Spinalkanalstenose Rückenschmerzen durch verengten Wirbelkanal: Was hilft?

Schmerzen im Rücken sind eine Volkskrankheit. Rund jeder sechste Mann und jede vierte Frau leiden laut Robert-Koch-Institut unter chronischen Rückenschmerzen. Eine häufige Ursache ist ein verengter Wirbelkanal. Rückengymnastik kann helfen – als Ergänzung zu weiteren Therapien.

Eine Ärztin hält eine Röntgenaufnahme, die eine gekrümmte Wirbelsäule zeigt, vor sich.
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Rückenschmerzen sind eine der häufigsten Ursachen für Krankschreibungen. Das bestätigen auch die aktuellen Gesundheitsreporte der Krankenkassen. Nicht selten gibt es Ausfallzeiten von bis zu einem halben Jahr. Auch Gabriele Beck aus dem thüringischen Pößneck hat das durchgemacht. Schon seit einigen Jahren war sie immer wieder wegen Rückenschmerzen in Behandlung – bis im letzten Sommer gar nichts mehr ging. "Ich konnte nicht laufen, nicht stehen, nicht sitzen. Ich konnte gar nichts. Ich lag nur und das mit Schmerzen", erinnert sich die 64-Jährige.

Häufige Ursache: Spinalkanalstenose

Die Ursache für ihre Schmerzen war eine sogenannte Spinalkanalstenose. Diese tritt mit zunehmendem Alter immer häufiger auf. Dabei handelt es sich um eine Verengung des Wirbelkanals, in dem auch wichtige Nerven verlaufen. Diese Verengung kann Schmerzen bereiten, die bis in die Beine ausstrahlen.

"Bei einer Spinalkanalstenose werden die im Wirbelkanal befindlichen Nervenfasern abgequetscht, das macht den Schmerz", erklärt Dr. Katja Liepold, Orthopädin an den Thüringen-Kliniken in Saalfeld. Kribbeln, Missempfindungen und Taubheitsgefühle gehören ebenfalls häufig zum Beschwerdebild. Im schlimmsten Fall führt die Einengung zu einer Lähmung der Beine. Häufigste Ursache für eine Spinalkanalstenose sind Verschleißerscheinungen, Wirbelgleiten, eine Bandscheibenvorwölbung oder auch ein ausgeprägtes Hohlkreuz.

Aktiv gegen den Schmerz

Anfangs suchte Gabriele Beck wie viele Rückenschmerzpatienten Linderung mit Hausmitteln und Schmerztabletten. Als das keine dauerhafte Besserung brachte, ging sie in die Thüringen-Kliniken in Saalfeld. Hier wird eine einwöchige stationäre Therapie speziell für Rückenpatienten angeboten. Sie umfasst eine individuelle Schmerztherapie und ein komplementärmedizinisches Behandlungsprogramm. Bei Gabriele Beck soll zu Beginn eine sogenannte Infiltrationstherapie die Schmerzen unter Kontrolle bringen.

Chefärztin Dr. Katja Liepold spritzt ein abschwellendes Kortisonpräparat unter Röntgenkontrolle direkt in den Spinalkanal. Das nimmt die Schmerzen. Dazu bietet die Klinik eher passive Maßnahmen wie Moorpackungen, Stromtherapie und manuelle Therapie an. "Je besser es dem Patienten geht, umso mehr aktive Therapien kommen hinzu wie Kranken- und Aquagymnastik oder Entspannungstechniken", erklärt Dr. Katja Liepold. Denn die Wirbelsäule ist mit ihrer hochkomplexen Struktur aus 24 Wirbeln, 23 Bandscheiben, zahlreichen Muskeln und Bändern ein anfälliges System. Ein System, das permanent bewegt werden muss, in schmerzhaften wie in schmerzfreien Zeiten.

Operation - wenn Lähmungen drohen

Dr. Katja Liepold
Dr. Katja Liepold Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Doch nicht immer reicht die konservative Therapie auf Dauer aus. Bei Gabriele Beck hat es gut ein Jahr gedauert, bis die Schmerzen wiederkamen – und das mit voller Wucht. Eine Operation wurde unausweichlich. "OP-Pflicht besteht zum Beispiel dann, wenn neurologische Ausfälle auftreten. Es ist aber immer eine gemeinsame Entscheidung von Arzt und Patient, ob wir operieren oder nicht", so Dr. Liepold. Gabriele Beck entschied sich dafür. Im Juli letzten Jahres war es so weit. In einer einstündigen Operation wurde der verengte Spinalkanal geweitet und die Lendenwirbel, die sich verschoben hatten, wurden fest miteinander verschraubt. Zwei Tage nach der OP wurde ein Korsett angelegt, das die Wirbelsäule anfangs entlasten soll.

Nachsorge genauso wichtig wie Vorsorge

Heute, ein halbes Jahr nach der OP, geht es Gabriele Beck gut. "Die Schmerzen sind weg. Ich merke zwar, dass da etwas in meinem Rücken ist, aber es stört mich nicht." Doch die OP allein war bei ihr nicht der alleinige Schlüssel für dauerhafte Schmerzfreiheit. Nach der Reha nahm die Patientin an einem umfangreichen Nachsorge-Programm teil. Das heißt IRENA, was für "intensivierte Rehabilitationsnachsorge" steht. Das Programm umfasst unter anderem Rückenschule und Entspannungstherapie. "Das regelmäßige Training hat mich wieder richtig auf die Beine gebracht", bestätigt Gabriele Beck. Denn nach jahrelangen Schmerzen und einer Operation brauchen die Muskeln Monate, bis sie wieder stark genug sind, den Rücken zu halten.

So stärken Sie Ihren Rücken

Zurück zum Wunschgewicht. Übergewicht ist Gift für den Rücken. Nicht nur, dass Ihr Rücken mehr tragen muss, ein dicker Bauch verändert die Körperstatik und zieht Sie ins Hohlkreuz. Also ran ans Abnehmen und runter mit dem Gewicht!

Schwimmerin in Schwimmbecken
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Mehr Bewegung in den Alltag
Es gibt fast keine "falsche" Bewegung, allenfalls "zu wenig". Wichtig für den Rücken ist, dass alle Richtungen der Wirbelsäule regelmäßig durchbewegt werden – ob mit Schwimmen, dem Rückenpräventionskurs, Yoga oder Pilates ist im Grunde egal. Nicht vergessen: Auch die Bauchmuskeln müssen gut trainiert werden, denn sie stützen den Rücken.

Stress reduzieren
Etwas liegt einem schwer auf den Schultern, heißt es. Und das stimmt wortwörtlich. Wenn wir Stress haben, spannen sich unbemerkt die Muskeln im ganzen Körper an. Rückenschmerzen sind vielfach die Folge. Lernen Sie also, auch mal lockerzulassen!

Wärme gegen Verspannungen
Bei Rückenschmerzen durch eine verspannte Muskulatur ist ein warmes Bad eine Wohltat. Badezusätze mit Lavendel- oder Rosmarinöl verstärken den Entspannungseffekt.

Kälte gegen Entzündungen
Kälteanwendungen versprechen eine schnelle Schmerzlinderung im Fall einer Entzündung. Eisabreibungen oder kalte Güsse nach Kneipp sind hier gute Varianten.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 16. Januar 2020 | 21:00 Uhr