Alleinsein Wege aus der Einsamkeit

Lange Zeit dachte man beim Thema Einsamkeit vor allem an Gefühle, an Traurigkeit und Depressionen. Aber jüngere Studien belegen: Einsamkeit kann tatsächlich körperliche Krankheiten verursachen. Welche Wege führen heraus?

Frau sitzt alleine vorm Fernseher.
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Die Verursachung körperlicher Beschwerden liegt vor allem an dem Stresshormon Kortisol. Bei einsamen Menschen ist der Kortisolgehalt im Blut höher und das führt zu Schlaflosigkeit, erhöhtem Blutdruck und Blutzuckerspiegel. In der Folge wird das Immunsystem geschwächt.

Was aber kann man gegen Einsamkeit tun? Eine große Schwierigkeit ist für die Betroffenen die Stigmatisierung von Einsamkeit. Viele Menschen glauben, sie seien selbst schuld an mangelnden sozialen Kontakten.

Professorin Steffi Riedel-Heller von der Universität Leipzig befasst sich mit psychosozialen Krankheiten. Sie weiß, dass Einsamkeit jeden Menschen treffen kann, egal ob jung oder alt. Dabei ist nicht jeder Mensch, der ab und zu allein ist, auch einsam. Die Qualität der sozialen Kontakte ist ausschlaggebend. Nur wer sich längere Zeit sozial isoliert fühlt, entwickelt die entsprechenden Symptome.

Gründe für Einsamkeit

nachdenkliche junge Frau
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Bei älteren Menschen ist es meist der Verlust des Lebenspartners, der zur sozialen Isolation führt. Vor allem, wenn die Kinder aus beruflichen Gründen in eine andere Stadt gezogen sind. Aber Einsamkeit kann jeden treffen: Studenten zum Beispiel, wenn sie zum ersten Mal nicht mehr im Elternhaus, sondern allein in einer fremden Stadt leben. Auch eine Ehescheidung und der oft damit einhergehende Verlust des gemeinsamen Freundeskreises kann einsam machen. Ebenso ein berufsbedingter Umzug in eine andere Stadt.

Tipps gegen Einsamkeit

In Thüringen, wo die Menschen vor allem in ländlichen Gebieten über Einsamkeit klagen, gibt es sogenannte Dorfkümmerer. Sie machen Hausbesuche, erledigen praktische Dinge, aber vor allem hören sie zu, sie kümmern sich. Aber man muss nicht warten, bis jemand zu einem kommt. Steffi Riedel-Heller hat Tipps und Hinweise für einsame Menschen:

Einsamkeit ist kein Makel

Einsamkeit ist kein Makel und keine Frage der Schuld. Selbstvorwürfe und Abwertungen (z.B. ich bin allen egal, langweilig etc.) bringen nichts, ja mehr noch, sie schaden – das Selbstbewusstsein sinkt und alles wird noch mühsamer. Denn: Verschiedene Umstände können dazu führen, dass sich aktuell das Gefühl der Einsamkeit einschleicht und breitmacht.

Sie sind liebenswert!

freundliche Rentnerin
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Machen Sie sich bewusst: Einsam zu sein, bedeutet nicht, dass man nicht liebenswert ist. Kennen Sie Ihre liebenswerten Seiten? Behandeln Sie sich selbst so liebevoll wie einen guten Freund. Lernen Sie, sich selbst anzunehmen: Es ist in Ordnung, wie Sie sind.

Gehen Sie dahin, wo andere Menschen sind

Es ist eine alte Weisheit, dass man das Gefängnis der Einsamkeit nur von innen öffnen kann. Deshalb: Werden Sie aktiv. Gehen Sie dahin, wo andere Menschen sind. Verlassen Sie Ihre Komfortzone und ausgetretene Pfade.

Und: Seien Sie nicht zu wählerisch und haben Sie nicht zu hohe Erwartungen. Jeder Kontakt zählt! Machen Sie den ersten Schritt. Zeigen Sie Interesse. Es kostet oft Mühe, die Angst vor Ablehnung zu überwinden.

Eine gute Einstellung zu anderen Menschen ist hilfreich

Popkonzert-Publikum
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Wenn wir Schwierigkeiten haben, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen, dann liegt das manchmal an unserer Einstellung. Wer ein negatives Menschenbild hat (alle sind nur auf ihren Vorteil bedacht, jeder denkt zuerst an sich etc.), strahlt das auch aus. Wenn Sie Gutes erwarten, dann wird es Ihnen leichter fallen, neue Kontakte zu knüpfen, anderen Menschen Vertrauen zu schenken und sich zu öffnen.

Geben und Helfen sind die Königsdisziplinen

Jeder kennt den Bibelspruch "Geben ist seliger denn Nehmen". Und in der Tat: wer gibt, fühlt sich reich. Das können kleine Gesten im Alltag sein, ein offenes Ohr oder auch Engagement wie Freiwilligenarbeit. Dadurch erleben wir, dass wir gebraucht werden, dass wir etwas bewegen können. 

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 13. Februar 2020 | 21:00 Uhr