Tier - Therapie
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Hund, Pferd und Co. Tierische Therapeuten: Wie Tiere Menschen helfen können

Tiere können Seelentröster und echte Helfer in Not sein. Sie finden Zugang zu Demenzpatienten, sie riechen Krankheiten und erahnen Anfälle ihres Besitzers, bevor diese ausbrechen. Wie die tiergestützte Therapie funktioniert und welches Tier für wen geeignet ist, erklärt Experte Dr. Thomas Dietz.

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Tiere als therapeutische Begleiter

Als eine Art Therapeuten beim Menschen haben sich Tiere längst etabliert. Egal ob Pferd, Hund, Katze oder Alpaka, sie helfen kleinen und großen Patienten, zum Beispiel bei Angststörungen, bei Problemen des Bewegungsapparates oder Depressionen zu überwinden.

Tiere können Einsamkeit stoppen, demenzkranken Menschen neue Lebensqualität schenken und verhaltensauffälligen Kindern helfen, Vertrauen aufzubauen, Verantwortung zu übernehmen. Doch nicht nur das: Hunde helfen zum Beispiel Kindern, Aggressionen abzubauen und sie wirken auf sie entspannend. Sozial zurückgezogene Kinder werden durch Hunde aktiver, auf hyperaktive Kinder wirken Hunde sogar dämpfend.

Woran liegt es, dass Therapiehunde so gut ankommen?

Eine Labradorhündin neben einem Hundegeschirr mit der Aufschrift Therapiehund
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  • ein Tier wertet nicht
  • es reagiert nicht auf Äußerlichkeiten
  • die Hemmschwelle einer Kontaktaufnahme ist beim Tier geringer
  • der Umgang mit ihnen wirkt entspannend und aktivierend


Der entspannende Effekt der Tiere hat ebenfalls zur Folge, dass die Aufmerksamkeits-, Konzentrations- und Gedächtnisleistung von Kindern steigt – das wurde in Studien untersucht.

Viele Tiere wie Hunde, Meerschweinchen aber auch Alpakas, Kaninchen und sogar Hühner dienen als Helfer in der tiergestützten Therapie. Sie sind als Co-Therapeuten in Kliniken, Altenheimen und privat unterwegs. Sie motivieren die Menschen, wecken versteckte Ressourcen sowie Emotionen und regen zur Kommunikation an – sie sind tierische Therapeuten.

Auch große Tiere wie Pferde werden als Co-Therapeuten eingesetzt. Sie sind Therapeuten beim therapeutischen Reiten – wobei reiterliche Vorkenntnisse dabei nicht erforderlich sind. Patienten, Kinder, Jugendliche und Erwachsene werden durch besonders ruhige Pferde bewegt.

Man unterscheidet beim therapeutischen Reiten vier verschiedene Fachbereiche:

  • Hippotherapie
  • Reiten als Sport für Menschen mit Behinderungen
  • Heilpädagogische Behandlung mit Pferd
  • Ergotherapeutische Behandlung mit Pferd

Was ist Hippotherapie?

Behandelt werden mit der Hippotherapie hauptsächlich neurologische Symptome: bei bestimmten Erkrankungen und Schädigungen des Zentralnervensystems und des Stütz- und Bewegungsapparates.

Der Therapeut macht sich durch den medizinischen Einsatz des Pferdes die dreidimensionalen Schwingungsimpulse des Pferderückens sowie die Zentrifugal-, Beschleunigungs- und Bremskräfte zu Nutze, die auf den Patienten einwirken.

Wer verordnet Hippotherapie?

Grundsätzlich ein Arzt. Aus der ärztlichen Verordnung muss hervorgehen, dass eine Therapie auf dem Pferd durchgeführt werden darf.

Ärzte und die speziell ausgebildeten Physiotherapeuten arbeiten eng zusammen, dokumentieren und überwachen die Behandlungsfortschritte.

Wer übernimmt die Kosten?

Die Hippotherapie ist, wenn sie ärztlich verordnet und durch einen vollapprobierten Physiotherapeuten mit Zusatzausbildung zum Hippotherapeuten (DKThR) durchgeführt, seit 2008 eine anerkannte medizinische Heilbehandlung im Sinne von §4 Nr. 14a UStG.  

Trotzdem übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Hippotherapie-Kosten nicht. Einzelne private Krankenkassen übernehmen im Rahmen von Einzelfallentscheidungen die Kosten.

Was sind Diabetikerwarnhunde?

Schäferhund Cooper besucht eine Seniorin.
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Diabetikerwarnhunde sind ausgebildete Assistenzhunde. Sie werden in der Regel 18 bis 24 Monate ausgebildet. Ihre Aufgabe besteht darin, den sinkenden und steigenden Blutzucker zu bemerken und ihren Besitzer, den Diabetiker, zu warnen, bevor eine Unterzuckerung oder Überzuckerung passiert.

Sinkt der Blutzuckerwert zu tief, verändert sich der Körpergeruch und der Hund warnt vor einer gefährlichen Unterzuckerung. Für diese Situation werden Diabeteshunde mit speziellen Geruchsproben trainiert. Sobald sie eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) riechen, spulen sie ihr eingeübtes festes Programm ab. Die feine Nase eines ausgebildeten Diabeteshundes liegt in 90 bis 95 Prozent der Fälle richtig – und ist damit extrem zuverlässig.

Viele Diabetikerwarnhunde haben gelernt, falls bei ihren Besitzern doch mal eine Bewusstlosigkeit auftreten sollte, über das Notfalltelefon – einen Knopf zu betätigen – Hilfe zu verständigen. Diabetikerwarnhunde werden sowohl für Kinder, als auch für Erwachsene ausgebildet.

Wie wirkt die Tiertherapie?

Prinzipiell kann das Tier in der Therapie mehrere Rollen einnehmen. Bei Hunden etwa gibt es zum einen die Besuchshunde, die zum Beispiel Wachkomapatienten oder Schmerzpatienten besuchen und durch ihre bloße Nähe eine Wirkung erzeugen – bei Wachkomapatienten lässt sich nach der Berührung durch das Tier zum Beispiel eine Veränderung des Pulsschlags messen.

Es gibt auch Therapiebegleithunde. Das können Hunde sein, die einem Menschen unmittelbar helfen, als Kraftspender oder Seelentröster in Lebenskrisen und bei psychischen Problemen. Aber auch Hunde, die einen Therapeuten bei der Arbeit unterstützen, Logopäden zum Beispiel oder Ergotherapeuten.

Gesichert ist, dass Hunde auf vielfältige Weise Einfluss auf unsere körperliche und seelische Gesundheit haben. Sie helfen dabei, Kontakt zu anderen Menschen aufzunehmen, wirken ausgleichend, ermutigen dazu, uns zu bewegen. Damit haben sie Einfluss auf Faktoren wie Übergewicht, Blutdruck und Blutfette.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 05. September 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. September 2019, 19:35 Uhr