Künstlerische Computergrafik eines Gerinnsels
Löst sich ein Blutgerinnsel, droht eine Embolie. Bildrechte: imago/Science Photo Library

Gefährlicher Blutstau Thrombose und Embolie

Eine Thrombose ist gefährlich, weil sie zu einer Embolie führen kann. Wir erklären, wie eine Thrombose entsteht, wie Sie Vorboten erkennen, wie Sie vorbeugen und warum neuere Antibaby-Pillen riskanter sind als ältere.

von Bettina Goldbach

Künstlerische Computergrafik eines Gerinnsels
Löst sich ein Blutgerinnsel, droht eine Embolie. Bildrechte: imago/Science Photo Library

Am 1. Dezember 2018 starb die Moderatorin Stefanie Tücking mit nur 56 Jahren. Sie hatte in den 1980ern die berühmte Musik-Sendung "Formel Eins" moderierte und war 30 Jahre beim Radio des SWR. Eine Freundin fand sie morgens leblos im Bett. Einige Tage später gab die Staatsanwaltschaft Baden-Baden dann bekannt, dass Stefanie Tücking an den Folgen einer Lungenembolie gestorben sei.

Stefanie Tücking
Stefanie Tücking Bildrechte: dpa

Ein tragischer Einzelfall? Keineswegs! Die Deutsche Gesellschaft für Angiologie ­– das ist die Fachrichtung der Inneren Medizin, die sich mit Gefäßerkrankungen beschäftigt –  geht davon aus, dass jährlich mindestens 40.000 Menschen in Deutschland  an einer Lungenembolie sterben. Das ist unter den Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems die dritthäufigste Todesursache.

Wie es zu einer Lungenembolie kommt

Künstlerische Computergrafik eines Gerinnsels
Löst sich ein Blutgerinnsel, droht eine Embolie. Bildrechte: imago/Science Photo Library

Doch was genau passiert bei einer Lungenembolie? Oberärztin Dr. Katja Mühlberg, Gefäßspezialistin am Universitätsklinikum Leipzig, erklärt: "Eine Lungenembolie ist eine Erkrankung, bei der sich ein Blutgefäß in der Lunge mit einem Gerinnsel verstopft ist." Handelt es sich bei dem Gefäß um ein kleineres Blutgefäß, ist die Embolie weit weniger dramatisch, als wenn eine große Lungenarterie betroffen ist. Hier sorgt der Verschluss umgehend für einen erhöhten Druck im Lungenkreislauf. Dagegen pumpt das Herz mit aller Kraft an und wird massiv überlastet. Jetzt fällt der Blutdruck ab, was wieder bedeutet, dass die Organe nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Alarmstufe Rot tritt ein! Es drohen ein Kreiskollaps und eventuell am Ende der Tod.

Wie eine Thrombose entsteht

Die Vorstufe einer Lungenembolie ist oft eine Thrombose, die sich in den Beinen gebildet hat. Eine Thrombose ist ein Pfropfen aus geronnenem Blut, der zumeist in den tiefen Venen der Beine entsteht. Vom tiefsten Punkt des Körpers aus, also von den Füßen muss das Blut gegen die Schwerkraft bis zum Herzen transportiert werden. Dazu müssen die Venen fit sein und das Blut gut fließen können. Doch Bewegungsmangel, beispielsweise durch eine lange Bettlägerigkeit, sowie hormonelle Umstellungen wie eine Schwangerschaft, aber auch verschiedenen Medikamente und Erkrankungen können dafür sorgen, dass das Blut in den Venen ins Stocken gerät. Wenn es jetzt gerinnt und sich ein Pfropfen bildet, der das Gefäß teilweise oder ganz verstopft, spricht man von einer Thrombose.

Vorschaubild Venen-Animation 1 min
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Die tiefen Venen pumpen das Blut mit Unterstützung der Muskulatur nach oben. Diese Anmitation zeigt, wie die Venen arbeiten und was passiert, wenn sich ein Thrombus löst.

MDR FERNSEHEN Do 13.06.2019 21:00Uhr 00:42 min

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Solche Klumpen entstehen oft an der Gefäßwand. Gefährlich wird es, wenn sich ein solches Gerinnsel ablöst, weil es dann unweigerlich in Richtung Lunge transportiert wird. "Das Heimtückische an einer Lungenembolie ist, dass sie sehr plötzlich, akut auftreten und dann auch gleich tödlich enden kann", sagt Dr. Mühlberg. Das müsse aber nicht immer so sein: "Es gibt auch Fälle, wo dieser Prozess schleichend ist und man vorher die Vorboten spürt."

Vorboten einer Thrombose erkennen und richtig handeln 

Die Vorboten zu erkennen und richtig zu deuten, kann lebensrettend sein. Symptome einer Lungenembolie können plötzliche Atemnot und Brustschmerzen sein. Weitere Symptome sind Herzrasen, eine beschleunigte Atmung, blutiger Husten, Angstgefühle, Unruhe, Atemgeräusche, Schweißausbrüche, Kreislaufzusammenbruch oder Blaufärbung der Lippen. Eine kürzlich vorangegangene oder gleichzeitig bestehende Beinschwellung erhärtet den Verdacht auf eine Lungenembolie.  Beim geringsten Verdacht auf eine Lungenembolie muss deshalb sofort der Rettungsdienst unter der Rufnummer 112 alarmiert werden. Bis er eintrifft, sollte die oder der Betroffene – sofern ansprechbar und mit funktionierender Atmung – mit erhöhtem Oberkörper gelagert werden.

Achtung: Betroffenen nicht unnötig bewegen, damit sich nicht noch mehr Gerinnsel ablösen. Wenn die Atmung aussetzt, muss sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen und der Notarzt per 112 gerufen werden.

Venen untersuchen lassen

Die tieferen Beinvenen – und die Gefahr, die möglicherweise in ihnen lauert – kann man heutzutage gut untersuchen. Das Zauberwort heißt "Kompressionssonografie". Dabei untersucht der Gefäßspezialist mit Hilfe von Ultraschall alle tiefen und oberflächlichen Beinvenen am Unter- und Oberschenkel. Im Ultraschallbild sieht er genau, wie die Gefäße beschaffen sind und wie gut das Blut hindurch fließt. Ist eine Vene mit einem Gerinnsel verstopft, also thrombosiert, läßt sie sich nicht mit dem Schallkopf komprimieren (zusammendrücken). Auch wie gut die Venenklappen funktionieren, kann im Ultraschall beurteilt werden. Stellt der Arzt hier Probleme fest, kann mit Hilfe der richtigen Therapie schon der erste Schritt zur Vermeidung einer Thrombose und letztlich einer Lungenembolie getan werden.

Schutz vor Reisethrombose

Beine von Flugzeugpassagieren
Auf Reisen sitzt man oft eingeengt. Bildrechte: imago/Martin Bäuml Fotodesign

Urlaubsreisen bedeuten oft auch stundenlanges Sitzen in Flugzeug, Bahn oder Auto. Die Blutbahnen von den Füßen aufwärts zum Herzen sind dabei im Kniebereich und in der Hüfte geknickt. Das erschwert den Blutfluss. Dazu kommt, dass die Wadenmuskelpumpe ohne Gehen über lange Zeit lahmgelegt ist. Im ungünstigsten Fall kann es dann zu einer Thrombose kommen. Mit einigen Tricks kann man dem entgegenwirken.

Richtig Sitzen: Ein 90 Grad Winkel im Knie sollte kein Dauerzustand sein. Am besten Beine unter den Sitz des Vordermanns ausstrecken. Auf keinen Fall die Beine übereinander schlagen.

Aufstehen: Soweit es geht, im Flugzeug, Zug oder Bus einmal pro Stunde aufstehen und sich die Beine vertreten.

Venengymnastik: Den Blutfluss durch Auf-und-ab-Wippen mit den Füßen in Gang halten.

bunte Kompressionsstrümpfe
Kompressionsstrümpfe senken das Thromboserisiko Bildrechte: imago/Karina Hessland

Reichlich Trinken: Die Luft an Bord ist so trocken, dass der Körper vermehrt Flüssigkeit verliert. Die Folge: Das Blut verdickt, fließt langsamer und staut sich. Deshalb pro Stunde mindestens einen Viertelliter Wasser trinken.

Kompressionsstrümpfe tragen: Vor allem Menschen mit einem erhöhten Thromboserisiko sollten sich daran halten. Empfohlen werden die Strümpfe unter anderem auch Reisenden mit Herzleiden, Krampfadern, starkem Übergewicht und Rauchern.

Thrombose durch Antibaby-Pille

Sarah K. ist frischgebackene Mutter. Seit acht Wochen haben sie und ihr Partner ein Baby. Alles ist gut und Sarah lässt sich nun wieder ein Verhütungsmittel verschreiben. Doch zehn Tage nach der Einnahme der Antibabypille beginnen sie starke Beschwerden zu quälen: Sie hat Kopf- und Nackenschmerzen, muss sich fast übergeben. "Einige würden das als Migräneanfall bezeichnen, was ich sonst aber nicht hatte", erinnert sie sich. Einige Tage erträgt sie die Schmerzen, dann hält sie es nicht mehr aus. Eine Odyssee beginnt: Es ist Freitag, die nächstgelegene Arztpraxis hat bereits am frühen Vormittag geschlossen, der Bereitschaftsarzt beim Notdienst rät zu Kopfschmerztabletten, kann aber nicht vorbeischauen. Sie beschließt, selbst in die nächste Klinik zu fahren. Auf der Fahrt in die Stadt verschwimmen die Bilder vor ihren Augen. In der rechten Hand hat sie kein Gefühl mehr. Ein Wunder, dass sie ohne Verkehrsunfall ankommt. Kurz vor ihrem Ziel verkrampft sich ihr Körper. Ihre Beine versagen. Die junge Frau bricht auf der Straße zusammen. Nun bringt ein Rettungswagen sie in das Krankenhaus, das sie allein nicht erreichen konnte. Die Ersthelfer glauben, sie hätte einen eingeklemmten Wirbel oder sei als stillende Mutter einfach übermüdet. Der Notarzt vermutet einen Tumor im Gehirn. Eine Untersuchung im CT zeigt keinen Befund. Man behält sie übers Wochenende in der Klinik. Erst am folgenden Montag klärt ein MRT die Ursache – eine Thrombose im Gehirn! Sarah K. ist schockiert: "Mein Gehirn hat quasi kein Blut mehr bekommen, es hätten auch einige Teile absterben können."

Frau mit Antybabypillenpackung
Bei neueren Pillen ist das Risiko höher. Bildrechte: imago/PhotoAlto

Doch was hat die Thrombose im Kopf der jungen Mutter ausgelöst? Ihre Ärztin hatte ihr eine Antibabypille verschrieben, die relativ neu auf dem Markt ist. Zwischen neueren und älteren Produkten gibt es einen Unterschied, vor allem in Bezug auf das Thromboserisiko, erklärt der Arzneimittelexperte Professor Gerd Glaeske von der Universität Bremen: "Wenn ich die Pillenlandschaft betrachte, bedeutet das, dass die älteren Pillen die besser verträglichen sind gegenüber den neueren Pillen", sagt er. Nur: "Das ist das Problem, das wir heute sehen, dass die neueren Pillen aber mehr und mehr verordnet werden. 75 Prozent aller Frauen bekommen die neueren Pillen und sind daher mehr Risiken ausgesetzt, als mit den älteren Pillen", so der Experte. Sarah K. hat sich jetzt die Pille einer älteren Produkt-Generation verordnen lassen. Die verträgt sie besser. Und sie ist froh, dass ihre Erfahrung mit der neuere Pille so glimpflich ablief: "Es war richtig Glück, sagen alle. Ich hatte richtig Glück.  Ich hatte mehrere Schutzengel!"

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 13. Juni 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Juni 2019, 13:04 Uhr