschen."

So schützen Sie sich vor Zecken

Es gibt einiges, was man tun kann, um sich vor den ungebetenen Blutsaugern zu schützen.

Wanderwege

Eine Wandergruppe geht durch einen Laubwald
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Wenn Sie im Wald durch das Unterholz stapfen oder durch das hohe Gras laufen, ist das Risiko, eine Zecke abzustreifen, größer. Bleiben Sie am besten auf den befestigten Wegen und meiden Sie nicht gemähte Wiesen.

Kleidung

Tragen Sie lange Kleidung und stecken Sie die Hosenbeine in die Socken. Das erschwert den Zecken den Zugang zur Haut. Wenn Sie helle Kleidung tragen, entdecken Sie die Zecken schneller.

Repellents

Ein Finger drückt auf den Sprühkopf einer schwarzen Kosmetikspraydose, aus der Sprühnebel entweicht.
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Spezielle Cremes und Sprays sollen Zecken durch Düfte abhalten. Stiftung Warentest hat 2017 verschiedene Präparate untersucht, die nicht nur vor Zecken, sondern auch vor Mücken schützen sollen. Die besten Ergebnisse erzielten Autan und Anti Brumm. Der Schutz hält etwa vier Stunden an.

Body-Check

Blutsaugende Zecke
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Zecken sind ziemlich langsam und wandern eine ganze Zeit über den Körper, bis sie eine für sie angenehme Stelle zum Blutsaugen gefunden haben. Diesen Umstand kann man sich zunutze machen, indem man nach jedem Waldspaziergang sich gründlich auf Zecken absucht und die Zecke so schnell wie möglich entfernt.

Impfung

Impfung eines Kindes in den Oberarm
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Gegen Borreliose gibt es derzeit keine Impfung. Gegen FSME kann man sich jedoch impfen lassen. Eine Impfung wird insbesondere für Menschen empfohlen, die in FSME-Risikogebieten leben beziehungsweise dort Urlaub machen. Für einen vollen Impfschutz sind drei Impfungen notwendig. Nach den ersten beiden Impfungen im Abstand von etwa einem Monat ist aber schon ein 98-prozentiger Impfschutz erreicht.

In ganz Deutschland gab es im Jahr 2018 583 FSME-Fälle. Fast alle Erkrankten waren nicht oder unzureichend geimpft. "Ein hoher Anteil der auftretenden FSME-Erkrankungen könnte also durch eine Steigerung der Impfquoten verhindert werden", teilte das Robert-Koch-Institut (RKI) mit. Statistische Auswertungen des Impfstatus von Schulanfängern einiger Bundesländer zeigten, dass die Quote der FSME-geimpften Kinder niedrig ist. So hatten in den Risikogebieten Thüringens rund 40 Prozent die Impfung erhalten. Für Sachsen liegen diese Zahlen aktuell nicht vor. Das RKI geht davon aus, dass die  Impfquote bei den Erwachsenen noch geringer ist.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 02. Mai 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Mai 2019, 15:08 Uhr